Derrick †

"Hol schon mal den Leichenwagen, Harry."

Ich kann's nicht mehr hören.

Ist der Rettungsschirm eher eine Art Fall-, ein Regen- oder gar ein Sonnenschirm?
Sind alle Schutzschilder ausgefahren?
Ist das Maßnahmenpaket schon geschnürt? Womit?
Und wenn ja, sieht es sexy aus?
Was wird am Ende des Tages aus am Endes des Tages?
Letzten Endes letzten Endes?

Macht Sinn, oder?

(Greinend ab.)

Gute Werbung muss nicht teuer seinen.

Ich war auf Slogans.de zugange, da fiel mir diese kleine Google-Anzeige ins Auge.
Göppingen, aaah ja, die legendäre Werbemetropole, the marvelous Mekka of Marketing.

Da musste ich doch gleich mal nachschauen.
Ich habe die Seite besucht, auf der der Verfasser nochmals über Preise zu sprechen verspricht.
Einen Klick später folgte das übliche Drumherum-Gerede, mit dem ja regelmäßig (und regelmäßig ermüdend) begründet wird, warum man hier und jetzt keine Preise nennen können und wolle, gekrönt von diesem eigens fett gedruckten Satz.
Wen seinen denn? Ach, der Qualität ihr seinen. Dann ist ja gut.


(P.S. Und wenn man schon mal da ist: Unbedingt das Treatment für den Hamburger-Werbespot lesen. Absolut Preis verdächtig.)

Kinder haben keinen Geschmack.


Mein Sohn isst gern CiniMinis von Nestlé. In der momentan von ihm halb geleerten Packung fanden wir eine Comic, in dessen Handlung eine Team von Kinderdetektiven einen vollkommen hanebüchenen Kriminalfall löste und zwischendurch CiniMinis fraß. Als Autor und Illustrator zeichneten Shelly und Sar Perlman, und ich war verblüfft, dass die sich trauten, so was abzuliefern.

Jede mund- oder fußgemalte Weihnachtskarte ist besser in Farbgebung, Anatomie, Perspektive – und im Zweifel auch spannender und lustiger.

Aber, und so scheint man sich das wohl auch beim Nestlé Cerealien-Marketing gedacht zu haben: Kids haben ja eh keinen Geschmack.

P.S. Ich habe meinem Sohn verboten, den Comic zu lesen. Und künftig kaufen wir Kellogg's.
P.P.S. Bei dieser Gelegenheit eine Entschuldigung an G. Gunga, dessen Zeichnungen ich mal sehr hart kritisiert habe. Das mach ich nie, nie wieder.

Second Life für DDR? Geil.

Auf dem Mitarbeiterklo* einer im IT-Bereich tätigen Firma lag eine Fachzeitschrift herum und da fand ich diese Anzeige:

*Was auf welchen Toiletten gelesen wird, dürfte übrigens Thema eines weiteren Beitrags werden.

Glaube


...den Laster seh' ich wohl - allein mir fehlt der Glaube.

Deckel drauf

Anja Hajduk (Stadtentwicklungssenatorin Hamburg, GAL) hatte einen Traum: Autobahn A7 in Hamburg mittels eines Deckels zu Bauland zu machen.
Den Traum hatte Wirtschaftssenator Gedaschko (CDU) vor etwa einem Jahr auch schon mal.
Und beide verkündeten jeweils (illustriert mit schicken Simulationen), dass der Bund 400 Mio. EUR dazugibt.
Wovon der Bund aber jeweils nix wusste.
Beide sind dann wieder aufgewacht.
Aber Frau Hajduk hat wenigstens ein schönes neues Wort dafür gefunden:

Kommunikationsmissverständnis

Dass ich das noch erleben darf...
ok, Deckel drauf.

24 ohne Kiefer Sutherland

War die Deutschebank24 die erste? Oder der Autoscout24? Reife-Frauen24.de? Oder HSE24?
Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist diese Nummer die schlimmste Nutte im Internet.
Die tut's mit jedem.

Was mich im Zusammenhang mit Susanne Klatten erregt

Eine Frau Klatten (oder eine Frau Connor oder Frau eine Ciccone) und ihr Privat-Erleben interessieren mich, wenn, nur amüsementhalber – wenn ich das schon lesen muss, lese ich es eben nebenher weg. Was allerdings meine Aufmerksamkeit – ja, allerdings: erregte und mein Bewusstsein seither beschäftigt hat, war ein Zitat aus der Hamburger Morgenpost vom 4. November 2008. Die Rede ist von dem Herrn, der Frau Klatten Geld abnahm, und davon, was er laut MoPo dafür tat:
"Als Teenager hieß der 1,85-Meter-Mann noch Russak, geboren in Winterthur. Den Namen seiner Frau Gabriel nahm er erst später an.: Sgarbi – das schindete mehr Eindruck bei der Damenwelt."
"Schindete"?

Da bindete mir die Morgenpost einen dicken Grammatikbären auf.
Findete ich jedenfalls.

Aber wie heißt es richtig?
Wahrscheinlich schlicht schund.

Launisch?

Beim Betrachten der letzten paar Posts kam mir kurz der Gedanke, man könnte mir glatt Misanthropie vorwerfen. Was natürlich totaler Quatsch ist. Ich bin ein netter, fröhlicher und durchaus zugänglicher Mensch voller Toleranz, Geduld und Achtsamkeit gegenüber anderen und deren Schaffen. Damit das mal klar ist.

