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Auf zu offen vor nach bei!

Leserin Babo schickt mir dieses Bilddokument und weist in der Betreffzeile Ihrer Mail "Auf was? Auf Drogen?" dezent darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen offen und auf gebe.

Der liegt wohl, wenn ich es richtig bedenke (und das unvorsichtiger Weise, ohne in irgendwelchen Duden bzw. Duden-Portalen nachzuschauen) darin, dass das eine Wort bei der Beschreibung eines Vorgangs / einer Bewegung verwendet wird, während der andere etwas bestehendes, einen Zustand beschreibt. Ich will das kurz mit dieser Skizze eines Kurzhörspiels illustrieren.
Schritte, die näherkommen, dann Anklopfen:
(Klopf, klopf.)

Stimme 1, gedämpft in einem Raum:
Wer ist denn da? Um diese Zeit?

Stimme 2, drängend, außen: 
Hier ist ein Kunde. Ich will einkaufen.

Stimme1:
Ja, und?

Stimme 2 (genervt):
Mensch Rewe, mach mal die Tür auf!

Stimme 1 (jetzt auch genervt):
Komm doch rein. Ist offen!
Wobei das natüroh auch knapper illustriert werden kann. Einfach mal laut lesen ud sich fragen, welcher der beiden folgenden Sätze lustiger ist:
Auf gestanden, gefällt mir deine Hose gut.

Offen gestanden, gefällt mir deine Hose gut.
Ne? Sehen Sie?

Und weil's so schön war, hier noch eben der Kracher mit soooo einem Bart – spielt eigentlich bein Aldi, aber egal:
– Tschuldigung, wo geht's denn hier nach Rewe?
–"Nach" Rewe? "Zu"!
–Wie? Ist schon nach acht? 
(Dämlich grinsend ab.)

Tierisch kreativ

Die Firma GIP sucht mit Hilfe einer Stellenanzeige in der Hamburger Morgenpost vom Sonntag nach einer exam. Pflegekraft (m/w), zur Betreung intensiv pflegebedürftiger Patienten im eigenen "zu Hause". Infolge von dem Misshandeln (bzw. gemäß des Folterns) der deutschen Grammatik wirkt das ganze Unternehmen unprofessioneller als es – wenn man nach der Website geht – tatsächlich ist. 
Und dass der Quark dann auch noch mit einem komplett rätselhaften (aber ach so menschenfreundlichen) Satz endet, ist dann eh schon wurscht.


Mal ganz abgesehen von der einzigartigen Kombination aus thematisch originellem Bildmotiv und Überschrift, die in Sachen Kreativität echt einen Punkt macht.
Bzw. jede Menge.

(So, und jetzt genug über Reklame gemosert. Zurück ins Leben. )

Fieser Deutsch. Mit Schuhen von Görtz.

Bei Görtz im Schaufenster wird der Sommer mit der Verlosung eines Autos begrüßt.
Und zwar steht da unter dem Motto kleiner (und Gottseidank schlecht zu lesen):
Gewinnen Sie ein Peugeot 207 CCI.
Boah ey. Das Peugeot muss ich haben, weil das nämlich ein toller Auto ist.
Also mach ich mit.
Und natürlich bin ich dann auch mit den Datenschutzhinweise einverstanden.

Frage an den verantwortlichen Werber/die verantwortliche Werberin:
Kann es ein, dass zuviel Schuhe blöde machen?

Alle Anführungszeichen abführen!!!*

Die Shell-Station in "Poppen"büttel hat seit einiger Zeit einen Kleingeldannahmeundwechsel-Automaten für €uro's an der Kasse stehen, der "offenbar" etwa's erklärungsbedürftig ist. Deswegen hat ein engagierter Mitarbeiter oder gar "der" Chef diesen "Zetttel" d'raufgek'lebt.

So sieht das dann aus:



*Und alle Deppenapo'strophe sowieso!!!

Die Dativ-Mörder: Jetzt auch der Spiegel.

Gerüchteweise höre ich, dass sich das Nachrichtenmagazin Der Spiegel doch (im Gegensatz zu vielen konkurrierenden Blättern) immer noch ein Lektorat leiste. Es solle, so geht die Mär, Geschichten auf Sprachrichtigkeit überprüfen und im Bedarfsfall korrigieren.
Bei der Internet-Ausgabe, die es ja immer ein wenig eiliger hat, ist nun aber entweder gar keine Zeit mehr für eine solche Korrektur oder es gibt den Lektor hier gleich gar nicht mehr. Ist ja auch verständlich. Müssen hier doch brandaktuelle Agenturmeldungen oder gar selbstrecherchierte Enthüllungsgeschichten zackzack online gestellt werden, eh's wer anderes tut.

