Posts mit dem Label Gut eingeschenkt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gut eingeschenkt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Der Charakterdarstellerdarsteller

Fotograf: Bitte so hinstellen,
dass man das Logo gut erkennen kann.

TV Movie, das 14tägliche Fernsehflachblatt der Bauer-Verlagsgruppe, platziert in Ausgabe 16/2015 mitten ins Programm* eine ganze Seite mit einem sorgfältig bei Wikipedia recherchierten Loblied auf Samuel Finzi (?), offenbar einen großartigen Mann:
"Er ist einer der renommiertesten Charakterdarsteller (...) der auf der Bühne ebenso brilliert wie im TV oder auf der großen Kinoleinwand."
Und tatsächlich: Wer erinnert sich nicht seiner Kunst in der ZDF-Krimiserie "Flemming", der Rolle des Gerichtsmedizineres beim Kieler "Tatort" wer entsinnt sich nicht seines nuancierten Spiels in den legendären Komödien "Kokowäh" und "Kokowääh 2"?
(Ich. Ich erinnere mich nicht. Die Schweiger-Filme habe ich gern verpasst. Für "Flemming" im ZDF war ich damals, mit 55, zu jung, und beim Kieler Tatort ist mir der Gerichtsmediziner nicht weiter aufgefallen. Doch sei's drum:) TV Movie lässt schickt einen Reporter in die
"Toscana nahe Florenz. Mit einem landestypischen "buona sera" (dt. Guten Abend") begrüßt er uns.
Und dann wird knallhart nachgefragt:
"Herr Finzi, Sie kommen gerade von einer Testfahrt mit dem neuen SKODA Superb....
SAMUEL FINZI: Ja, ein wirklich tolles Auto. Ich fahre bereits das Vorgängermodell. Aber diese Limousine ist vom Design und dem Platzangebot her noch mal eine Steigerung."
Ja, und nachdem die Seite im Heft auf diese Weise finanziert ist, darf Herr Finzi auch noch ein bisschen über sich selbst erzählen (lassen).

Redakteur: Ist das nicht zu dick?
Chef: Das merkt keiner.

Da geht es um die neuen amerikanischen Serien und deren unkonventionelle Erzählweise und Besetzung, und auf die Frage, ob so was auch in Deutschland ginge, sagt Herr Finzi – genau nach Skript – etwas, das verdient, in die Überschrift aufgenommen zu werden – was dann auch passiert:
"...es gibt Redakteure, die sagen: das wird vom Zuschauer nicht verstanden. Alles muss bei uns erklärt werden. Dabei ist der Zuschauer nicht dumm."
Im Gegensatz wohl zum Leser von TV-Movie, von dem Finzi und der Redakteur offenbar vermuten, er würde die ein bisschen zusammenhanglose Erwähnung eines SKODA in diesem Interview nicht sofort als das identifizieren, was es ist: Schlechte Schleichwerbung.

Ein finziger Schritt für die Schauspielkunst,
ein großer Gewinn's Marketing.

Gut, dass der dumme Leser weiterliest, denn Finzi sagt noch, er hätte in seiner
"Jugend wahnsinnig viele Filme aus Frankreich, Italien und den USA gesehen mit Schauspielern wie Marcelleo Mastroianni, Michel Piccoli oder Marlon Brando. Die sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben und beeinflussen meine Arbeit."

Leider war dieser Einfluss nicht stark genug: wenn man mit solchen Lehrmeistern Filme geguckt hat, sollte man doch  gelernt haben, dass ein schlechtes Skript auch auf den Darsteller zurückschlägt.

Nachdem ich schließlich alles Uninteressante über Finzi, SKODA  und Serien erfahren habe, unterzeichnet ein Jörg Ebach den Artikel und fährt wieder nach Haus in die Redaktion. Und ich bin fast ein bisschen stolz, dass ich kein Journalist geworden bin, sondern einfach ein ehrlicher Werbetexter.




*Schon diese Platzierung macht stutzig: Hier gilt nämlich wie im TV, dass das Programm hin und wieder durch Werbung unterbrochen wird. 

HUNDEDRECK (Beiträge zur Vorurteilspflege, 2. Lieferung)

So weit ich mich erinnern kann, gehört der Hund zur Familie. Es ist nicht immer derselbe Hund. Als ich klein war, hatten meine Eltern einen Dackel, der musste weg, nachdem er sich in den Hühnerstall der Nachbarn gewühlt und dann die Hühner totgebissen hatte. (Klingt irgendwie märchenhaft oder? Damals gab es noch Hühnerställe und dazu gehörte natürlich auch eine großer böser Wolf, der auf die Hühner scharf war. Es hat halt nur für einen Dackel gelangt.) Damals war ich wohl fünf oder sechs jahre alt, deshalb ist diese Erinnerung relativ verschwommen.

Mein Vater hatte später einen Jagdhund – Deutsch Drahthaar war wohl die Rassenbezeichnung  – der hieß Waidmann und hatte seinen Platz hinten im Rinderstall. Zur Jagdsaison sprang er auf einen knappen Befehl in den Kofferraum unseres BMWs und dann fuhr mein Vater in den nächsten oder übernächsten Ort zur Treibjagd. Ein einziges Mal war ich dabei, als Treiber. Es hat mir nicht gefallen: nicht weil ich so sensibel gewesen wäere, sondern vielmehr, weil mich das Durchdenmatschlaufen langweilte. 

Dann war da ein Boxer namens Axel, der war voller Liebe und voller Sabber. Sein Platz war ebenfalls im Stall. Erwähnt sei noch Susi, eine Langhaardackelin, die uns in einem heißen Sommer regelmäßig halbtote Maulwürfe in die Küche schleppte. Die schwere, sonst schlammigblaue Erde war in diesem Jahr so durchgetrocknet, dass für die Maulwürfe nach oben keine Durchkommen war, weshalb sie sich waagerecht zum Graben vorbuddelten, wo Susi schon wartete. Ich werde nicht vergessen, wie einer von ihnen versuchte, sich durch die Fliesen in der Küche zu wühlen. Da nahm mein Vater ihn vorsichtig und zart in die Hand, brauchte ihn nach draußen hinters Haus und schlug ihn tot.

So weit ich mich erinnern kann, gehört der Hund zur Familie. Es ist auch nicht immer dieselbe Familie. Inzwischen bin ich verheiratet und Vater, und wir haben einen sehr freundlichen, verspielten, nur bei anderen Rüden zu Wutanfällen neigenden Rassehund  – "Nee, Papiere hat der nicht, war dafür billiger" – der nun auch schon fast zehn Jahre alt ist. Davor, vor Ehe auch und Sohn, war da Bode, ein schwarzer CockerPudel, der in jede noch so kleine Pfütze sprang und dort wartete, dass ich Stöckchen ins Wasser würfe, damit er's holte.

So weit ich mich erinnern kann, hatte jeder dieser Hunde seinen eigenen Charakter, seine eigene Stimme und Stimmung. Einen Gemeinsamkeit aber gibt es. (Und jetzt kommt es raus, wohin ich Euch, liebe Leser, mit dieser schmusig-sentimentalen Einleitung locken wollte. Jetzt rede ich über knallharte, schockierende Fakten: Alle diese Hunde kacken.

Irreführend: Mein Hund sieht nämlich ganz anders aus.
Oskar, der Rassehund, zum Beispiel muss mindestens zwei- wenn nicht dreimal täglich zum Kacken raus. Nach einer kleinen Weile des Stromerns und Schnüffelns dreht er sich meist einige Male um sich selbst, dann schiebt er den Kopf vor, hebt den Schwanz und manchmal auch ein Bein (er verwechselt da was) und drückt sich einige braune Kugeln oder sogar Kugelhaufen raus. Ein kurzes Aufundnieder mit dem Schwanz – etwa, als würde ein Pumpenschwengel betätigt, um Letztes rauszudrücken – fertig.
Meist kriecht er, der Gute (!) sogar eigens tief ins Gebüsch am Straßenrand, um sein Geschäft möglichst diskret zu erledigen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er kackt. Ja, dass er kacken muss, um nicht zu platzen.
Und ich, als sein Halter, bin aufgefordert, den Hundekot wegzumachen, dass keiner reintrete*.