Neue Wörter (Teil 25)

Bankster
Hat eben eine Kollegin gesagt.
Kannte ich noch nicht.
Alle anderen schon.
Soviel zum Originellseinwollen.

"Web Wide World"

Dieser kleine Dreher gäbe doch eine Menge her für eine irgendwie kultur- und überhaupt ganz und gar kritische Betrachtung. Peter Glaser z.B. könnte das erledigen, oder Roger Willemsen raunt was zusammen. Oder auch Axel Hacke oder der Herr Martenstein. Ich jedenfalls hab keine Lust dazu. Nee.

Kolumnismuskritik

Axel Hacke hat seine Kolumne in der Süddeutschen neu benannt. Sie heißt nicht länger "Das Beste aus meinem Leben", sondern "Das Beste aus aller Welt". Ich vermute mal, das wurde nötig, weil Jan Weiler nun schon geraume Zeit im Stern "Mein Leben als Mensch" beschreibt.
Wodurch eine ziemlich schlichte Assoziation für mich für einige Zeit das Beste aus meinem Leben als Mensch war. Oder so.

Bö(r)se Vorahnung

Dieses Gedicht erhielt ich per Mail.
Wenn man bedenkt, von wem und wie alt es ist, hat das ja Gottseidank nichts mit uns zu tun...

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
Kurt Tucholsky, 1930 in der "Weltbühne"

UPDATE am 10.11.2008:
Christians böser Kommentar zu diesem Post hat mich sehr traurig und betroffen gemacht. Vor allem, weil er Recht hat. Entziehen wir also dem kleinen Gedicht das Adelspräsikat "Von Tucholky" und lassen es einfach so, als stete Mahnung nämlich, stehen.

Sie haben zu lesen es zu glauben es.

Stellen wir uns ein Sommermorgen vor,
alles wacht, auch Sie.

In der nämlichen Sekunde gehen die Jalousien hoch, und die Fußbodenheizung in Badezimmern wird eingeschaltet, sodass, wenn man sie betritt, spürt man den Effekt eines warmen Bodens. Durch einen Korridor gehend muss man jetzt nicht mehr nach dem Lichtschalter suchen. Bewegungsmelder schalten das Licht selbst ein, wenn sie unsere Anwesendheit entdecken.

An einem Winterabend, wenn die Sonne früher untergeht, spielt Licht eine besondere Rolle. Das intelligente Haus lässt das Licht mit einer Taste kontrollieren: Lichtszenen können zum Fernsehen, Lesen, Musik hören oder Empfang der Gäste angepasst werden.
Mehr davon? Hier!

Nein, diese Inder!






Lebensmittel, Schmuck, DVD
– und jetzt auch Enthaarung:
was will man mehr?

Ohne Worte. Bzw. mit jeder Menge.


Uund los:

Na? Können Sie noch?

Fest bleiben! Durchhalten!

Einzige private Anmerkung dazu: Diesen Werbebrief erhielt ein 75-jähriger Bekannter, der im Übrigen verwitwet und allein stehend ist. Er hat ihn netterweise an mich weiter gereicht.
Was soll ich davon halten?

Mein Tipp für Jogi Löw

Ich weiß wenig vom Sport im Allgemeinen und noch weniger vom Fussball im Speziellen.
Aber wenn ein Mann wie der Herr Kurynai... – sorry: Kurianiyi... – Verzeihung: Kuranni – wie also der Kevin augenscheinlich mehr Zeit mit dem Trimmen seiner Barttracht als mit der Pflege seiner körperlichen Fitness verbringt, dann hätte der (übrigens ebenfalls immer wie aus dem Ei gepellte) Herr Löw viel eher merken müssen, dass so wer in der Nationalelf nichts zu suchen hat.

Trimmy mit Stutzerbart? Geht gar nicht.

Da lobe ich mir doch die schlampig-ungepflegten Mähnen von Breitner, vom Baader oder auch vom Netzer, an die sich leider, leider kaum mehr wer erinnern mag.

Und Schweinsteiger ist der nächste, gell, Jogi?

Schreibs'mir das auf'n Deckel, Angela?

  1. Vor einigen Jahren finanzierten wir einen Teil des Kaufpreises unserer Wohnung mit Hilfe der KfW.
  2. Steigende Energiepreise, steigende Steuern, unters Erträgliche sinkende Umsätze und schließlich besonders für Selbständige fatale Erkrankungen brachten uns zeitweise in ernste Schwierigkeiten, auch und gerade die Rückzahlung des o.g. Kredits war wenigstens gefährdet.
  3. Momentan geht's.
So sieht das aus.
Was ich jetzt wissen will:
  1. Wenn wir – meine Familie und ich – versprechen, das letzte Geld, das wir nicht haben, unwiderruflich, spurlos und schnell zu versenken, ist die KfW dann so nett, uns mal eben einen größeren Betrag zu überweisen?
  2. Übernimmt der Bund zusätzlich evtl. eine Bürgschaft, um uns zu stützen?
  3. Oder geht das nur, wenn wir auch wirklich vollkommen eigennützig gehandelt haben, dabei möglichst vielen Leuten erheblich geschadet haben und schließlich an unserer desolaten Siuation eindeutig selbst schuld sind?

