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Stellenangebot: Kann ich die Mitte noch mal hören?

Ich kann nicht anders. Ich muss mich mal eben ein bisschen échauffieren über eine Stellenanzeige, die das ganze Elend der modernen Arbeitswelt auf einen so unglaublisch unscharf und schmierig verwischten Punkt bringt, wie es keine Parodie je könnte.

Ich bitte Euch also, liebe Leser, sich bei dem folgenden Originaltext eines Stellenangebots zwischendurch zu fragen, worum es wohl gehen könnte.

(Mag sein, dass meine Wahrnehmung ein bisschen verdorben ist: Vor Jahren war ich mal – und nur einmal – in einem Frisiersalon von Vidal Sassoon und wurde gebeten, zu warten, mein Art Director käme gleich. Es war dann doch nur ein Friseur, aber eben einer bei Vidal Sassoon.)

Aber jetzt los: Hier also das Stellenangebot, das ich heute per Mail von Stepstone bekam, formuliert und veröffnetlicht durch eine – Pest und Hölle über auch diesen völlig pervertierten Begriff – Unternehmensberatung:
Unser Klient ist ein erfolgreiches mittelständisches, international agierendes Unternehmen. Wachstum, Top Produkte mit sehr hohem Qualitätsstandard und bestes Image in der Branche zeichnen unseren Klienten aus. Im Rahmen der Expansion unseres Klienten suchen wir nun im exklusiven Alleinauftrag für den Standort München eine/n:

Kreativdirektor · Creative Director m/w

Die Position
Sie tragen die Verantwortung für den technologischen Fortschritt des Unternehmens. Als Kreativdirektor sichern Sie die Marktposition als Innovationsführer in der Branche. Sie verantworten - unter Berücksichtigung der Kosten - den gesamten Innovations- und Produktentwicklungsprozess, führen und motivieren Ihre Mitarbeiter, gewinnen neue, kreative Köpfe für das Unternehmen und binden Ihr gesamtes Team langfristig ans Unternehmen.

Kernaufgaben:
  • Sie liefern in enger Abstimmung und direktem Reporting an die Geschäftsführung die entscheidenden Impulse für die zukünftige Entwicklungsstrategie und Produktpolitik
  • Sie befüllen die Produktpipeline, leiten die strategischen Entwicklungsprojekte, entwickeln Zeit- und Budgetvorgaben und garantieren ein wirtschaftliches Arbeiten Ihres Bereichs
  • Sie arbeiten eng mit Kunden zusammen, um Konzepte und Produktideen zu generieren, zu validieren und Praxistests durchzuführen
  • Sie führen einen stringenten Innovations- und Produktentwicklungsprozess ein, von der Ideenfindung über die technische Umsetzung bis hin zur Integration in die Produktion
  • Sie beobachten Markt und Wettbewerb
  • Sie vertreten das Unternehmen in Gremien und Branchenverbänden
  • Sie führen Trendscoutings durch
  • Sie führen ein Team von derzeit ca. 15 Mitarbeitern
  • Bereichs-Prokura sowie Budgetverantwortung für F & E
  • Enge Zusammenarbeit mit den internen Abteilungen, wie Produktion, Einkauf, Marketing und Vertrieb
Zitat Ende.

Und nun die Quizfrage: Geht es um IT? Maschinenbau? Elektrische Kartoffelschäler? Eine Schnellschusterei? Oder ist das irgendein Friseurbedarfshersteller? Oder doch nur der Filiallleiter von Vidal Sassoon?

Esoterik im Getreide...

Einige sind sicher: Außerirdische wollten den Erdenbürgern ihre Liebe zeigen. Kornkreise in norddeutschen Feldern ziehen Esoterikanhänger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Tausende sind seit Bekanntwerden der Gebilde vor einer Woche über die A7 in den Norden gepilgert, um das aus einer merkwürdigen Kreisform bestehende Ornament mit einem Durchmesser von rund 1,75 Metern zu bestaunen.