Vorbildlich: die Tüten aus Norderstedt

Aber dafür gibt's ja Tüten. Meist sind sie aus dünnem schwarzen Plastik und hell bedruckt mit einer Gebrauchsanweisung. Und wenn mein Hund direkt auf den Bürgerstieg scheißt, dann benutze ich sie sogar. (Auf einem Spielplatz oder Fussballfeld hat er eh nichts verloren.)

Aber ich habe in diesem leicht anrüchigen Zusammenhang doch ein paar Fragen:
Gibt es Tüten für die großen Haufen von Doggen oder Neufundländern? Braucht der Hund von Baskerville gar einen IKEA Tragetasche, eben, weil es die schwarzen Säckchen nur in Einheitskleinheit gibt?
Wie sieht's eigentlich mit der Ökobilanz der Entsorgungshelfertüten aus? Zersetzt sich ein Haufen samt Tüte ebensoschnell wie einer ohne? Oder werden eines noch sehr fernen Tages Archäologen vek(n)otete Beutelreste finden und sich fragen, welch kultischer Verrichtung sie wohl einstmals dienen mochten? Wieso macht keiner die Pferdeäppel weg? Den Poppenbütteler Ponymädels, denen ich beim Waldsüpaziergang ausweiche, scheint das ziemlich Wurst. 
Schließlich: Sind Katzen wirklich so viel reinlicher, nur weil sie in der Wohnung ins Kalkmüsli machen und es gleich daruf hintersich schleudern, wobei übrigens nach und nach Geruch entsteht, sobald die Streu ihn nicht mehr saugt? Von draußen streunenden Katzen ganz zu schweigen.
Worauf wollte ich nun überhaupt hinaus?

Ach ja, jetzt hab ich's wieder: Im Grunde genommen finde ich die Kackbeutel Kacke. (Ausgenommen die von Norderstedt, gegen die wiederum die örtliche CDU ist.)






*Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, kurz und kleingedruckt meinem tiefes Verständnis für all die Ausdruck zu verleihen, die schon mal in seo einen Haufen rengetretten sind – ich weiß, ihre Zahl geht in die Millionen.  Und manche, bevorzugt die mit Profilsohlen oder Lackschühchen, werden furchtbar ärgerlich, denn die Angelegenheit stinkt und dann noch grad neben der Fahrertür beim Einsteigen! das! geht ja nie! wieder raus und ich glaube: ich gründe jetzt ne Ini gegen diese Kackbratzenmistköter!...
Doch ich verstehe das, ich bin schließlich auch selbst schon reingetreten.  Ärgerlich, so was.

AUDI (Beiträge zur Vorurteilspflege, 1. Lieferung)

So, das muss jetzt mal raus: Ich mag Audi nicht.
Das muss sogar gleich noch mal raus: Ich mag Audi nicht. Und ich will es auch gleich begründen.


1. Alle Audifahrer tragen jetzt Racing-Caps.
Findet Audi, und finden Audi-Fahrer. Es war wohl der mittlerweile untote Imperator des Volkswagen-Konzerns ("Winterkorn, ich bin dein Vater, aber das ist mir doch wurscht"), der vor etwa dreißig Jahren beschloss, die etwas betagteren Handelsvertreter aus ihrem Auto rauszuekeln, indem er es ihnen schwer und schwerer machte, den Hut bei der Fahrt aufzubehalten.
Der Dachhimmel hedenfalls wurde abgesenkt. Kein Platz mehr für den Hut und fürs Clopapier, das man als Handelsvertreter auf Überlandtour immer dabei haben sollte. 
Und das war erst der erste von vielen kleinen, gemeinen Schritten.


2. Audi hat angeblich alles erfunden.
Vor Audi gab es keinen Allradantrieb bei Autos.Sagt Audi.
Gab es nicht. Vor Audi ist auch kein Auto einen Skisprungschnaze raufgefahren. Musste es auch nicht. Audi hat den Antrib dann auch gleich Quattro genannt und sich damit seinen eigenen Namen für eine Pest schützen lassen, die längst jede Automarke angesteckt hat, eine Seuche, die Stadtrandpendlern damit Eindruck schinden wollen lässt, indem sie abends dem Kollegen erzählen, sie könnten mit ihrer kleinen Kiste jederzeit auch ins Gelände, "Allrad, vaschtehste? Klar fahr ich meistens uff der Straße, aba ick könnte je.da.zeit könnte ick. Allrad eben!" (Bierglas heben, einen kraftigen Schluck nehmen) "Is schon geil, det, also theoretisch."
Vor Audi gab es kein Aluminium. Audi hat Aluminium überhaupt erst entdeckt und gleich alles in seinen Karosserien verbaut. Spart Sprit, heißt es. Rostet nicht, heißt es. Ist aber auch verdammt schwer zu entsorgen und hat 'ne ganz schlimme Halbwertszeit. Aluminium ist regelrecht gefährlich, befördert es doch Alzheimer. Aber das macht den Audifahrern nichts aus. Sie selbst merken es ja zuletzt. Ich will das im Folgenden belegen:


3. Audi macht frühdement.
Auf der oben verlinkten Website der deutschen Alzheimer-Gesellschaft heißt es an einer Stelle: (...)Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür dass sich Aluminium bei Alzheimer- Patienten gehäuft an bestimmten Stellen des Organismus findet.(...)
Nun ist der Audi-Fahrer nachweislich fast komplett von Aluminium umgeben – und das hat fatale Folgen für das Kurzzeitgedächtnis. Noch nicht allzu lange zurückliegende Ereignisse und Erfahrung sind mit einem Mal und unwiederruflich verschwunden. (Zum Beispeil das, was man gelernt hat, als man den Führerschein machte.) Weg. Die armen jungen Menschen!
Auffällig bei dieser audi-induzierten Form der Hirnerweichung ist, dass vorwiegend Dinge aus dem Gedächtnis verschwindeen, die mit dem Autofahren zusammenhängen.
Zu Anfang vergisst der Patient nur vereinzelt, vor dem Abbiegen oder einem Spurwechsel zu blinken, aber nach einiger Zeit weiß er nicht mal mehr, wozu das Hebelchen da links am Lenkrad da ist. Auch die Anwendung der Bremse gerät nach und nach in Vergessenheit, und schließlich bleibt dem Fahrer nur ein Dämmerzustand, den er, so er ihn überhaupt registriert, mit groben Reizen zu bekämpfen sucht: Er betätigt Lupe und Lichthupe und lässt die Reifen beim Anfahren schmerzerfüllt aufkreischen. Da spürt sich der Erkrankte kurz, das bringt den weichen Bregen noch mal kurz zum Kochen.


4. Audi lässt BMW und sogar Mercedes sympathisch wirken.
Also sagenwarmal, fast. Und selbst "fast" geht gar nicht. Tatsächlich scheint es allmählich so, als wäre die früher bei Mercedes serienmäßig eingebaute Vorfahrt nun auch schon von Audi erst geklaut und dann als eigene Erfindung bezeichnet.
Während der Benz immer kleiner wird und plötzlich niedlich Smart heißt, baut Audi in seine Autos Leuchten ein, die einen bei Nacht regelrecht bedrohlich böse, angsterregend fixieren. BMW kauft sich einen Mini und macht den, nur um gegenzuhalten und aus alter Gewohnheit, dick und dicker.
Aber es hilft alles nicht.