Mach's mir noch ma'n Lütt und Lütt, Angela?

Weltmeister der Friseure

Vor über zwei Jahren hab ich mich schon mal über die Vielfalt von Frisiersalon-Namen gefreut.
Ganz aktuell freue ich mich über deren Internationalität:
In Marne/Holstien sah ich einen Salon (unter der Führung von Frau Heidi Rettig), der den Zauber des Orients und die Verführungskraft speziell größerer Frauenansammlungen mit der Kunst der Coiffeure sinnreich verbindet:
HAAREM
Und in der Barmbeker Starße in Hamburg entdeckte ich das irische Pendant, das, wie ich vermute vorwiegend von sommersprossig-blaßrosahäutigen Frauen (also denen mit feuerrotem Haar) besucht wird, die ja auch Legenden zufolge besonders leidenschaftlich sei sollen:
O'HAARA
Mag sein, es gibt
(in Emden oder nahe Husum)
zufällig einen
FRIESEUR
...nee. Eher nicht.

Herrn Petersens Hobbykeller


An der Raiffeisen-Tanke in Bad Fallingbostel fiel mir dieser Flyer erst ins Auge, dann in die Hände.

(Für Großansichten bitte Bilder anklicken)

Mit glasklarer Argumentation und ordentlichem Text bietet Herr Petersen aus Wietze sich an, uns bei Bewerbungen und allem, was dazu gehört, zu helfen. Schade nur, dass er sich keinen Gestalter und kein Lektorat gegönnt hat. Außer, bestenfalls, Microsoft Word samt Rechtschreibkontrolle.

Ach ja: und MS Cliparts. (Paris? Ohlala...)

Immerhin: Die angekündigte Website ist noch eine Baustelle.

Sankt Peppers Apostroph



An dieser Stelle, dreispaltig eingemeißelt im Layout der Titelseite des Hamburger Abendblattes, finden sich oft recht erbauliche Mitteilungen, die so manche Drolligkeit der Sprache in mein Bewusstsein zerren.
Da freu' ich mich jeden Morgen drauf.
Aber diese hier hat mich doch etwas irritiert. Wer im Glashaus sitzt, sollte vielleicht ein sechstes Augenpaar in die Schlussredaktion aufnehmen, bevor er sich über die stoffeligen „5 Augenpaare“ lustig macht. Sonst wird er Bekanntschaft machen mit der
Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band.
Die habe ich schon lange heilig gesprochen.

Neue Wörter (Teil 24)

Ich hab's in einem Konzept gelesen, später in einer Präsentation durch den gleichen Mann.
ungefair
Ich weiß nicht genau, was es bedeutet. Nur so unnayerned.

Drang & Verdrängung

Letze Woche war ich beim Elternabend – und im Großen und Ganzen fanden alle Eltern – natürlich auch wir –, dass ihr Kind mit acht Jahren eine reine, klare, schöne Seele habe, die es zu schützen, zu hegen und zu pflegen gelte.

Aber die Seele ist ja eher drinnen.
Was wirklich raus kommt, erlebte ich, als ich mal raus musste.

Bei dem erlesen widerwärtigen Urin-Geruch des Grundschul-Jungen-Clos kam mir vieles hoch.
Sogar längst vergess'ne Teile meiner Jugendzeit, in die ich nach diesem Abend ganz gewiss nicht zurück will...

Seifenstück.

Wenn wo wer schon Schanett Biedermann heißt und dann noch im Fernseh und dann noch bei Sat1 inne Serie kommt, die heißt Annaliebe oder so, denn guck ich mir das schon mal gar nicht an, auch wenn Ramses 101mal sacht, ich soll das. Ist rosa, also eher für Mädchen.

Obwohl: die da mitmachen, kann man aufer Website mal so richtig durchklicken.

Buchvertipp 2

Was mir auch gerade einfällt: Merkwürdiger Weise hat mir ausgerechnet meine Mutter "der Pate" von Mario Puzo empfohlen. Besonders gut erinnere ich mich an eine Stelle, bei der ein Bräutigam der Famiglia ausgerechnet am Tag seiner Hochzeit eine andere Frau, nun ja, begattet. Puzo beschreibt sehr detailliert die Begeisterung ebender jungen Frau von insbesondere der Länge wie Dicke seines... – wie gesagt, ausgerechnet meine Mutter empfahl mir dieses Buch als spannend und gut geschrieben. Ich war zwölf. Kaum alt genug für die Entenwurzeln.

Buchvertipp

Fällt mir gerade ein: Bei meinen Eltern im Bücherregal in der guten Stube stand ein Buch, das mich als Leseanfänger sehr interessierte. Das lag an dem faszinierend-rätselhaften Titel:
Die Entenwurzeln
Ich durfte es nicht lesen. Später, als ich durfte, wurde mir klar, dass es sich um den Roman "Die Entwurzelten" von James Jones handelte. Da wollte ich nicht mehr.

Wie man eine Website aufbaut.

So geht das:
  1. Websites sollen benutzerfreundlich sein.
  2. Benutzerfreundlich heißt, die Seite macht dem Benutzer das Benutzen einfach.
  3. Eine Sitemap macht es dem Betrachter einfach.
  4. Man soll alles so einfach machen, wie es geht.
  5. Aber nicht einfacher.
  6. Was weiß denn ich, ich bin ja nur ein dummer alter Bär.