Und so konnte auch die Welt nicht warten auf eine sprachlich saubere Version der heißen Story, aus der wir erfahren, dass Popsängerin Rihanna den Ehemann von Katy Perry anfangs gar nicht mochte.
Dank des Spiegels ist es eh bald alles wurscht.

Mopo ermordet Dativ.

Hamburg (eigener Bericht). Zu einem besonders schlimmen Fall von Gewalt gegen Grammatik (unser Bild) kam es am 8. April 2011 in der Redaktion der Hamburger Morgenpost 2011...
Frage: Gegenüber wessen fand es eine Schießerei statt?
Antwort: Gegenüber des Kindergartens.

Ach, vollendete Vergangenheit!

Als meine liebe Frau zur Schule ging, waren die Siebziger Jahre in vollem Gange.
Und wenn sich seitdem auch viel an Unterrichtsinhalten und -Methodiken geändert haben mag – bestimmte Dinge, wie z.B. die merkwürdig unzugänglichen Begriffe für die unterschiedlichen Zeiten bleiben (größtenteils) gleich. Der Präsens war schon früher der Präsens, Perfekt ist immer noch Perfekt, nur aus dem Imperfekt, den ich noch lernen musste, ist bei meinem Sohn das Präteritum geworden – was für mich nach Trias und Kambrium, nach Dinosauriern klingt. Etwa so:
Warum der Triceratops gegen Ende des Präteritums verschwand, ist der Wissenschaft bis heute ein Rätsel.
Aber ich verliere gerade den Faden zu der netten Geschichte, die ich eigentlich erzählen wollte:
Als meine liebe Frau zur Schule gegangen war, waren die Siebziger Jahre in vollem Gange gewesen. Was Wunder, dass sie sich den Begriff Plusquamperfekt mithilfe einer nur zu dieser Zeit denkbaren Eselsbrücke merken gekonnt hatte.
Plusquamperfekt » Plumpaquatsch
Und genau das war denn doch in noch mehr als nur grammatischer Hinsicht genau das (gewesen), was das Wort seit je zu Deutsch bedeutet (hatte)...

Cicero – Redner vs. Schwätzer

In der ziemlich wortreichen Zeitschrift "für politische Kultur" finden sich neben immer wieder aufgeblähten Debatten (z.B. Sarrazins leicht irre Kopftuchthesen und Sloterdijks schwer engagiertes Eingehen darauf) auch jeden Monat herzlich überflüssige Kolumnen wie die des früher von mir geschätzten (– ich war jung und ich brauchte was zum Lesen –) Günter Kunert. Die seine heißt denn auch Kunerts Unwörter, und im Novemberheft ist das Unwort der Begriff Wahlversprechen.
Als wäre nicht schon mit der Überschrift samt Kolumnentitel alles gesagt, schindet uns Kunert durch etwa 60 Zeilen Blabla, was wohl dem Konsumenten Belesenheit und literarischen Furor signalisieren soll, aber letzten Endes nur dafür spricht, dass Cicero pro Zeile zahlt.
Tja, und mittendrin dann dieser Satz:
Mich wundert immer wieder, dass vernünftige Leute (oder solche, die sich dafür halten) entgegen besseren Wissens und schlechten Erfahrungen immer wieder beim Pferderennenn auf Platz und Sieg setzen, überzeugt, sie würden diesmal gewinnen.
Also, Herr Kunert, wolln mal so sagen:
Mich wundert jetzt mal wieder, wie sich jemand trotz schlechten Deutsches und fiesem Grammatik-Missbrauch für so vernünftig halten kann, solchen Quark dann auch noch veröffentlicht wissen zu wollen, überzeugt, es würde schon keiner merken.

Und schönen Gruß noch ins Lektorat.

Ziel, gerade eben verpasst

Das Hamburger Abendblatt ist ja regelmäßig gern bereit, in das Klagelied über das miese Niveau heutiger Schulabsolventen und Berufsanfänger einzustimmen.

Am 28. März 2009 beglückte es seine Leser nun mit einem schick gestalteten Haufen Extra-Papier, der sich unter dem Titel "karriere.report" an Hochschulabgänger wendet und ihnen beim erfolgreichen Berufseinstieg helfen will: Auf den Seiten sechs und sieben gibt Dr. Stefan Frädrich, der "Experte für erfolgreiche Selbstmotivation, bekannt aus TV, Radio und eigenen Fernsehsendungen" (wahrscheinlich im TV, gell?) acht Motivationstipps, die kleiner Erläuterungen bedürfen.
Es fängt schon mal blöd an:
Müsste nicht gerade hier noch ein kleines N an die Zielgerade? Oder wie geht noch mal dem Dativ von das Wort?