Audi hat gewonnen. Gegen alle. Piëch gehabt, Ihr anderen. Bzw. eben gerade nicht.
Denn der Intrigator Imperator tritt gerade ab wird abgetreten.

Bis es soweit ist, bleibe ich dabei: Ich mag Audi nicht.

Ich möchte bitte keine Sprachsteuerung


Ich habe vor eine paar Tagen bei meinen Mobilfunkprovider angerufen. Ich sollte nicht mehr die Eins oder die Rautetaste drücken, sondern laut und deutlich "Ja" sagen. Oder "Nein". War am Ende aber auch egal.
Von BMW läuft im Moment ein lustiger Werbespot, bei dem das Krümelmonster einfach nur Kekse haben will, aber die freundliche Stimme von "Connected Drive" bietet stattdessen jede Menge Varietäten an und die Route zu den Bäckereien, wo's die gibt.
Ich weiß nicht, ob der jetzt für oder gegen BMW wirbt.
Siri hab ich noch nicht ein einziges Mal nach irgendwas gefragt.


Und jetzt krieg ich Angst vor der neuen Kaffeemaschine im Büro...
Willkommen bei Connected Coffee. Was kann ich für Sie tun?
- Ääh, Kaffee...?
Sie möchten Kaffee. Möchten Sie Espresso, Capuccino, Latte Macchiato oder etwas anderes. Sprechen Sie bitte laut und deutlich.
- Also, äh, Kaffee.
Sie möchten Kaffee. Möchten Sie Espresso, Capuccino, Latte Macchiato oder etwas anderes. Sprechen Sie bitte laut und deutlich.
- Schwarzen Kaffee.
Ich habe Sie leider nicht genau verstanden. Wiederholen Sie Ihre Eingabe bitte laut und deutlich.
- Einfach schwarzen Kaffee. Bloß keinen Espresso!!
Sie möchten Espresso? Groß oder klein? Bestätigen Sie Ihre Eingabe mit Ja oder Nein.
- Nein!!! Kein Espresso.
Einen kleinen Espresso. Gern, einen Moment bitte.
(Fasziniert und auch ein bisschen angewidert gucke ich die Maschine an, bei der sich in den nächsten 30 Sekunden rein gar nichts tut, außer, dass sie etwa alle 2 Sekunden ein leise feucht tickendes Geräusch von sich gibt.)
Bitte platzieren Sie Ihre Espressotasse unterhalb der Ausgabetülle.
(Ich stell meine Tasse dahin, wo ich die Tülle vermute.)
Bitte platzieren Sie Ihre Espressotasse unterhalb der Ausgabetülle. 
(Ich schiebe sie ein Stück nach links.)
...
(Nach rechts. Wieder zurück.)
...
Danke. Beachten Sie bitte, dass Ihre Tasse mehr Platz bietet als für einen kleinen Espresso.
Möchten Sie gegebenfalls alternativ einen schwarzen Kaffee?
Erleichtert seufze ich auf:
- Das wär Klasse!!
Sie möchten Einen Latte Macchiato.
(Ich gebe auf. Latte soll ja auch ganz nett sein.)
Bitte treten Sie einen Schritt zurück, die Milch wird dampfend aufgeschäumt.
(Zischschschzisch, in der kleinen Küche wird die Sicht schlecht, als sich der Nebel verzogen hat, blinkt an der Maschine ein kleines rotes Lämpchen.)
Es tut mir leid, aber ich muss eben Milch ins System spielen. Bitte warten Sie einen Moment.
(Fröhliche Almmusik erklingt, Kuhglocken, Melkgeräusche)
Leider sind im Moment alle Melkplätze besetzt, ihr nächster persönlicher Senn ist in etwa 20 Minuten verfügbar...

Ich gehe genervt an den Kühlschrank und will mir einen Cola rausholen.
Eine freundliche Stimme spricht zu mir:
Bitte nennen Sie vor dem Öffnen Ihre persönliches Mitarbeiterkennwort...

Werde ich etwas alt?

Das will ich doch hoffen.

Post an Wagner

Lieber Franz-Josef Wagner.

(Ach, wissen Sie was? Vielleicht sollte ich – in dem Wissen, dass man schwer betrunken sein muss, um Zeilen wie Ihre hinzukriegen – Sie gleich vom Start weg – haha! urkomisch! – wagnerisch geschmacklos zitieren. Ja, genau das mach ich:)


Liebes Absturz-Opfer.
Im Dröhnkopf an der Schreibmaschine, der Deinen Text jetzt liefern soll, bewegt sich nichts. Was für ein Sabbern, Geifern, Hecheln sonst um Zeilen, Absätzen, Honorare. Doch die Birne, sie bewegt sich nicht, weil tote Bregen nicht mehr denken. Die kleinen grauen Zellen und ihre Restgedanken liegen verstreut, verkrümelt und zertrümmert zwischen Koksstaub und Rotweinflecken im zugesifften Heimbüro herum. „Zwei Babys sollen in den Text und eine deutsche Austausch-Schülerklasse“. Was alles geschah in dieser BILD-Redaktion – bevor sie dich und viele andere Verkomm’ne zu diesem Thema buchten? Knabberten Reporter Nüsse, tranken sie Whisky-Cola und guckten sich professionell gelassen Fotos abgerissner Körperteile an? Nervte der Diekmann, indem er wieder mal euphorisch quengelte? Wie war die Stimmung, wussten sie, dass sie ihr Herz bereits vor Jahren am Bild-Check-In abgegeben hatten? Ich denke, sie spürten nichts, bevor der letzte Rest in ihnen starb. Nette Volontärinnen…

Es ist so furchtbar.
Du möchtest kein Wort mehr darüber schreiben. Und nicht eines weniger.

Herzlos, Thies Thiessen



(Zur Orientierung der Artikel von Franz Josef Wagner aus der Bild-Zeitung vom 25.03.2015:

Liebe Absturz-Opfer,Das Gepäckband in der Ankunftshalle, das Eure Koffer bringen soll, bewegt sich nicht. Was für ein Treiben, Schubsen sonst um Rücksäcke, Samsonites. Das Gepäckband in Düsseldorf bewegt sich nicht, weil Tote keine Koffer abholen. Die Koffer und die Toten liegen verstreut in den französischen Alpen. Zwei Babys waren im Flugzeug und eine deutsche Austausch-Schülerklasse. Was alles geschah in diesem Flugzeug – bevor es abstürzte? Knabberten die Passagiere Nüsse, tranken sie Cola, guckten sie in die Sonne durch das Kabinenfenster? Nervten die Babys, die quengelten? Wie war die Stimmung in dem Flugzeug, das in den Tod flog?
Ich hoffe, sie waren glücklich, bevor sie starben. Nette Stewardessen ...
Es ist so furchtbar. Ich will kein Wort mehr darüber schreiben.
Herzlichst, Franz Josef Wagner
)

Wahl 2015 in Hamburg: Farbenrausch

Die Nächte werden wieder kürzer, Hamburg wird langsam heller. Und man kann sogar die eine oder andere Farbe wieder erkennen.

Bzw. die eine und die andere und die andere und die dann auch und noch eine und einehamwernoch: Will sagen, die Bürgerschaftswahl wirft ihre knallbunten Schatten voraus. Und ich bin durcheinander. Einst lernte ich nämlich mal: SPD = Rot; CDU = Schwarz; FDP = blaugelb; Grüne = Grün; Sonstige = Sonstige. Und das gilt nicht mehr. Genausowenig wie die alte Behauptung, Parteien bräuchten Meinungen und Ziele, die über den Wahltag hinausreichten.

Aber ich will nicht meckern. Freuen will ich mich darüber, wie die Parteien unsere Stadt bunt machen. Und so rufe ich froh das Dichterwort:


So ruft es in Hamburg fast jede Partei:
Seid farbenfroh. Und meinungsfrei.