Eine Frage der Größe.

Als Kind und Jugendlicher war ich mindestens dann fest entschlossen, größer zu werden als mein Vater, wenn ich mit ihm im Streit lag. Dennoch hat es nur für einen Meter und 74 Zentimeter gelangt. Altersbedingt ist er inzwischen nicht mehr einsachtundsiebzig groß. Er kommt mir, sozusagen, ein Stück entgegen...

(Mein Sohn ist acht Jahre alt und 132 cm groß.)

Neue Wörter (Teil 23)

Mindestens mein Kollege H. kannte es schon, sonst hätte er es wohl kaum verwendet, um wiederum den Auftritt eines anderen Kollegen zu beschreiben. Für mich war es ganz neu, und ich muss zugeben, ich habe noch nie eine dermaßen widerliche und dabei zutreffende Beschreibung von Unterarmnässeflecken auf dunklen T-Shirts gehört:
Achselkaffee
– gesprochen natürlich "Achselkaffe". Isses nich eeeklich?

Anmachen, ausgehen, anmachen, ausgehen...

Die EU will selbsttlöschende Zigaretten vorschreiben, also Glimmstängel, die aufhören zu glimmen, wenn nicht aktiv daran gezogen wird. Ich seh's vor mir, das hektische Gesauge, dank dem sich Einraumkneipen* künftig noch schneller mit dicker Luft anreichern.
Aber wenn's dem Brandschutz dient... – immer noch besser als die Vorstellung, an jeder Fluppe hinge künftig ein laut piepender Rauchmelder.

(*was im Übrigen ein wunderbares Wort ist...)

Hör, Buch!

Früher hab ich in U- und S-Bahnen ordentlich was weggelesen.
Als mittlerweile Hardcore-Pendler ist das mit dem Lesen so eine Sache, also beschäftige ich meinen Kopf während der langen Fahrten zu und von der Arbeit mit Hörbüchern, von den ich mir hin und wieder welche kaufe, von denen ich mir viele aber auch aus dem Netz lade.
Und da heißt es vorsichtig sein: weniger wegen irgendwelcher Urheberrechtsverletzungen – das Netz bietet da meist so steinalte Texte, dass es wohl schon wieder wurscht ist. Die Schnupperdateien bei Tonspion... – wo wollte ich eigentlich hin?
Ach ja, genau.

Bei gekauften wie bei geschenkten Hörbüchern ist es anscheinend genau so wie bei den gedruckten Sachen: Wenig wirklich Gutes und viel Dreck findet sich da.
So habe ich z.B. nur die erste von sechs CDs "Ensel und Krete" ertragen, danach hate ich genug von dem schleimig-lustigen Gewürge, bei dem mir ständig das eifrig lächelnde Mondgesicht von Dirk Bach einfiel, der sein Publikum fragt: "Na, bin ich gut? Ich bin doch gut, oder?" Das mag daran liegen, dass auch tatsächlich Dirk Bach diesen an sich ganz schönen Text zerliest.
"Der Schwarm" von dem bereits früher besprochenen Frank Schätzing ist, als Hörspiel, durchaus spannend, aber wieder sind die letzten Kapitel (und hier ganz besonders die Nahtod-Erfahrung von Sigur Johannsson und Karren Weavers Begenung mit den Yrrh) kaum erträglich: Yrrhelvantes Geschwätz über blaues Licht, also etwas, was Herr Schätzing halt nirgends hat recherchieren können.
"Angst und Schrecken in Las Vegas" ist zu einem Drittel (Martin Semmlrogge) großartig, zu einem Drittel (Smudo) okay und zu einem Drittel (Günter Amendt) einschläfernd.
"Fleisch ist mein Gemüse" wird von Herrn Strunk eher noch gelebt als nur gelesen. Wunderbar.

So viel zu den gekauften Hörbüchern.
Und die kostenlosen?
Ich empfehle alle Sherlock Holmes-Geschichten bei den Vorlesern. Dort gibt's auch gute Ware von Bocaccio und eine sehr schöne Spukgeschichte von Rudyard Kipling.
Zum Schluss eine Warnung: Franz Kafkas "Die Verwandlung" ist in der Lesefassung von Martin Schlederer ein eher zwiespältiges Vergnügen. Im Verlauf der tragischen Kerbtier-Geschichte wird der ohnehin eher gleichförmige Tonfall immer müder, verschliffener und schludriger, mehrfach werden Namen verwechselt (Gregor Samsas Schwester heisst leider Grete) und so sind alle, Vorleser wie Zuhörer, nach 140 Minuten erleichtert, dass es mit Gregor und seiner Geschichte zu Ende gegangen ist. Aber der gute Wille zählt.

P.S. Am allermeisten Weghörenswertes gibt es im Übrigen hier.