"Sie sangen, tanzten, spielten Gitarre, schwangen Pendel und haben im Feld übernachtet", berichtete eine Anwohnerin der "Marner Zeitung". Für viele Besucher steht fest, dass der Kornkreis nicht auf natürliche Weise entstanden ist. Nachdem Ballonfahrer die Gebilde vorige Woche entdeckt hatten, verbreitete sich die Botschaft über Internetforen wie ein Lauffeuer. Kornkreis-Interessierte haben inzwischen sogar einen eigenen kleinen Forschungszweig gegründet. Sie erkunden die Phänomene im Rahmen der Cerealogie oder Kornkreiskunde.

Gruslig bei der Google-Suche:
Sie sind schon über-überall.

Zeichen der Liebe oder Studentenscherz

Eine Anhängerin der Theorie, wonach Kornkreise von Außerirdischen geformt werden, sagte der Zeitung: "Das ist eine Technologie, die wir noch nicht beherrschen, sie wollen uns zeigen: Wir sind da, wir lieben euch." Andere Besucher halten es für keinen Zufall, dass manche Kornkreise nur wenige Hundert Meter von den Windürmen entfernt sind, die seit einigen Jahren wie durch Zauberhand aus dem sonst so platten Land emporsprossen.

Landwirt Karheinz "Kalli" von Horsten, dem eines der betroffenen Weizenfelder gehört, versicherte, dass er den Kornkreis nicht angelegt habe. Von ihm stammten lediglich die üblichen Fahrgassen zur Bewirtschaftung des Feldes. Huttner vermutet, dass Studenten das Gebilde in den Acker geschnitten haben könnten. "Das ist sehr schwierig und wirklich gut gemacht", sagte er. "Ich weiß nicht, wie die das angestellt haben. Man sieht nichts, keine Reifenspuren, überhaupt nichts."

Auch den Besuchern des Kornkreises stellt von Horsten ein gutes Zeugnis aus. "Die Leute sind sehr anständig und ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie ins Feld gehen." Sie hätten sogar Sammelbüchsen aufgestellt, um den Flurschaden, der ihm entsteht, zu ersetzen. "Der Schaden beträgt lediglich einige Hundert Euro", erläuterte der Landwirt, " und im Winter nehmen wir das Zeug soweiso als Streu für die die Schwarzbunten, wenn wir herausgefunden habne, wie wir's in die Scheune kriegen." 



Frei variiert nach einem Artikel in SpiegelOnline, angeregt von Barbara Nordeck. (Danke Babo.)

Vermischtes zum Abspeichern und Datenbevorraten

1. Was bedeutet eigentlich NS?  Gegen die Buchstabenkombination NS, als Kürzel eingesetzt,  hege ich seit je her ein gewisses Misstrauen.
  • Noch vergleichsweise harmlos wird sie bei Geldgeschäften verwandt, ein vom Aussteller unterzeichneter Wechsel wird mit NS für "nach Sicht" beschriftet, spätestens dann muss derjenige sich klar sein, dass es später teuer werden kann.
  • Etwas eklig finde ich die unter dementsprechend Interessierten verbreitete Sexualpraxis "Natursekt", die sich, ebenfalls zu NS verschlüsselt, in Kontaktanzeigen für dementsprechend Interessierte wiederfindet.  
  • Weitaus widerwärtiger allerdings ist das NS, wenn es die beiden Begriffe "national" und "sozialistisch" knackig zu zwei kurzen Silben verkürzt, die man dann vor jeder Menge Dreck platziert, von NSDAP über NS-Rockerbanden bis hin zu dem aktuellen NSU-Prozess, bei dem die gezielten Tötungen von meist türkischgen Geschäftsleuten verhandelt werden. 
  • (In diesem Zusammenhang übrigens wirkt das anerkennende NS für "nice shot" bei Mehrspieler-Online-Ballerveranstaltungen einigermaßen befremdlich. Aber welcher vernünftige Mensch täte so was, außer vielleicht, um halbwegs elegant die Kurve zu Anglizis- und Amerikanismen zu nehmen, was hiermit geschieht:)
  • In den USA nämlich steht NS für die Nationale Sicherheit, gern – und inzwischen bekannt – auch mit dem A für Agency verbunden. Und dieser Drecksladen, der sich anmaßt, im Namen irgendeiner Sicherheit alles über jeden wissen zu wollen, ist mir momantan im Abstand am widerlichsten. Nicht dass ich den entsprechenden deutschen Organen mehr traute: dass unsere Politiik scheint im Moment zwar empört, aber wohl eher darüber, dass so etwas bekannt werden konnte.
Ich bin sauer, ja. Überrascht? Nein.