Vorweg ein bisschen Grünzeug
mit künstlichen Farbstoffen.
Gestalten für die SPD:
rot, Balken, weiter vorn.
SPD-Rezept: Lustiger Name, serviert
auf Cyan an gelbem Balken.
SPD auf dem Kiez: Papierpiercings,
Augenklappe und tiefmagenta
CDU: Nach dem OlevanBeust-Gelb
nun Tiefblauseriös: Kann mehr
CDU vollkommen blau:
Ein Mann mit fünf Stimmen.
Auch sehr blau. Aber Hamburg muss.
(Kann man nix machen)
Die Linke zuverlässig:
Schwarzweißmalerei mit viel Rot
Cosmopolitan und Regenbogen.
Ist aber FDP.
Neue Modeideen, Chic in Farbe
FDP gibt Meinung vor:
Wind von rechts weglächeln.
Da war doch noch was...






Abschied von der Neuen Präpositionalen Küche

Leser. Lasst uns verspätet Abschied nehmen vom Meisterkoch Albert Bouley, der bereits im April 2013 verstorben ist und dennoch immer unvergessen sein wird als der Koch, der schwäbische Küche und die Leichtigkeit der französchen Nouvelle Cuisine auf unvergessene Weise zu neuer Raffinesse verband, ja, vereinigte.

Doch wollen wir heute nicht seiner Küche als vielmehr seiner Methode ihrer Beschreibung gedenken, die sich mit unerhörten Kombinationen von Attributen und Konjunktionen in unsere Hirne schlich – derart nachhaltig, dass heute manches ganz banale Rezept durch eine fast unanständige Orgie von Präpositionen zu wenn nicht Höherem, so allerwenigstens zu Höherpreisigem sich aufschwingt.

Nun fragt Ihr mit Recht, Leser, was mag ich wohl meinen? Der Antworten sind einige, und deren jede wiederum braucht nur zwei, drei Buchstaben:
An, auf, von sind die berühmtesten. Ich will das erklären.

Nehmt nur die weihnachtliche Entenbrust mit Orangensoße, reicht dazu auch Rotkohl in Blätterteig.
Mag sein, das Wasser läuft dem Gourmet schon jetzt im Mund zusammen, doch steigert sich die Vorfreude zum Sturzbach aus Speichel, wenn wir stattdessen sagen:
Entenbrust an Orangensauce, dazu Rotkraut auf einem Bett von Blätterteig
...an...auf...von... perlt es von der Speisekarte, die übrigen Zutaten sind schon ganz egal, und ist am Ende noch vom Bett die Rede, freut sich der ganz und gar entmenschte Appetit gleich auf oral dem Gaumen zugefügte Orgien, ja Orgasmen des Geschmacks.
Doch ach, verkommen längst sind die einst so verführerischen Einsilber, gesunken, ja gefallen sind sie und dienen heute auch dem übelsten Kellenschwenker als allseitig verfügbare Huren, Vetteln  und Schlampen, die libidinös zwar noch klingen, doch das Aroma von Frittenfett, den Gestank des faulig sich nahenden Todes, kaum mehr zu bedecken vermögen.
So las ich jüngst in einer kulinarisch gemeinten Kritik eines griechischen Restaurants:
Fleisch an Fleisch auf einem Bett aus Fleisch
Zwar war ich geneigt, diese Schlagzeile als Parodie zu würdigen, doch andererseits machte sie mir auch den Ennui deutlich, der mir an solchen Beschreibungen auf Speisekarten von mediokren Restaurationsbetrieben erwachsen ist.
Will sagen, ich sehne mich nach einer neuen Entdeckung des ganz Einfachen. Konzentriert Euch auf das, was Ihr könnt, liebe Köche. Kocht raffiniert, meinethalben. Aber formuliert einfach. Und erspart uns Essern die ewigen Variationen von Intermezzi auf Betten von Plattüden.

Denn das ist, seien wir ehrlich, Quatsch mit Soße.
Oder, wie Boley selig geschrieben hätte, wenn er nicht tot wäre:
Quatsch an Sauce.




Unaufgeräumte Gedanken zu PEGIDA

Ich habe mir mal das Positionspapier der PEGIDA* angeschaut. Auch, um mir nicht mehr vorwerfen zu lassen, ich würde mich nicht mit diesen besorgten Bürgern auseinander setzen wollen. Hier also meine unaufgeräumten Kommentare dazu.
POSITIONSPAPIER der PEGIDA
Die Punkte sind nicht nach Wichtigkeit sortiert!
1. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!
Ach so. Klingt gut. Kommt aber irgendwie bei Euren Demos nicht so richtig rüber. Ist Euch dann wohl eher unwichtig, was?
2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!
Ist Integration laut Grundgesetz verboten? Und wie, bitte, ist der Begriff überhaupt zu verstehen?
Da seid ihr im Positionspapier noch etwas schwammig. Die Teilnehmer der Demos sind da deutlich genauer.
3. PEGIDA ist FÜR dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!
Dezentral heißt in diesem Fall wohl: möglichst weit weg von dem teilweise menschenunwürdigen Dresden, richtig?
4. 4. PEGIDA ist FÜR einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)
Also eine Art europaweiter Länderasylantenausgleich, ja? Na dann, liebe Dresdener stellt Euch mal auf mehr Asylanten ein als euch jetzt schon Angst machen.
5. PEGIDA ist FÜR eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca.200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)
Bitte mal erklären: Mehr oder weniger Betreuer? Und sind jetzt die Asylsuchenden traumatisiert oder die Sozialarbeiter?
6. PEGIDA ist FÜR ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, FÜR eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!
Den letzte Teil unterschreibe ich: ....schnellere Integration ermöglichen! (Sobald wir uns einig sind, dass Integration nicht das Schimpfwort wird, zu dem Ihr es gerade hinpervertiert.)
7. PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!
Mehr Stöcke für Polizisten? Wozu? Hat doch jeder nur zwei Hände... Und die Organisation SELBIGER kenn ich jetzt nicht.
8. PEGIDA ist FÜR die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!
Die werden doch schon so sehr ausgeschöpft und umgesetzt, dass man das kalte Kotzen kriegen kann.
9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!
Heißt übersetzt: mit allen anderen Straftätern – und die sind ja relativ und absolut deutlich in der Überzahl – sollte also etwas lockerer umgegangen werden. Verständlich, vor allem aus Sicht Eurer Organistaoren.
10. PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!
Finde ich, wie folgend verstanden, sehr gut: Gegen männlich dominierte Vorständsetagen bei Unternehmen wie z.B. Krauss-Maffei Wegmann, für friedliche Muslime.
11. PEGIDA ist FÜR eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas! 
Nordkorea, Lummerland, Mond habt Ihr vergessen.
12. PEGIDA ist FÜR sexuelle Selbstbestimmung!
Näheres regelt wahrscheinlich Punkt 13, nach dem Motto: ich bin am Ort das größte Schwein, ich lass mich mit nem Muslim ein. Mein Vorschlag: fuck yourself.
13. PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!
Schwurbel. Ganz schlimmer Schwurbel. Fällt mit sonst nichts zu ein.
14. PEGIDA ist FÜR die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!
Die Schweizer haben ja gerade den Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen (z.B. aus Deutschland) genehmigt. Das habt Ihr schon mitgekriegt, oder?
15. PEGIDA ist GEGEN Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK
NPD ist ja erlaubt, also da ginge das in Ordnung? Oder meint das im Umkehrschluss, dass das Verbot z.B. der PKK endlich aufgehoben werden sollte? Dann bin ich dabei.
16. PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.
Wenn ich Eure Aktivitäten genauer angucke: – sehe ich da etwa eine Parallelgesellschaft? (Übrigens ist Hummus ein leckeres Parallelgericht, das ich mir gern mal schmecken lasse.)