Sowas von und zu

In einem zustimmenden Kommentar zu einem der gereizteren Postings von Kiki schrieb Alexander:

Du sprichst mir sowas von aus der Seele!
Was mich weniger inhaltlich als stilistisch sehr freute: Denn die Konstruktion "sowas von"
kenne, mag und verwende ich schon seit Jahrzehnten, und seit Jahrzehnten ernte ich damit immer wieder leicht amüsierte bis indignierte Blicke und Bemerkungen.
Dabei habe ich dieses merkwürdige grammatische Gebilde sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen:
Dor heff ick mi sowat vun öwer aargert...
(Plattdeutsch: Übersetzt "Ich habe das für mich persönlich als ausgesprochen ärgerlich empfunden.")
...ist auch heute ein typischer Abschluss-Satz meiner Mutter, wenn sie von einem eben vergangenen unerfreulichen Ereignis berichtet. Wo ich mich dann wieder sowas von über freuen kann. Was bereits eine eine relativ kühne, aber gebräuchliche Konstruktion ist.
Anders als das schon etwas fragwürdige:
Weihnachten hab ich mich sowas von auf gefreut.
Sowas von einem gestandenem Werbetexter geht natürlich gar nicht.
Ich würde sogar sagen, das geht sowas von gar nicht.

Lustlos zum Lachen

Ich trigger das nicht weiter,
ich seh' mich auch nicht im Need

das weiterzutriggern.
(Ehrlich: Hat ein Kollege gesagt, habe ich gehört, habe ich dann gleich aufschreiben müssen und jetzt hier platziert.)

PANINI komplett?


Zur EM gibt's tolle Sammelbilder.
Wer alle hat, holt sich die Busse

der Nationalteams von der EM-Website.
Jeder trägt ein Motto der jeweiligen Nation.

Das Motto auf dem Russenbus
gefiel mir ganz besonders gut:

Российский футбол, победа за нами.
Россия гордится ее игроками!

(Russische Hände wollen alle dasselbe!
Russland ist der Stolz seiner Söhne!)

Witziger Consultant

Ich war, wie in einem früheren Post erwähnt, kürzlich bei einem Führungskräfte-Seminar.
Es war sehr interessant. Und ich glaube, ich konnte da eine Menge lernen.

Sollte ich allerdings je so schreiben, wie der Trainer zeitweise sprach,
bitte ich meine Leser um einen deutlichen Hinweis an mich.
Besonders, was er zum Thema Lachen sagte, war urkomisch:
Von der Humorressource her können Menschen ganz unterschiedlich aufgestellt sein.

Und keiner hat gelacht. (Aaaaaaaarghl!)

Praktiker mit Problemen

Die fiese laute Baumarkt-Claim darf jetzt so nicht mehr benutzt werden.
Jetzt muss es in etwa heißen heißen:
Zwanzig Prozent auf fast alles!
Außer Tiernahrung und Tchibo!
Oder so!

Aber wie ich die Branche kenne, wird der Nachfolger noch viel fieser.
Aus Geiz ist geil wurde nach kurzer liebe-voller Einführung am Ende Wir hassen teuer nebst Abbildung einer (– Entschuldigung, liebe echte Frauen –) Techno-Tante.

Willkommen, Roland!

Und Ihr anderen natürlich auch. Toll, dass Ihr dabei seid.
Schaut Euch um, habt Spass, kommentiert. Und wenn's Euch gefällt, schaut ruhig öfter rein. Sonst auch gern.


(Gott, ist mir das peinlich, aber mein Imageberater hat gesagt, ohne sowas geht gar nichts.)

WIE DENN! WO DENN! WAS DENN!


Heute früh sang mein Sohn am Frühstückstisch donnernd laut:
WIE! WO! WAS!



Genau die gleiche Tonfolge mit nur wenig anderem Text sang vor ca. 30 Jahren meine kleine Schwester am Frühstückstisch:
WER! WIE! WAS!

Soviel als Update zum Thema Mashup
und als besorgte Anmerkung zur Sozialisation heute Heranwachsender.

Straßenzustandsmeldung 19.6. 2008

Heute aktuell auf der Fahrbahn:
Metallteile,
Holzteile,
Reifenteile und
eine Abdeckung.

Da müsste wirklich mal wer aufräumen.
Aber ich hab mir sagen lassen
,heute abend wären sie wie leergefegt.

Höhe Abfahrt Bad Fallingbostel

Ob es nun wie seit gefühlten 100 Jahren vom "NDR-2-Verkehrsstudio" zu hören ist oder ob wie bei Radio Hamburg von "Horst aus dem Jägermeister-Wetterhelikoptertower" (oder so ähnlich): eine bestimmte Kategorie der Warnmeldungen fasziniert mich mehr und mehr, je häufiger ich sie höre.
Gegenstände auf der Fahrbahn

Nicht immer so allgemein formuliert, liegen mal Reifenteile auf der Fahrbahn, ein andermal frage ich mich, was wohl in dem Pappkarton auf der Fahrbahn drin ist, und vorgestern warnte NDR Info gar vor einer Axt auf der Fahrbahn.

Mein spezieller Liebling wurde letzte Woche angekündigt: Trümmerteile auf der Fahrbahn. Wenn die kaputt gehen, sind es Teiltrümmer, oder was?

Ganz allgemein am rätselhaft-faszinierendsten sind und bleiben natürlich die anfänglich genannten Gegenstände auf der Fahrbahn. Da darf man sich dann nämlich alles denken: Büroklammern?
Taschentücher?
Flugzeugträger?
Meteoriten?