© Thies Thiessen 2013

2. Sollte ich also einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin (oder Obama oder wen auch immer) schreiben?
Nein, das lohnt nicht. Was könnte in diesen Zeiten alberner sein, einen Brief extra als "offen" zu kennzeichnen. Alle Post ist offen, E-Mail so wieso, der klassische Brief auf Papier wird spätestens nach Einreise in die USA geöffnet und abfotografiert, eher er, wieder zugeklebt, an den Präsidenten weitergeleitet wird. Es reicht wahrscheinlich, einen kurze SMS an sich selbst zu schicken. Die kommt genauso sicher an.

3. Ich könnte ja anrufen...
"Zur Sicherung unserer Gesprächsqualiät werden vereinzelt Gespräche aufgezeichnet. Falls Sie das nicht wünschen, zeigen Sie uns das vor Gesprächsbeginn kurz an..."
Nur zu. Kommt doch eh nicht mehr drauf an. 

4. Wieso macht Ihr das, Ihr Amis, nachdem Ihr doch den ersten schwarzen Präsidenten unter dem Hoffnungsmotto "Yes we can" gewählt habt?

"Because we can." Ach so. Danke.

5. Wozu da noch Nachforschungsaufträge an die Deutsche Post? 
Stimmt, geht doch viel einfacher:  
Dear NSA, Three days ago, I should have got a letter from my uncle Horst-Dieter from Darmstadt. Inside, there was nice photography of my new born nice Jacqueline. Until today, I didn't get this letter. Could you please send me a copy of it. Thanks.

6. Wer schützt uns vorm Terrorschutz?
Hier habe ich vor Monaten in einer fiktiven Pressemeldung beschrieben, wie der meistgesuchte Terrorist der USA irgendwo in Norddeutschland von amerikanischen Truppen hingerichtet wurde.
Machen wir uns nichts vor: Die Machthabenden in den USA – die ich von den Regierenden bitteschön unterschieden wissen will – glauben wirklich, sie lebten in God's Own Country und der Gute Alte haben Ihnen das Recht verliehen, die Souveränität anderer Staaten oder gar Individuen im Eventuallfall komplett zu ignorieren. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

7. Wieso fällt mir jetzt Karl Kraus ein?



Einkaufszentren und Demografie

Jeder weiß, Deutschland wird älter. Was wenige wissen: der Hamburger Stadtteil Poppenbüttel ist jetzt schon alt, will sagen, hier ist der Prozentsatz alter Menschen am höchsten in Hamburg.
Eigentlich fast verwunderlich, dass ein großes Hamburger Einkaufszentrum erst jetzt auf den Gedanken gekommen sit, sich dieser interssanten Zielgruppe – nämlich den letzten Rentnern, die noch nennenswerte Rente kriegen – noch ein bisschen entschiedener anzunähern.


Im Herbst dieses Jahres wird, so Gerüchte, das Einkaufzentrum komplett mit Rollstegen und Treppenliften ausgestattet, schon heute kann der aufmerksame Betrachter erste, unauffällige Veränderungen in der Eingangszone erkennen.

Erfreulich, dass auch mal jemand an die Älterne denkt.

Was war ich wieder fleißig!



Schon, um mich zu überzeugen, dass ich auch noch das OldSchoolZeichnen auf Papier beherrsche, habe ich in den letzten Abenden immer mal wieder das Skizzenbuch aufgeschlagen und mich dabei an einem Grundthema festgehalten. Interpretieren möge bitte das jemand anders.

© alle Zeichnungen 2012 Thies Thiessen

Freiheit, die ich weine.

Vor, wenn ich richtig rechne, 25 Jahren, bekam mein guter Freund, der freie und damals noch erfolgreiche Journalist Hans-Georg Behr mal wieder einen Auftrag der damals noch existierenden "Zeitgeist"-Zeitschrift TEMPO. Er hatte schon diverse Artikel für das Blatt geschrieben, in diesem besonderen Fall hatte man ihn angerufen, weil, wie der Chefredakteur Markus Peichl fand, das Thema perfekt zu ihm passen würde: STERN-Autor Niklas Frank hatte mit seinem Vater, dem 1946 hingerichteten Nazi Hans Frank, auf sehr persönliche Wiese abgerechnet, und zwar in seinem Buch "Der Vater". Und wel Hans Georg-Behr schließlich auch einen Nazivater hatte, schien es Peichl eine gute Idee, durch ihn eine Kritik, sozusagen von Nazikind zu Nazikind schreiben zu lassen.
Hans-Georg Behr schrieb. Und schickte sein Manuskript an den TEMPO verlegenden Jahreszeiten-Verlag.