17. PEGIDA ist GEGEN dieses wahnwitzige "Gender Mainstreaming", auch oft "Genderisierung" genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!
Wo Ihr gerade am Formulieren wahnwitziger, zwanghafter Ideen wart, musste die auch noch mit rein, gell? Da hat's euch wohl endgültig ein bisschen aus der Rechtskurve getragen. 
18. PEGIDA ist GEGEN Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!
Und, wo ihr gerade dabei seid, seid Ihr auch gleich noch GEGEN Zeichensetzung egal ob grammatisch oder interpunktuell motiviert. Aber FÜR, und zwar SOWAS VON FÜR, Grossbuchstaben. Und Ausrufungszeichen!
19. PEGIDA ist GEGEN Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!
Sehr gut, dann schickt doch beim nächsten mal den einen oder anderen Teilnehmer Eurer Demonstrationen nach Hause. (Nanu? Wo seid Ihr denn alle?)

Was bleibt: Ich hab mich auseinandergesetzt. Und tu es auch weiterhin. So weit auseinander, wie's nur irgend geht.



*Alle Originalaussagen des Positionspapiers wurde zur besseren Kenntlichmachung braun gefärbt.

Stellenangebot: Kann ich die Mitte noch mal hören?

Ich kann nicht anders. Ich muss mich mal eben ein bisschen échauffieren über eine Stellenanzeige, die das ganze Elend der modernen Arbeitswelt auf einen so unglaublisch unscharf und schmierig verwischten Punkt bringt, wie es keine Parodie je könnte.

Ich bitte Euch also, liebe Leser, sich bei dem folgenden Originaltext eines Stellenangebots zwischendurch zu fragen, worum es wohl gehen könnte.

(Mag sein, dass meine Wahrnehmung ein bisschen verdorben ist: Vor Jahren war ich mal – und nur einmal – in einem Frisiersalon von Vidal Sassoon und wurde gebeten, zu warten, mein Art Director käme gleich. Es war dann doch nur ein Friseur, aber eben einer bei Vidal Sassoon.)

Aber jetzt los: Hier also das Stellenangebot, das ich heute per Mail von Stepstone bekam, formuliert und veröffnetlicht durch eine – Pest und Hölle über auch diesen völlig pervertierten Begriff – Unternehmensberatung:
Unser Klient ist ein erfolgreiches mittelständisches, international agierendes Unternehmen. Wachstum, Top Produkte mit sehr hohem Qualitätsstandard und bestes Image in der Branche zeichnen unseren Klienten aus. Im Rahmen der Expansion unseres Klienten suchen wir nun im exklusiven Alleinauftrag für den Standort München eine/n:

Kreativdirektor · Creative Director m/w

Die Position
Sie tragen die Verantwortung für den technologischen Fortschritt des Unternehmens. Als Kreativdirektor sichern Sie die Marktposition als Innovationsführer in der Branche. Sie verantworten - unter Berücksichtigung der Kosten - den gesamten Innovations- und Produktentwicklungsprozess, führen und motivieren Ihre Mitarbeiter, gewinnen neue, kreative Köpfe für das Unternehmen und binden Ihr gesamtes Team langfristig ans Unternehmen.

Kernaufgaben:
  • Sie liefern in enger Abstimmung und direktem Reporting an die Geschäftsführung die entscheidenden Impulse für die zukünftige Entwicklungsstrategie und Produktpolitik
  • Sie befüllen die Produktpipeline, leiten die strategischen Entwicklungsprojekte, entwickeln Zeit- und Budgetvorgaben und garantieren ein wirtschaftliches Arbeiten Ihres Bereichs
  • Sie arbeiten eng mit Kunden zusammen, um Konzepte und Produktideen zu generieren, zu validieren und Praxistests durchzuführen
  • Sie führen einen stringenten Innovations- und Produktentwicklungsprozess ein, von der Ideenfindung über die technische Umsetzung bis hin zur Integration in die Produktion
  • Sie beobachten Markt und Wettbewerb
  • Sie vertreten das Unternehmen in Gremien und Branchenverbänden
  • Sie führen Trendscoutings durch
  • Sie führen ein Team von derzeit ca. 15 Mitarbeitern
  • Bereichs-Prokura sowie Budgetverantwortung für F & E
  • Enge Zusammenarbeit mit den internen Abteilungen, wie Produktion, Einkauf, Marketing und Vertrieb
Zitat Ende.

Und nun die Quizfrage: Geht es um IT? Maschinenbau? Elektrische Kartoffelschäler? Eine Schnellschusterei? Oder ist das irgendein Friseurbedarfshersteller? Oder doch nur der Filiallleiter von Vidal Sassoon?

Steinberg als Steinbruch

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 7. November 2014 veröffentlichte eine große, als Bildstrecke getarnte Reklame für Badezimmereinrichtungen, illustriert von Serge Bloch.

Badewanne von Bloch nach Steinberg.

Das waren mal wirklich originelle Bemalungen von Wannen, Kachelwänden und Badelaken, über die ich mich möglicherweise wirklich neu gefreut hätte, wäre die Grundidee nicht schlichtweg geklaut gewesen.
Und zwar bei einem meiner Lieblingszeichner, dem 1999 verstorbenen Saul Steinberg, der in den Fünfziger und Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so beliebt war, dass der Rowohlt-Verlag gleich mehrere Bücher von ihm veröffentlichte.


Badewanne von Steinberg
Viele Zeichner der folgenden Jahre kopierten seinen kargen Strich gewissenhaft, manche gleich gewissenlos: Ich denke dabei vor allem an den berühmten Titel des Magazin "The New Yorker".

New York von Steinberg
Den kenne ich in werweißwievielen Varianten schwächerer Zeichner kenne, mal als "The Hamburger" (ca. 1989 gab's den beim Hamburger Abendblatt, 2012 dann bei der Morgenpost) mal auch als Amsterdamer Weltsicht... – wahrscheinlich gibt es sogar ein Motiv "The Bielefelder."

Amsterdam nach Steinberg
Und jetzt hat's eben die Süddeutsche Zeitung getan. Ich mag das nicht. Ich mag vor allem nicht, dass der Name Saul Steinberg dabei nicht genannt wird. Ein schlichtes "Inspiriert durch" hätte es doch getan. Aber nein. Nichts.

Karton von Steinberg

Deshalb hier gleich zwei Appelle:
  • Ich wünsche mir, dass Saul Steinberg im Original wiederveröffentlicht wird. In Ausstellungen, Büchern und überhaupt. Und zwar alles von ihm.
  • Ich wünsche mir, dass die Plagiatoren in einen eigenen Karton gehen, den hinter sich zumachen und ihn sorgfältig mit Packband von innen abdichten. Ich kann diesen Me-Too-Müll nicht mehr sehen. Bzw. ich kann schon, aber ich will nicht.

Danke. Das war's auch schon.

*Monsieur Bloch ist offenbar ein guter und erfolgreicher Illustrator, aber egal.

Gebet.

Liebe Götter,
ob Ihr jetzt Shiva, Allah, Buddha, Jehova oder sonstwie heißt,
ich hab da mal ne Frage:
habt Ihr bei dem, was gerade so in der Welt abgeht,
nicht das Bedürfnis, aus allen Kirchen auszutreten?

...

Ach, seid Ihr schon?
Na, dann Amen. 
Und nichts für ungut.

Keine Zeit für Grammatik?