Und wer dann weiter liest – was ich leider, leider tat – stolpert gleich wieder über Grammatik-Pannen in Tipp #2 und #5, mal ganz abgesehen von dem fiesen Formulierungsunfall in Tipp #8.

Also reiche ich nach:
  • 9: Nehme ruhig mal den Duden in die Hand und lese den Abschnitt "Imperative". Anderenfalls werfe deinen Bewerbungsbrief an mich lieber weg.
  • 10: Besorge Dir ein Lektorat, statt es dir selbst zu machen.
Aber echt.

Gute Werbung muss nicht teuer seinen.

Ich war auf Slogans.de zugange, da fiel mir diese kleine Google-Anzeige ins Auge.
Göppingen, aaah ja, die legendäre Werbemetropole, the marvelous Mekka of Marketing.

Da musste ich doch gleich mal nachschauen.
Ich habe die Seite besucht, auf der der Verfasser nochmals über Preise zu sprechen verspricht.
Einen Klick später folgte das übliche Drumherum-Gerede, mit dem ja regelmäßig (und regelmäßig ermüdend) begründet wird, warum man hier und jetzt keine Preise nennen können und wolle, gekrönt von diesem eigens fett gedruckten Satz.
Wen seinen denn? Ach, der Qualität ihr seinen. Dann ist ja gut.


(P.S. Und wenn man schon mal da ist: Unbedingt das Treatment für den Hamburger-Werbespot lesen. Absolut Preis verdächtig.)

MOPO fressen Grammatik auf.


(Oder, mit einer angedeuteten Verbeugung vor B. Sick: Der Dativ tötet schließlich auch dem Akkusativ.)

Über oder um.

Von Zeit zu Zeit les' ich sie gern: die Süddeutsche Zeitung und da besonders das Feuilleton. Aber ich lese sie nicht regelmäßig, weil mir die stets flankierenden Münchner Gesellschaftsnachrichten und bairischen Immobilienangebote a weng auf den Kropf gehn.

In der Ausgabe vom 13./14.Januar las ich einen kleinen Artikel über den Regisseur Gus van Sant, der mir einfach nicht aus dem Kopf will. Muss er aber. Und rein in den Blog:

Die Grafik "http://thecia.com.au/reviews/l/images/last-days-2005-poster-0.jpg" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.

Es geht da um den neuen Film Last Days, der sich wohl mit dem Leben und Sterbenwollen von Kurt Cobain befasst, es geht aber auch... – ach lassen wir doch den Regisseur selbst zu Wort kommen, bzw. denjenigen, der das Interview übergesetzt hat:

"Auch wenn 'Last Days' dann am Ende
mehr über jemanden geht,
der im Nordwesten der USA lebte
zu einer Zeit, als ich dort lebte..."


So was zeugt natürlich über Haupt nicht. Wie da ein wahrscheinlich korrekt formulierter Satz über gesetzt wurde, wie mit Grammtik geum-, ja geübergangen wurde, ist schlichtweg gruselig. Macht aber sicher mehr Spass als der besprochene Film.

Gesteigertere Steigererungen.

Ich habe mich vor Monaten (und am Beispiel der Twix-Reklame) schon mal über den Unsinn merkwürdig gesteigerter Verben ausgelassen. So deprimiert wie amüsiert fand ich nun in der TV-Spielfilm gleich zwei neue Beispiele. Zu der Komödie "Ein Engel auf Probe" stand dort:

Blond gelockter und tief dekolletierter denn je,
ist Country-Ikone Dolly Parton der einzige Lichtblick
in dieser ansonsten eher glanzlosen Geschichte.
Dazu von mir drei bescheiden gestelltere Fragen: 1. Wer hat Dolly besonders blond zu sich gelockt? Und wird in dem Film tatsächlich gezeigt, wie derselbe ihr im Anschluss hinten unten die Koteletts entfernt? Ist das noch Komödie?

Dümmste Aussagen-Hitparade

Gestern stellte sich der Beginn einer Sammlung besonders blödsinniger Formulierungen bei mir ein. In einer Broschüre eines Event-Ausstatters las ich zum Thema Geschirrverleih:
Ungespülte Geschirrrückgabe
berechnen wir mit 50 Prozent
des Verleihpreises.
Und kaum eine halbe Stunde später quoll mir aus Radio Hamburg dieser (übrigens immer vor Weihnacht standardisiert eingesetzte) Dreck entgegen:
Die weiße Weihnachtswahrscheinlichkeit
liegt heute bei 40 Prozent.
Gibt's dazu von meinen Lesern und Leserinnen noch weitere miese Formulierungs-Kommentare? Dann her damit!