In der nächsten Ausgabe der TEMPO erschien ein Artikel, bei dem allerdings nur noch der Name Hans-Georg Behr von ebendem stammte. Markus Peichl bzw. dessen Redaktion hatten den sehr persönlichen Text bis zur Unkenntlichkeit "umgeschrieben". Weder stilistisch noch inhaltlich hatte das Ganze noch etwas mit Behr zu tun.
Behr bat um Aufklärung und erfuhr, man hätte den Text verbessert. Es gab diverse Herumbrüllereien am Telefon, gereizte Schriftwechsel, allerdings gab der Chefredakteur nach wie vor der Meinung Ausdruck, richtig gehandelt zu haben und war auch nicht zu einer veröffentlichten Richtigstellung oder Gegendarstellung bereit.

Also klagte Hans-Georg Behr gegen den Jahreszeiten-Verlag. Und gewann. Ja, er bekam sogar noch 10.000 Mark zugesprochen. Einen Teil dieses Geldes investierte er in eine rauschendes Fest, zu dem er ein Lokal anmietete und die Kellner anwies, kein Sektglas je leer werden zu lassen. Es begann um 15:00, gegen 21:00 ging ich sturzbetrunken nach Haus. Hier verschwimmt meine Erinnerung ein wenig, aber ich meine, sogar der Justitiar der Gegenseite war zu Gast und gratulierte Hans-Georg Behr von Herzen.

Nach diesem Sieg und dem anschließenden Fest bekam Hans Georg Behr über viele Jahre keinen Auftrag mehr von irgendeinem in Hamburg verlegten Magazin. Er hatte sich, so später seine These, für die großen Verlage endgültig verbrannt, weil er darauf beharrt hatte, als Urheber ein Recht auf seinen Text zu haben und damit ein Recht, zu entscheiden, wie dieser Text ver-oder bearbeitet wird. Man könnte sagen, natürlich hatte er dieses Recht. Ganz offiziell hat das jeder, der was erdenkt und schafft.

Aber genau da liegt, heute wie damals, das Problem, insbesondere für alle freie Tätigkeit. Viele, zuviele Auftraggeber können sich nämlich einfach damit nicht abfinden und formulieren – mal mehr, mal weniger offen – die folgende Wohlverhaltensregel für freie Autoren/Fotografen/Illustratoren etc.:
Und wenn sie dich auch haut, beiß nie die Hand, die dich füttert.
Was bleibt: Wer Recht hat, gibt einen aus. Vielleicht ist es die letzte Gelegenheit.

Fundstücke: weitere iPadPortraits

Ich hab wieder mit dem iPad rumgespielt.
© Thies Thiessen 2012
 Die App Harmonious überzeugt dann, wenn man sich auf Kontrollverlust einlässt.
© Thies Thiessen 2012
Sie bietet eine kleine Auswahl merkwürdiger Striche und Strichverbindungen, die sich zu ungewöhnlichen und, wie gesagt, kaum kontrollierbaren Strukturen verknüpfen.
© Thies Thiessen 2012
Und wenn man ein bisschen mit den Farben rumspielt, wird's richtig gruselig. 
© Thies Thiessen 2012


Sehr cool finde ich Fontify.

© Thies Thiessen 2012
Denn hier kann ich Buchstaben und Zeichen aus diversen Schriften platzieren, drehen und skalieren, bis ich – z.B. hier mit der Schrift Scriptina – zwei bebrillte Herren zusammentypographiert habe.

Ach ja, beide Apps sind kostenlos erhältlich. Natürlich mit z.T. eingeschränkten Funktionen. Macht aber nix.

1 Blog. 1.000 Posts. Jede Menge Jubel!

Ja! Es ist wahr:
Sie lesen gerade den eintausendsten Beitrag in diesem Blog.