Stern v. 3. 7. 2014
Früher waren Zeitschriften im Sommer immer dünner als zu anderen Zeiten. Das lag daran, dass die Anzeigekunden nicht einsehen wollten, wozu sie im Sommer in deutschen Blättern werben sollen, wo doch eh alle Leser auf Malle sind.
Heute sind die meisten Magazine das ganze Jahr hindurch dünn und das liegt daran, das potentielle Werbekunden nicht begreifen wollen, wozu sie Anzeigen schalten sollen, wo doch eh alle immer im Netz sind...

Das ist unschön.

Unschöner noch ist, dass die Blätter dieser Entwicklung unter anderem damit begegnen, auch ihre gedruckten Ausgaben immer twittriger zu machen.
Will sagen:
Artikel werden kürzer, der Kulturteil verwandelt sich in gedruckte Posts, alles muss schneller sein und wird schneller vergessen – wenn es da nicht den einen oder anderen aufmerksamen Leser gäbe, der eben doch noch hinguckt.

Der eine bin ich.
Und im Stern entdeckte dieser eine Anfang Juli drei Filmkritiken, die zusammengenommen kürzer sein warenals dieser Post.

Für jeden der besprochenen Filme wurden dort drei Fragen mit jeweils nur einem Satz beantwortet.
Worum geht's?
lautete die erste dieser Fragen, zu dem Werk "Eine ganz ruhige Kugel". 
Junger Provinz-Nobody
steigt dank seines Mentors
zum Boule-Star auf.
ist die Antworten.

Und jetzt steht der Leser hilflos da, denkt vier Wochen nach und möchte doch gern mehr wissen.
Wird also Terence Hill ("Mein Name ist Nobody" Italien 1973) vom Dorfe zum Weltmeister der ruhigen Kugelschieber*, weil sein Mentor ihm dankt?

Oder, anders gefragt:

Kein Geld für echte Schreiber, lieber Stern? 
Keine Stelle fürs Lektorat?
Keine Zeit für Grammatik?

Wenn Ihr wenigstens mal ne süße Katze auf dem Titel hättet, aber neee....
Demwegen lese ich Euch auch nicht mehr gern.




*Ja, ich weiß: es müsste anders heißen, aber drauf gehustet...

Mindestlohn. Dass ich nicht lache.


Über das bekanntermaßen egalweg alles publizierende Portal "dasauge" kriegte ich heute das abgebildete Angebot, mit dem qualifizierte Texter gesucht werden, die bereit sind, für ca. 1,42 Cent pro Wort Artikel zu schreiben.

Die Auftraggeberin selbst ist dabei durchaus großzügig, bietet sie selbst doch Texte schon ab 2,0 Cent pro Wort an, im Nebenberuf und im Rahmen der Kleinunternehmerregelung. Und immerhin ist sie jetzt so erfolgreich, die Selbstausbeutung verschärft weiterzugeben. 
So wie chinesische Unternehmen, die ihre Teile für die amerikanischen Fernseher z.B. in Nepal zusammenschrauben lassen.

Ich dachte immer, ich wäre qualifiziert, aber die Vorstellung, gegen solche "Preise" bei Kunden anargumentieren zu müssen, ist ermüdend. Und wird allmählich Alltag.
Wenn ich mich nicht hin und wieder erfolgreich auf den Unterschied von Content und Inhalt beriefe, ginge gar nichts mehr.

Also lasst mich in Ruhe mit dem Gelärm vom Mindestlohn!

Mitteilung des Managements: HSV zeigt "Momente des Erwachens"

HSV: Kleine Anzeichen für Besserung
Variiert nach einem Artikel aus Spiegel-Online*

Viele Monate nach dem Beginn schwerster Ausallserscheinungen zeigt die Elf des Bundesligisten HSV "Momente des Bewusstseins und des Erwachens". Das teilt die Vereinsführung mit.

Hamburg – Dem HSV geht es offenbar besser. Der ehemalige Europapokal-Sieger mache "Fortschritte auf seinem Weg", teilte sein Sportchef Oliver Kreuzer in Hamburg mit. Der 127-Jährige zeige "Momente des Bewusstseins und des Erwachens", heißt es in Kreuzers Statement. "Wir stehen ihm bei seinem langen und schweren Kampf zur Seite, gemeinsam mit dem Team des Trainers, und wir bleiben zuversichtlich."

Kreuzer bedankte sich im Namen des Vereins erneut "herzlich für die ungebrochene Anteilnahme". Zugleich bat sie um Verständnis, "dass wir auf Details nicht eingehen möchten, um das Ärzteteam in Ruhe arbeiten zu lassen".

HSV auf dem Wege der Besserung?

"Momente des Bewusstseins", wie sie Kreuzer beschreibt, sind streng genommen kein medizinischer Fachbegriff. Es ist vollkommen unklar, um welche Zeichen es sich dabei handelt. Grundsätzlich können beim Aufwachprozess aus dem Koma folgende Reaktionen auftreten: Körperbewegungen, Reaktion auf Ansprechen oder Anfassen, Augenöffnen, Blickkontakt, der Versuch zu sprechen, gezielte oder ungezielte Abwehr- und z.T. sogar Angriffsbewegungen. Vorhersagen darüber, ob die Mannschaft wieder aufwachen wird, bleiben trotz der positiven Mitteilung aber reine Spekulation.

Ende Februar wurde die Aufwachphase eingeleitet; Mitte März hatte Kreuzer noch mitgeteilt, die Elf sei noch nicht aufgewacht. Wenige Tage zuvor hatte Trainer Mirko Slomka verlauten lassen, man gebe die Hoffnung nicht auf und bleibe zuversichtlich, dass "die Mannschaft da durchgehen und aufwachen wird". Immer wieder gebe es kleine Anzeichen, die Mut machten.

Die lange Serie von Niederlagen hatte immenses Medieninteresse hervorgerufen. Die Vereinsleitung forderte Anfang Januar Journalisten auf, die Spieler in Ruhe zu lassen und das Trainingsgelände zu verlassen. Die Vorstand befasste sich ausgiebig mit dem drohenden Abstieg und wechselte zwischenzeitlich den Trainer.  Inzwischen teilte man mit, es gebe nunmehr keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Die Mannschaft war demnach auch nicht unangemessen schnell unterwegs. Das Management hatte regelmäßig kurz nach jedem Spiel von einer extremen Verkettung unglücklicher Umstände resp. Spielzüge gesprochen.


*Das Personal dieser Meldung könnte im Übrigen und mit nur leichten Umformulierungen auch gegen z.B. Markus Lanz/Wettendass ausgetauscht werden. Das Ganze fiel mir wahrscheinlich eben deshalb auf und ein, weil ich mich weder für den HSV noch für M.Schuhmacher oder Wetten Dass sehr interessier und mich dieser Medienlärm darum besonders irritiert.

Reden ist Silber, wirres Reden ist Frida Gold.

Vorweg gestehe ich, ich habe wenig Ahnung von der momentan angesagten Musik für junge Leute. Bei dem, was so im Formatradio raufundruntergedudelt wird, ist das meiste Englisch, und da achte ich vernünftigerweise selten auf den Text. Die deutsch singenden Musiklieferanten schrauben sich da schon unbarmherziger in meinen Kopf, schiefe Metaphern, wie sie bevorzugt von Xavier Naidoo und seinen Mannheimer Söhnen zusammengedrechselt werden, foltern mich ganz direkt, und selbst die bemühteste Soulmusik kann mich dann nicht überzeugen.

Am schlimmsten daran ist, dass diese Leute in Talkshows eingeladen werden und dann auch noch reden, dass sie etwa aufgefordert werden, ihre Gedanken (oder das, was sie dafür halten) gar noch in kleinen Artikeln zu Papier zu bringen.

Beispielsweise Frida Gold. Inzwischen weiß ich, dass die dekorative "Frontfrau und Songwriterin" dieser Band ganz anders heißt: In "Magic Moments", dem weihnachtlichen Werbemagazin der "GZ Goldschmiedezeitung" bekam Alina Süggeler Gelegenheit (und bestimmt auch Geld dafür), einen "Essay" mit dem Titel "Go für Gold!" zu veröffentlichen.

