Reden ist Silber, wirres Reden ist Frida Gold.

Vorweg gestehe ich, ich habe wenig Ahnung von der momentan angesagten Musik für junge Leute. Bei dem, was so im Formatradio raufundruntergedudelt wird, ist das meiste Englisch, und da achte ich vernünftigerweise selten auf den Text. Die deutsch singenden Musiklieferanten schrauben sich da schon unbarmherziger in meinen Kopf, schiefe Metaphern, wie sie bevorzugt von Xavier Naidoo und seinen Mannheimer Söhnen zusammengedrechselt werden, foltern mich ganz direkt, und selbst die bemühteste Soulmusik kann mich dann nicht überzeugen.

Am schlimmsten daran ist, dass diese Leute in Talkshows eingeladen werden und dann auch noch reden, dass sie etwa aufgefordert werden, ihre Gedanken (oder das, was sie dafür halten) gar noch in kleinen Artikeln zu Papier zu bringen.

Beispielsweise Frida Gold. Inzwischen weiß ich, dass die dekorative "Frontfrau und Songwriterin" dieser Band ganz anders heißt: In "Magic Moments", dem weihnachtlichen Werbemagazin der "GZ Goldschmiedezeitung" bekam Alina Süggeler Gelegenheit (und bestimmt auch Geld dafür), einen "Essay" mit dem Titel "Go für Gold!" zu veröffentlichen.

Hier einige Auszüge:
"Wenn wir ein Schmuckstück geschenkt bekommen und der Schenkende unser Partner in crime ist, wollen wir über die Auswahl des Stückes unser Inneres gespiegelt bekommen, wir wollen erkannt werden – in Gold, Silber oder Edelstahl, in Perlen, Rubinen oder Diamanten. Wir wollen, dass das Schmuckstück zum verlängerten Ich wird." 
Doch. Da ist tatsächlich die Rede von einem "verlängerten Ich". Und ich erkenne unter wahrscheinlich goldenem Haar einen veritablen Holzkopf. Doch weiter:
"Das gute Stück darf mich nicht nur schmücken, es soll mich ausdrücken." 
Also etwa wie eine 18-Karat-Pinzette einen Pickel, oder wie?
Wenn keiner was dagegen hat, kürze ich hier ein wenig und steige ein paar Zeilen weiter wieder ein, wo Alina von uns (uns?) spricht und sagt, wir (also ich jedenfalls nicht) hätten irgendeine...
"...Thematik aus den Angeln gehoben, was das Rollenmodell angeht. Es ist so ungeklärt und alle Beteiligten sind ängstlich und verwirrt."
Wer kennt das nicht, diese Angst und Verwirrung, die ich mal im Begriff Hirnschwurbel zusammenfasse:
"Was also, wenn ein Schmuckstück nicht mehr nur von seinem Wert drauf schließen lassen will, wie viel man seinem Gegenüber wert ist, sondern auch noch zu erkennen geben muss, wie spezifisch und aufmerksam mich mein Gegenüber wahrnimmt? Was ist, wenn eineSchmuckstück zum Überbringer der Nachricht wird, wie tiefgründig meine Beziehung ist?"
Tja, was dann? Dann ist dieses betreffende Schmuckstück total überfordert und braucht dringend eine Therapie. Andererseits gibt die Schöne nun zu:
"Ganz klar: Wir bewerten über."
Und erklärt nüchtern:
"Dies wie so oft in den jetzigen Tagen. Mit erhöhtem Anspruch ans Resultat braucht es besser ausgearbeitete Arbeitswege."
Und so weiter. Ich mag nicht mehr. Mir wird schlecht.
Wer noch kann und mag, soll's hier weiterlesen. Ich selbst werde stattdessen den tiefgründigen Text lesen, mit dem Frida Gold in diesem Jahr einen Riesenhit landete. Den kann ich mir einfach besser merken – obwohl: ich möchte lieber nicht.)


Ich hoffe, mein Essay hat Ihnen, liebe Leser, gefallen, und er tut genau das, was Alina Süggeler als Abschluss ihres Aufsatzes so schön formuliert hat:
"Auch wenn er nicht ins Schwarze trifft, so trifft er doch ins Goldene..."

   

3 Kommentare:

Uschi aus Aachen hat gesagt…

Und das so früh am Büromorgen. Argh.

Unknown hat gesagt…

Morgenstund hat Gold im Mund...

Anonym hat gesagt…

Hihi. Und ich BIN Herr Morgenstund.
Denn ich hab Gold im Mund - leider schon seit Jahrzähnten. Har.