Und jetzt ist er auch schon wieder vorbei.



So schnell geht das.  (Angebote zum Nachdruck, zur Verfilmung oder Bühneninszenierung oder zur Draganbaddropweiterverwertung für Doktorarbeiten oder Erstlingswerke werden übrigens ab sofort entgegengenommen.)

Schickt mir einen netten Kernreaktor! (Eine Art Wettbewerb)

Zu meinem letzten Post "Kerni & Krafti: Von Japan lernen" erhielt ich einen freundlichen Kommentar von Haensel, der, wie ich weiß, selbst ein viel besserer Cartoonist ist, als ich es je sein werde.
Und in diesem Kommentar schrieb er: "Hat Serienproduktionspotential", was mich dazu anregte, ihn ganz anders zu verstehen, als er es vielleicht gemeint hat.

Ich glaube nämlich allen Ernstes, dass die beiden fröhlichen Befürworter besseres verdienen, als ausgerechnet und nur von mir gezeichnet zu werden. Um die Fiktion der konzeptionell wohl misslungensten Werbefiguren der Reklamegeschichte noch überzeugender zu machen, bitte ich also alle, die sich trauen, Kerni & Krafti zu zeichnen – höher gestochen: "zeichnerisch zu interpretieren" – und mir diese Zeichnung als JPG zu schicken, sie auch auf eigenen Sites zu präsentieren und so weiter. (Meine E-Mail-Adresse ist leicht herauszufinden.) Wer Zeit und 'ne Macke hat, soll auch einen Trickfilm machen – ich hab schließlich auch Youtube.

(Sie sind übrigens wirklich einfach zu zeichnen, wie man hier sieht, also folgt der Aufforderung:)

Ich werde die Ergebnisse auf einer eigenen Seite in diesem Blog ausstellen und gemeinsam schaffen wir – ich trau mich kaum es auszusprechen, ich schreib es lieber rückwärts, damit es nicht so gewollt aussieht – einen Tluk. 

Bist du dabei? Und du? Und du auch? Super.

Inselmarketing III

Vor zwei Jahren habe ich mich hier darüber gefreut, dass sich ein Grafiker erbarmt hat, die Insel Rügen mit einer sympathischen Werbefigur bekannter zu machen. Noch erfreuter zeigte ich mich darüber, dass die Werbefigur "Rügi" auch exakt den Umriss der Insel hatte, was zu einer tollen Unverwechselbarkeit führte.
Heute finde ich auf der Website eines ehemaligen Studenten von mir ein Cartoon, das exakt diese Idee für die Insel Sylt fortschreibt. Nun gut, jeder kennt Sylt und vor allem die Aufkleber. Aber warum soll die Insel nicht einfach mal sympathisch statt arrogant daherkommen?
Danke Chaesare, (the artist formely known as Armin)  für diese schöne Anregung, die ich direkt weiterempföhle ans Sylt-Marketing, wenn ich dort jemanden kennte.
Um der guten Dinge drei vollzumachen, hier noch ein von mir fotografiertes Dokument von der Insel Fehmarn, wo zwar überall der Umriss hingeklebt,- -geschraubt, - gemalt und -genagelt ist...
...wo aber noch niemand die Chance genutzt hat, die Insel als freundlich brummigen Bären darzustellen und so das Touristengeschäft aber so was von anzukurbeln.
Eigentlich schwer verständlich, oder?

Also, Rügen hat Rügi, Sylt hat Gunnar, Helgoland die Lange Anna, wer kümmert sich Fehmarn? Oder muss ich wieder alles elba machen?





(Dass ich Werbefiguren mag, wissen meine Leser ja, siehe auch hier und hier.)

Unser Guido

Von meinem Freund Christian Meurer gibt es ein neues Buch, für das er sich durch jegliches denkbare Material von/über/mit Guido Westerwelle gewühlt hat. Allein das verdient als Belohnung eine Empfehlung.
Aber abgesehen davon, ist es auch tatsächlich ein sehr schönes, lesens- und lachenswertes Buch geworden.  



Neue Wörter (Folge 46)

Ich weiß nicht, wer diese Verben noch verwendet außer den Mitgliedern meiner Familie. Ich weiß auch nicht, woher wir sie haben, jedenfalls nicht aus dem Duden. 