Hier einige Auszüge:
"Wenn wir ein Schmuckstück geschenkt bekommen und der Schenkende unser Partner in crime ist, wollen wir über die Auswahl des Stückes unser Inneres gespiegelt bekommen, wir wollen erkannt werden – in Gold, Silber oder Edelstahl, in Perlen, Rubinen oder Diamanten. Wir wollen, dass das Schmuckstück zum verlängerten Ich wird." 
Doch. Da ist tatsächlich die Rede von einem "verlängerten Ich". Und ich erkenne unter wahrscheinlich goldenem Haar einen veritablen Holzkopf. Doch weiter:
"Das gute Stück darf mich nicht nur schmücken, es soll mich ausdrücken." 
Also etwa wie eine 18-Karat-Pinzette einen Pickel, oder wie?
Wenn keiner was dagegen hat, kürze ich hier ein wenig und steige ein paar Zeilen weiter wieder ein, wo Alina von uns (uns?) spricht und sagt, wir (also ich jedenfalls nicht) hätten irgendeine...
"...Thematik aus den Angeln gehoben, was das Rollenmodell angeht. Es ist so ungeklärt und alle Beteiligten sind ängstlich und verwirrt."
Wer kennt das nicht, diese Angst und Verwirrung, die ich mal im Begriff Hirnschwurbel zusammenfasse:
"Was also, wenn ein Schmuckstück nicht mehr nur von seinem Wert drauf schließen lassen will, wie viel man seinem Gegenüber wert ist, sondern auch noch zu erkennen geben muss, wie spezifisch und aufmerksam mich mein Gegenüber wahrnimmt? Was ist, wenn eineSchmuckstück zum Überbringer der Nachricht wird, wie tiefgründig meine Beziehung ist?"
Tja, was dann? Dann ist dieses betreffende Schmuckstück total überfordert und braucht dringend eine Therapie. Andererseits gibt die Schöne nun zu:
"Ganz klar: Wir bewerten über."
Und erklärt nüchtern:
"Dies wie so oft in den jetzigen Tagen. Mit erhöhtem Anspruch ans Resultat braucht es besser ausgearbeitete Arbeitswege."
Und so weiter. Ich mag nicht mehr. Mir wird schlecht.
Wer noch kann und mag, soll's hier weiterlesen. Ich selbst werde stattdessen den tiefgründigen Text lesen, mit dem Frida Gold in diesem Jahr einen Riesenhit landete. Den kann ich mir einfach besser merken – obwohl: ich möchte lieber nicht.)


Ich hoffe, mein Essay hat Ihnen, liebe Leser, gefallen, und er tut genau das, was Alina Süggeler als Abschluss ihres Aufsatzes so schön formuliert hat:
"Auch wenn er nicht ins Schwarze trifft, so trifft er doch ins Goldene..."

   

Kleine Geschichtsstunde für die Deutsche Bank

Liebe, große Deutsche Bank.
Ihr habt es ja nicht leicht im Moment. Gerade habt Ihr ganz viel Geld zurückgelegt, weil ihr damit rechnen müsst, demnächst ganz viel Geld als Buße für, sagenwermal, Probleme bei internationalen Hypothekendeals zahlen zu müssen. Dann ist da noch die Investmentabteilung, die von deren altem Chef so auf Geldverdienen getrimmt wurde, dass dafür auch mal Zinsen verbogen werden mussten, sonst hätte das nicht geklappt. Und eben dieser Chef ist jetzt auch noch einer der Chefs des ganzen weltumspannenden Unternehmens. Waren schon seine Vorgänger nicht so richtig gut darin, sympathisch zu wirken, so hat der Neue zumindest das Charisma eines Dirk Jens WitwenNonnenmacher. Der jedenfalls hat zusammen mit dem Herrn Fitschen beschließen müssen beschlossen, die Kultur der Deutschen Bank zu verändern, ganz allgemein mehr in Richtung "glaubwürdig", "menschenfreundlich", "eigentlich doch ganz nett", "der tut nix, der will nur spielen" und so weiter.

Eure Werbeagentur soll diesen Kulturwandel natürlich auch professionell vermitteln. Und so wurde dann am Wahlsonntag (22.3.2013) in der Wahl-Sonderausgabe der Bild-Zeitung auf der Titelseite eine Anzeige geschaltet, mit der Ihr Eure tiefe Verbundenheit mit Deutschland darstellen wolltet.

Deutsche-Bank-Anzeige: Mit jeder Regierung, in Bunt.

Im Bild sieht man das Logo der Deutschen Bank, farblich-chronologisch den unterschiedlichen Regierungskoalitionen der BRD seit 1949 zugeordnet. Von Schwarz-Gelb über Rot-Schwarz und Rot-Grün wieder bis hin in die bis 2013 gültige Kombination Schwarz Gelb.

Im Text dazu schriebt Ihr (oder ließet Ihr schreiben), ich zitiere:
64 Jahre Bundesrepublik:
22 Regierungen
8 Kanzler/-in,
5 Vertrauensfragen,
2 Währungen.
Und eine Bank, die global in Deutschland zuhause ist.
Leistung aus Leidenschaft.
Nun hat ja F.J. Strauss bereits 1976 gesagt, ihm wäre egal, wer unter ihm Bundeskanzler wäre. So gesehen, ist Ihre Anzeige stilistisch nicht neu, aber andererseits doch erfrischend offen.

Auf den ersten Blick. Steigt man nämlich ein bisschen tiefer in die Frühgeschichte der BRD (zur Vorgeschichte kommen wir gleich) ein, bestanden die Bundesregierungen der ersten 11 Jahre nicht nur aus Schwarz und Gelb. Da war doch bis 1960 auch noch die Deutsche Partei(DP)
dabei, zeitweise beteiligte sich auch der Gesamtdeutsche Block / Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHB), und diese Beschreibung meinte nicht etwa ihrer Heimat vertriebene und deutlich entrechtete Juden oder auch Sinti und Roma, sondern eher sehr Rechte, die dem Ende des Dritten Reiches nachtrauerten. Und daraus auch kein Hehl machten.
Ich nehme mal an, in Eurer Werbeagentur arbeiten viele junge Menschen und auch der eine oder andere Praktikant. Deswegen seid ihnen nicht böse, dass sie in der Anzeige zur Wahl den kleinen Klacks Braun vergessen haben. Das passiert in der Hektik des Agenturalltags schon mal. Das geht uns allen jeden Tag so.

Aber wo Ihr gerade beim Aufarbeiten von Pannen seid: Erinnert euch doch zwischendurch auch daran, dass Ihr schon vor 1949 eng mit Deutschland eng verbunden wart. So eng, dass Ihr euch damals auch glatt hättet Großdeutsche Bank nennen können. Der sehr umfassend OMGUS-Bericht ist – falls das Exemplar in Eurem Archiv gerade verräumt wurde – antiquarisch noch erhältlich, einige wichtige Auszüge findet Ihr hier.

Das war's auch schon. Zurück an die Monitore! Boni machen!

Klarstellung in eigener Sache.

Doch, es ist mir eine Herzensangelegenheit. Es ist mir wichtig. Ich möchte auch und gerade meiner persönlichen Betroffenheit Ausdruck verleihen. Die Zeit ist schon lange reif dafür. Die Welt kann und darf nicht länger Augen und Ohren verschließen. Und sowieso musste das mal gesagt werden. Ohne Umschweife, in aller Deutlichkeit und tiefentschlossen.


Danke. Vielen Dank für die Möglichkeit.