Yes...it's a strange and beautiful world.
"Da soll jeder mal vor seiner eigenen Achillesferse kehren."
(hat eine engagierte Kollegin gesagt.)

Stayfriends?

In SpiegelOnline fand ich Ende April 2008 folgende Meldung:

Schweriner Oberbürgermeister Claussen abgewählt

Eine Entgleisung mit Folgen: Als das Behördenversagen im Fall der 5-jährigen verhungerten Lea-Sophie bekannt wurde, kommentierte der Schweriner Oberbürgermeister Claussen dies mit den Worten "Pech gehabt". Dafür gab es nun die politische Quittung...


In diesem Zusammenhang hatte auch schon mal den Vormamen (N.) gelesen, was mich wieder an einen Klassenkameraden namens N. Claussen erinnerte und an sein damaliges Engagement in der Jungen Union. War es denn möglich, dass ausgerechnet mein damaliger Angstgegner bei jedem Fußballspiel inzwischen eine große Zukunft hinter sich hatte...?

Tatsächlich: Mein Mitschüler ist gewesener Bürgermeister von Schwerin.

Pech gehabt.

Ich war nicht dabei.


Wegen Hamburg-Bambek? Da wurde ich unsicher. Homburg-Bamberg vielleicht?
Hamham-Bimbes?
Wobei, der Link stimmt: Blogsport anstatt Blogspot.

Genre-Mix und Reiz-Überflutung

Ich habe viel gesehen.
Ich sah Katatrophen-Liebesfilme und Science-Fiction-Horror-Action. Ich sah schon Marionetten-Kriegsfilme und Fakumentaries, ich sah erotische Suspense-Slasher und japanische Alienzeichentrickpornogafie. (Ich sah auch schmutzige Filme zur Erwachsenenen Bildung, doch nie Teresa Orlowskis Hardcore-Remake von Spielbergs Dinosaurier-Familienfilm, da weiß ich nur den Titel*.)
Ich sah im Übrigen viel zu viele romantische Komödien – und dem zu Folge immer wieder Meg Ryan.
Genau: Meg Ryan, das ist die mit dem niedlichen Lächeln, das sogar noch ein Alkoholikerinnen-Drama in eine, nun ja, romantisch-beschwipste Angelegenheit verdarb. Was denn letzten Endes ebenso unglaubwürdig war wie ihre Darstellung einer knallharten (?) sexy (?) Boxpromoterin.

Ja, eben diese Meg Ryan sah ich etwa zur gleichen Zeit meines Lebens so viel zu oft wie ich Phil (zu phil) Collins hören musste.

Aber in letzter Zeit vermisse ich sie ein wenig. Die Meg. Ich wünsche mir gar, sie wieder zu sehen, und eigens für sie möchte ich ein neues (oder wo nicht neu, dann kaum beachtetes Filmgenre) propagieren:
Die romantische Splatter-Komödie.
Ich denke da an Filme wie „Blutige E-Mail für Dich“ (Alernativ-Titel: „Sie haben Pest“), an „Während Du schlitzt“, und vor allem freue ich mich auf
„Zombie und Sally“.
Ich meine jene zauberhaft den Brechreiz kitzelnde Geschichte eines Untoten und einer netten junge Collegegans, die über Jahre immer wieder im gleiche Auto sitzen und nichts passiert, weil er sie nun mal einfach unappetitlich findet. Unvergessen besonders die Szene im Diner, als Sally ( Mag Reihern) pantomimisch-gestisch und geräuschvoll das Herausreißen und genüssliche Verspachteln eines Humandünndarms vortäuscht, worauf die Frau am Nachbartisch zur Kellnerin sagt: „Ich hätte gern genau dasselbe wie die auch nicht mehr ganz junge Dame am Nachbartisch.“
Ach ja: Ich würde meine Frau zwingen, den Film von Anfang bis Ende mit mir gemeinsam zu gucken.

Was ich allmählich auch nicht mehr abkann: De Niros Synchronstimme, und das breite und fast immenr unpassend eingesetzte Lachen von Cameron Diaz.

*Jurassic Fuck

Nur mal an genommen:

Vor ein paar Tagen erzählte mir eine Freundin, der ich ein Buch empfohlen hatte, sie hätte es angelesen, aber dann doch nicht gekauft.

Ich bin dann gleich zum Autohändler und habe mir einen schicken Wagen empfehlen lassen. Den hab ich dann kurz angefahren, aber dann doch nicht gekauft.

Kann natürlich auch daran liegen, dass ich vorher eine Flasche Tequila angetrunken hatte.

Anundfürsich.

Wie Chandler.

Gern zitiert, gern auch parodiert, war Raymond Chandler ein ganz Großer im Erfinden ungewöhnlicher sprachlicher Bilder, ähnlich diesem:
Nach einer halben Stunden Schwimmen wie eine Maschine fühlten sich meine Beine wie Wackelpuddung aus Blei.
Schön, oder?

Nur: das war ein Satz von Paul (acht Jahre).
Und auf so was bin ich stolz. Als Vater und als Texter

Zeichner gesucht. Und dann Verleger.

Das Buch dürfte etwa 48 Seiten haben und mit festen Einband und im Format von etwa 7 cm x 10 cm erscheinen. So könnte es aussehen:



(Es gefällt mir so gut, dass ich jetzt Zeichnungen dafür sammeln möchte, die den Titelsatz erhellend illustrieren. Will wer mitmachen? Dann los.)