Das eine beschreibt die Tätigkeit des Mürrisch-vor-sich-hin-schimpfens-und-murmelns. Es heißt
knorzeln
und es gibt dazu auch ein Adverb
knorzelig
Beider Anwendung hier als Beispiel:
Was knorzelst Du denn hier so rum?
Nun sei mal nicht so knorzelig!

Das andre Verb klingt verwandt, beschreibt allerdings das hörbare zufrieden selbstvergessene Herumkauen und -Beißen auf etwas zäh-Knusprigem. Folgerichtig onomatopoetisch heißt es denn auch
knurpseln
Auch hier sei die Anwendung beispielhaft vorgeführt.
Knurpselst du schon wieder auf den gebrannten Mandeln rum? Nun schluck doch mal endlich runter!
Ich finde beide (bzw. alle drei, wenn ich das Adverb mitzähle) Wörter schön und möchte jeden auffordern, sie in seinen Schatz häufig genutzter Wörter aufzunehmen und zu verbreiten. Wer weiß, eines Tages landen sie schließlich doch im Duden.

Nicht ganz bei der Sache. Umso besser.

Vorweg eine teure Buchempfehlung: Von dem Illustrator (und, wie ich gerade bei Wikipedia gelernt habe: "Mitbegründer des modernen Filmplakats" Hans Hillmann erschien im Jahr 1976 ein Buch mit gesammelten Telefon- und Konferenzschmierereien, Zeichnungen also, die er machte, während er mit anderen was andres machte.
Das Buch heißt dann auch "Ich hab mir in der Besprechung ein Bild gemacht". Es ist Längen besser als sein bei Erscheinen vielgelobtes Krimibilderbuch "Fliegenpapier", ersoart es uns doch die Kunst udn zeigt uns das ganze Können. Wer's haben will, muss es irgendwo antiquarisch erstöern. Im Web hab ich es zweimal gesehen, ab 75 Euro. (Aber ich habe es ja eh schon. Wie erfreulich.)

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Dieses Buch hat mir, neben anderen vergleichbaren, beigebracht, dass kleine Nebenhersachen ihren ganz eigenen Wert haben und dass man sie alle, alle aufbewahren sollte. (Meine liebe Frau findet manchmal, wir haben genug Papier. Nur nicht genug leeres.)

Was, liebe Leser, findet Ihr/finden Sie?

betr. Preisausschreiben: Noch nicht gewonnen und schon zerronnen.

Liebe Beinah-aber-im-Moment-hab-ich-ü-ber-haupt-keine-Zeit-ich-denk-mal-drüber-nach-Teilnehmer. Bedankt Euch bei Hänsel. Der Preis geht, wenn überhaupt, an einen Spiegel-Leser, der die ganze Angelegenheit schon vor Zeiten mit einem Satz schlüssig geklärt hat:
Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unseren Nachthimmel.
Besser geht's nicht. Chapeau.

Preisausschreiben – Wir bauen uns eine Eselsbrücke

Wie symbolisch: Wo früher Pluto war, ist jetzt ein Loch.
Als der Planet das Dingens Pluto noch als Planet gezählt werden durfte, war es relativ einfach, sich die Reihenfolge aller Planeten unseres Sonnensystems zu merken, beginnend bei dem, der der Sonne am nächsten ist:
Mein

Vater

erzählt

mir

jeden

Sonntag

unsere

neun

Planeten. 
Eine tolle Eselsbrücke, die nun leider zusammengebrochen ist – weil der Planet die Steinkugel Pluto nun nicht mehr dazu gezählt werden darf – zu kalt, zu weit weg, zu klein, irgendwie doof: wer weiß warum.

Ich fordere also alle meine Leser auf, eine neue, tragfähige Eselsbrücke zu entwerfen, die Groß und Klein über die nächsten Generationen (oder bis irgendwelche Wissenschaftler wieder alles neu sortieren...) hilft, sich die nun nur noch acht Planeten in der richtigen Reihenfolge zu merken.

Mein Sohn ist die Jury, Einsendeschluss für Kommentare ist der 25. Juni 2011, und zu gewinnen gibt's auch was. Ich weiß noch nicht, was, aber das findet sich.
Das war's auch schon. Und jetzt los.