Vermischtes zum Abspeichern und Datenbevorraten

1. Was bedeutet eigentlich NS?  Gegen die Buchstabenkombination NS, als Kürzel eingesetzt,  hege ich seit je her ein gewisses Misstrauen.
  • Noch vergleichsweise harmlos wird sie bei Geldgeschäften verwandt, ein vom Aussteller unterzeichneter Wechsel wird mit NS für "nach Sicht" beschriftet, spätestens dann muss derjenige sich klar sein, dass es später teuer werden kann.
  • Etwas eklig finde ich die unter dementsprechend Interessierten verbreitete Sexualpraxis "Natursekt", die sich, ebenfalls zu NS verschlüsselt, in Kontaktanzeigen für dementsprechend Interessierte wiederfindet.  
  • Weitaus widerwärtiger allerdings ist das NS, wenn es die beiden Begriffe "national" und "sozialistisch" knackig zu zwei kurzen Silben verkürzt, die man dann vor jeder Menge Dreck platziert, von NSDAP über NS-Rockerbanden bis hin zu dem aktuellen NSU-Prozess, bei dem die gezielten Tötungen von meist türkischgen Geschäftsleuten verhandelt werden. 
  • (In diesem Zusammenhang übrigens wirkt das anerkennende NS für "nice shot" bei Mehrspieler-Online-Ballerveranstaltungen einigermaßen befremdlich. Aber welcher vernünftige Mensch täte so was, außer vielleicht, um halbwegs elegant die Kurve zu Anglizis- und Amerikanismen zu nehmen, was hiermit geschieht:)
  • In den USA nämlich steht NS für die Nationale Sicherheit, gern – und inzwischen bekannt – auch mit dem A für Agency verbunden. Und dieser Drecksladen, der sich anmaßt, im Namen irgendeiner Sicherheit alles über jeden wissen zu wollen, ist mir momantan im Abstand am widerlichsten. Nicht dass ich den entsprechenden deutschen Organen mehr traute: dass unsere Politiik scheint im Moment zwar empört, aber wohl eher darüber, dass so etwas bekannt werden konnte.
Ich bin sauer, ja. Überrascht? Nein.

© Thies Thiessen 2013

2. Sollte ich also einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin (oder Obama oder wen auch immer) schreiben?
Nein, das lohnt nicht. Was könnte in diesen Zeiten alberner sein, einen Brief extra als "offen" zu kennzeichnen. Alle Post ist offen, E-Mail so wieso, der klassische Brief auf Papier wird spätestens nach Einreise in die USA geöffnet und abfotografiert, eher er, wieder zugeklebt, an den Präsidenten weitergeleitet wird. Es reicht wahrscheinlich, einen kurze SMS an sich selbst zu schicken. Die kommt genauso sicher an.

3. Ich könnte ja anrufen...
"Zur Sicherung unserer Gesprächsqualiät werden vereinzelt Gespräche aufgezeichnet. Falls Sie das nicht wünschen, zeigen Sie uns das vor Gesprächsbeginn kurz an..."
Nur zu. Kommt doch eh nicht mehr drauf an. 

4. Wieso macht Ihr das, Ihr Amis, nachdem Ihr doch den ersten schwarzen Präsidenten unter dem Hoffnungsmotto "Yes we can" gewählt habt?

"Because we can." Ach so. Danke.

5. Wozu da noch Nachforschungsaufträge an die Deutsche Post? 
Stimmt, geht doch viel einfacher:  
Dear NSA, Three days ago, I should have got a letter from my uncle Horst-Dieter from Darmstadt. Inside, there was nice photography of my new born nice Jacqueline. Until today, I didn't get this letter. Could you please send me a copy of it. Thanks.

6. Wer schützt uns vorm Terrorschutz?
Hier habe ich vor Monaten in einer fiktiven Pressemeldung beschrieben, wie der meistgesuchte Terrorist der USA irgendwo in Norddeutschland von amerikanischen Truppen hingerichtet wurde.
Machen wir uns nichts vor: Die Machthabenden in den USA – die ich von den Regierenden bitteschön unterschieden wissen will – glauben wirklich, sie lebten in God's Own Country und der Gute Alte haben Ihnen das Recht verliehen, die Souveränität anderer Staaten oder gar Individuen im Eventuallfall komplett zu ignorieren. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

7. Wieso fällt mir jetzt Karl Kraus ein?



Schreibe, Spreche, Indiefressehaue

Es sind nicht nur "kleine, aber feine" Agenturen und Designbüros, die ihre Suche nach guten Textern so formulieren, dass noch der letzte Leser ihr Problem bemerkt, nämlich: dass sie keine haben. Gute Texter nämlich, meine ich. Ausgerechnet die Zeugnisse dieser großen Not allerdings schrecken mich manchmal davon ab, mich dort vorstellen zu wollen.
Ich meine nicht mal die Unverschämtheiten, mit denen Praktikanten mit langjähriger Erfahrung und Kenntnissen auch in Photoshop und einfacher Webprogrammierung gesucht werden. Und noch die Selbstbeschreibung als "junges, begeistertes Team" vermag mich alten Sack kaum abzuschrecken.

(Soviel vorne weg. Jetzt aber:) 

Beispielhafte Bildschirmschieße

Würgend eng wird's mir am Hals, wenn ich in einem Jobangebot, sei es fest oder frei, das böse Wort lese:
"Schreibe"
Sie wird immer wieder gefordert, und zwar wahlweise in den Kombinationen
"Flotte Schreibe"
und, noch origineller, ja weitaus kreativer:
"Kreative Schreibe"
Da ist dann sofort meine kritische Denke aktiv und wenn wer außer mir im Raum ist, schalte ich auch meine schlechtgelaunte Spreche an, um wenigsten verbal zur klaren Ausdrücke zu bringe, dass der Anbieter dieser möglichen Beauftrage von mir eine wohlplatzierte Beleidige zu gewärtigen hätte, verfügte er denn über eine momentane Anwese im Raum.

(Finden Sie nicht auch, dass die letzten Zeilen kaum zu ertragen waren? Umso mehr danke ich allen, die bis hierher die  notwendige Durchhalte hatten, für Ihre geduldige Lese. )

Die doofen Seiten des Internets

Ich arbeite gerade im Auftrag eines Kunden an einer Namensfindung, und da muss ich natürlich alle möglichen und unmöglichen Buchstabenkombinationen auch mal in den Browser schreiben und gucken, was sich dahinter so verbirgt.

Dabei habe ich auch die Firma Strux entdeckt, die mir sehr viel Spaß macht:
Erstens gibt es sie seit 35 Jahren oder 35 Minuten oder 35 Metern, weiß auch nicht.


Da will ich natürlich gleich mehr wissen und die Firma informiert mich netterweise schon auf der Sartseite, ich zitiere: 
In brief, you should know the following about us: our company was established in [insert year] and had been responsible for providing outstanding [insert service, products] ever since. Our specialty is in the area [insert information or delete sentence]. Our regular customers particularly value [insert information delete sentence]. Our business is located at [insert address].
Ehrlich, selten habe ich eine so nach allen Seiten offene Leistungsbeschreibung gelesen.
Und dem entsprechend so sind dann auch die Produkte von Strux.


Es gibt gleich drei, und damit ich nicht durcheinander komme, sind sie durchnummeriert. Also alles in Ordnung. Oder, Bob?

Zumindest weiß ich jetzt, warum ich bei manchen Websites das fiese Gefühl habe, die Texte wären nur aus übelsten Bausteinen mithilfe irgendeiner Selbstmachsoftware zusammengehauen. Weil's nämlich genau so ist. Discountercontent statt des aktuell so gern geforderten Storytellings. Immerhin hab ich noch ne Geschichte erzählt. Wenn auch keine schöne.

(...unauffällig in die hohle Hand kotzend ab, während der Vorhang rauschend herabsinkt...)