Mühelos abnehmen.

Die Mutter meines Gewährsmanns Michael P. hat Post bekommen. Weil sie nämlich so toll abgenommen hat.

Kunststück.


Michaels Mutter ist seit 15 Jahren tot.

Caution!

Bahn und Birklichkeit

In einer Jubelbroschüre der Deutschen Bahn, die (fünffarbig mit mattsilber und auf dickem Papier gedruckt) in den Ersteklassewagen als "Ihr persönliches Exemplar" ausliegt, stellt das sympathische Unternehmen seine weltweiten Leistungen vor.
Auf Seite 6/7 heißt es da:
...lieben gerade die Kleinen den Blick auf Stadt und Land in voller Fahrt.
Schnelligkeit allein ist allerdings nicht alles.
Wie wahr. Denn ich hatte fast zwei Stunden länger Zeit als vom Fahrplan angekündigt, um diesen Quatsch zu lesen, der mit folgenderer schulterzuckenden Entschuldigung schließt:
...Die Deutsche Bahn bemüht sich bei all ihren Verkehrsträgern um Kindenzufriedenheit.
"Mühe allein genügt eben nicht," wie schon Frau Sommer selig bei Jacobs Kaffee Krönung sagte. Gleichwohl heißt sie, die Deutsche Bahn, uns hoffen, und zwar schon auf der folgenden Doppelseite, wo sie Alternativen zum Zug anbietet:
Auf Mobilität aus eigener Muskelkraft baut DB Call a Bike mit Angeboten nicht nur in Berlin, sondern auch in Frankfurt am Main, Köln, Stuttgart, in München und Karlsruhe.
(Was ist Kallabikeh? Ach, Englisch.)
Lohnschreiber bei der Bahn. Was für ein Traumjob!

Die Welt ist nicht genug

Soeben bei „Wer wird Millionär?“ gehört:

Jauch: Sechzehntausend Euro - was würden Sie damit machen?
Kandidatin: ...ne Weltreise!
Jauch: Und wohin?

Musste ich doch etwas schmunzeln.

Das ist so, Sick!

Ich habe ja schon an anderer Stelle darüber gelästert, wie Bastian Sick allmählich zum Superprodukt samt Line Extensions hochgejubelt wird und allmählich würde mich auch ein Musical "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" nicht mehr verblüffen. (Libretto natürlich Sick. Musik Andrew Lloyd Webber. Eigentlich ganz hübsch: Der Dativ verkörpert durch einen bösen Bariton, Heldentenor Genitiv singt mit dem Nominativ Sopran viele kleine Apostrophen... geschenkt!)

Kann man auch kaufen. Muss man aber nicht.
Die übelsten Folgen dieser Kolumnitis allerdings finde ich bei der Mutter aller Sicks, im SPIEGEL himself. In Ausgabe 17/2008 schreibt ein ungenanter Redakteur auf Seite 97:
Gemäß des zentralen Berichts
der Nürnberger Ermittlungskommission...
Das geht so natürlich gar nicht. Bzw. das ist nun wieder ein wenig zuviel des Genitivs.
Aber ich bin ja da. Genau, ganz im Sinne der Süddeutschen Zeitung, genauer, des Streiflichts vom 13. April, dient dieser Blog auch dazu,...
...um zumindest den schlimmsten
Auswüchsen Herr zu werden.
Gern geschehen.

Vatertag, Feiertag, Autobahn, hurra!

Morgen ist frei, da machen wir eine Ausflug mit der ganzen Familie.
An der A7 Richtung Süden gibt's die tollsten Attraktionen.

Da wäre erst mal das Panzermuseum Munster, das mit eigenen braunen Schild neben dem Standstreifen für sich werben darf. Weil wir danach total erschossen sind, lassen wir's etwas ruhiger angehen und besuchen im Anschluss die landschaftlich zauberhaft gelegene Gedenkstätte Bergen-Belsen, und dann geht's ab in den Hyde Park, sorry, Heide-Park Soltau. Abschließend vielleicht noch in den Vogelpark Walsrode...

Oder statt all dessen lieber liegen bleiben und auf die Autobahnpolizei warten?
Hat auch was.

Ist doch wahr!

Ja, die Stücke von Amy Winehouse sind wunderbar sechzigerjahresoulig arrangiert und sie singt schön. Aber mehr auch nicht. Ansonsten wird die Gute überschätzt.

Ich hab allmählich keine Lust mehr, mehr über eine Sängerin oder einen Sänger (wie das schmuddlige Baby-gesicht von den -shambles) uzu lesen, als von ihm oder ihr zu hören. In Kotze oder dem Pool ersaufen, sich Totfixen oder Gegendenbaumfahren – das haben wir jetzt alles schon gehabt und ist damit weder neu noch interessant. Und Frau Weinhausens Schnibbelkratzer am Unterarm gehören allemal eher in fachärztliche als journalistische Behandlung.


UPDATE Ende 2011:
War wohl nix. Schade.