Meine liebste Doku-Soap

Diese Männer sind merkwürdig angezogen, sie machen kaum Urlaub und arbeiten auch am Wochenende und nachts. Durch ihre Überarbeitung sind sie früh gealtert, außerdem pflegen sie einen recht eigenartigem Sprachgebrauch, der für Außenstehende nur schwer verständlich ist. Ihre Bildung – wenn man das so nennen kann – reicht kaum über ihr Spezialgebiet hinaus, das übrigens auch meist ihr einziges Gesprächsthema ist. Viele von ihnen haben ein Alkoholproblem, was aber unter ihresgleichen eh nicht weiter auffällt.


Diese Typen sind gesellschaftsunfähig. Und sie sind einsam.
Kein Wunder, denn welche Frau will sich schon längerfristig auf ein Leben mit so was einlassen?

Ich glaube, das wird der Quotenbringer im Privatfernsehen.
Also, Super-RTL7: kauft Ihr die Idee?

Mein Angebot für Hamburg

Eigentlich wollte ich mich ja letzte Woche um die Stelle des Finanzsenators in Hamburg bemühen. Nachdem Herr Frigge weg ist, so dachte ich, kann ich die Lücke, die ihn ersetzt, doch mühelos mit meinen ganz ähnlich gelagerten Kompetenzen füllen. Ich war auch schon mal hochverschuldet – zugegeben, nicht ganz so pleite wie die Stadt, aber immerhin – und was Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft angeht, könnte ich zumindest damit punkten, dass ich beim Edeka bei uns gegenüber mal zwei Salinos (Haribolakritzen zum Preis von damals je 5 Pfennig) geklaut habe, dass ich dabei erwischt worden bin, aber das Ganze noch kauend entschieden dementiert habe.
Aber jetzt sind sie gleich fast alle weg, unsere Senatoren.
Da kann ich mir ja meine neue Position regelrecht aussuchen. Ich glaube, ich werde Nachfolger Nonnenmachers bei der HSH Nordbank. Schmieriges Haar krieg ich hin, gegelt seh ich richtig Scheiße aus. Die Hamburger müssten sich beim hassen also nicht etrst umstellen. Abgesehen davon verspreche ich, dass unter meiner Führung nicht wesentlich mehr Schulden angehäuft werden als ohne mich. Und falls Kopper und Konsorten mich trotz all dieser Skills immer noch nicht wollen, bleib ich gerne auch gleich weg: Aber dafür will ich eine ordentliche Abfindung. Die brauch ich nämlich für die Schulausbildung meines Sohnes, der im Moment mit einem DierckeWeltAtlas von ca. 1970 rumläuft. (Da gibt's die DDR noch, als SBZ oder in Tüddelchen. Da ist die Sowjetunion noch heile und Richard Nixon Präsident der USA.) So eine Antiquität gibt's natürlich nur leihweise, sie muss geschont werden für die kommenden Jahrgänge.
Man sieht, ich bin bereit, mich für diese Stadt einzusetzen.
Also Ahlhaus, solang es Dich noch gibt:
Ruf! Mich! An!

Wo sich Herr Kubicki irrt und Westerwelle richtig stellt.

Vor ein paar Tagen putzte unsre Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen Pressesprecher herunter. Dass ein Mitarbeiter nach Fehlern mal vom Chef angeranzt wird, geht als Er- viellecht gar als Abmahnung durch – wenn das Ganze aber vor der versammelten Bundespressekonferenz und damit der gesamten interessierten Öffentlichkeit statt findet, hat da wer sein Maß verloren.
Das kann man auch hier sehen:
Folgerichtig fanden sich auch Leute, das zu kommentieren. Einer davon war Wolfgang Kubicki, der Fraktionschef der FDP im Kieler Landtag.  Er hatte über Schäubles Auftritt gesagt: "Der Mann steht unter Drogen."

Und das wiederum fand dessen "Chef", Bundesaußenminister "Federal Far Out" Guido Westerwelle nicht gut. Er korrigierte zu seinem Parteifreund: "Was Du zu Schäuble gesagt hast, geht so nicht, und ich weise das in aller Form zurück."

Herr Kubicki hätte also sagen müssen: "Und der Mann ist so: Der steht noch nicht mal unter Drogen."