Remixtremismusik

Als ich noch mit meinem damals guten Freund Rupert gemeinsam sang und unter dem Namen "Der gute Ton" gar auftrat, war eines unserer beliebtesten musikalischen Experimente, bekannte Stücke so zu singen, wie sie noch nicht gesungen worden waren (oder wie wir sie wenigstens noch nicht gehört hatten). Also boten wir "You've got to hide your love away" von den Beatles dar wie eine Art gregoriansich-schottisches Madrigal – sehr langsam, sägend zweistimmig und ohne lästige Instrumentalbegleitung. Die Leute mochtens. Die "Erinnerung an Maria A." von Brecht klang exakt so wie "A horse with no name" von "America".
Da gab's dann einmal sogar die Androhung von Prügel, versprochen und verabreicht ausgerechnet durch den letzten stramm sozialistischen Berliner Agitprop-Chor, der seinen heiligen Bertolt beschädigt wähnte. Es blieb dann doch friedlich.
Immer freuten wir uns, wenn wir feststellten, dass man zwei Lieder gleichzeitig singen konnte und das Ganze auch auch noch gut klang: Beispielweise kann man das Sandmännchenlied (West) hervorragend zugleich mit "Guten Abend, gute Nacht" singen, nur eine zarte rhythmische Verschiebung ist(neben der dritten Singstimme) nötig, um auch noch das Ost-Sandmännchen obendrauf zu tun.
Ja,
Ach, lang ist's her. Rup und ich sind heillos zerstritten, und allein Duette singen geht halt nicht.
Immerhin hab ich jetzt mehr Zeit zum Hören:
Heute setzt sich einer an den Rechner und legt einen Streichersatz (Streicher-Satz, nicht Streich-Ersatz) der Beatles unter Madonna. Dann nennt er das Ganze "Eleanor Ciccione" und es klingt zum Wiedererkennen wunderbar fremd.
Ich habe mir jedenfalls schon ca. 70 seiner über 2000 Titel von seiner Website geholt – viele sind arg tekknolastig, manche schlicht Gelärme, aber dazwischen tauchen immer wieder wahre Perlen auf, z.B. "Michael Jackson is the Devil" mit eben Jackon vs. Stones, oder "Heart of Grapes" mit Blondies Musik und Marvin Gayes Gesang.

Mal reinhören!

Apollo

Das muss ich jetzt endlich mal loswerden, weil eben schon wieder gehört (gottlob nur gehört):
„Apollo Optik - wir haben nur Ihre Augen im Kopf.“
Isses nich eklich?
In dem Zusammenhang muss ich immer an ein anderes Zitat denken, in dem Apollo ebenfalls eine große Rolle spielt: „Houston - we've got a problem.“
Schon eine Weile her, haben sie vermutlich aber immer noch.
Ach übrigens: wie wäre es mit zumindest dann mal mit einem neuen Texter?
Ich mein ja nur...

Musik am Stock (Plattensammlng revisited)

1. Nenne einen Song, dessen Text Dich ganz besonders berührt und begründe
Immer noch und auch nach dreißig Jahren:

Hoch im Norden, hinter den Deichen, bin ich geboren,
immer nur Wasser, ganz viele Fische,
Möwengeschrei und Meeresrauschen in meinen Ohren...
Später:
...und jetzt sitz ich hier im Süden.
Und so toll ist es hier auch nicht...


Ja: es ist von Udo Lindenberg, dessen Schnapsmalings ich ansonsten ebenso für ihn peinlich und mich peinigend finde wie seine Lederjackenverschenkerei an Honni. Aber dieses kleine alte Lied fasst die ganze Langeweile und alle Illusionen einer Landjugend gut zusammen.


2. Nenne einen Song, dessen Musik Dich ganz besonders berührt und begründe
Es ist nicht unbedingt das, was man so „Song“ nennt. Aber beim 1. Satz des Brandenburgischen Konzerts Nr. 4 von Johann Sebastian Bach kriege ich Gänsehaut und manchmal kommen mit Tränen.
Die Art, wie da zwei Blockflöten da durch ein nur scheinbar einfaches Thema tanzen und springen... Und dabei hab ich nur eine mittelschlechte Aufnahme irgendeines Ostblock-Orchesters, eingespielt für das Billig-Label Naxos vor ca. 20 Jahren.


Und wenn’s denn onn-be-dänkt ein Song sei soll: Momentan brülle ich begeistert und gleichermaßen gerührt „Der letzte deutsche Schnee“ der Kapelle „Erdmöbel“. War ein Gratisdownload aus dem Netz, den ich gar nicht oft und laut genug hören kann.


3. Welchen Song hättest Du gerne geschrieben und warum?
Insensitivo oder How insensitive. Mal im Ernst, wer wäre nicht gern Antonio Carlos Jobim gewesen? Brasilien, Strand, Sonne, Getränke, Gitarre, Girls von Ipanema? Und dann eine greinend Liedchen schreiben über das bedauernd gleichgültige Gefühl des Verlassens. Acchhachhhjaaa.... vor allem in der Aufnahme mit Jobim himself und Sting.


4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of
Meide die Popkultur (Peter Licht), Roundabout Midnight (Thelonius Monk), Here comes the sun (Beatles), Elephant Talk (King Crimson), Without you (Harry Nilsson). Und wieso nur fünf?


5. Und zum Schluss: Welche Musikscheibe beschützt Du wie Deinen Augapfel?
Consequences von Godley & Creme.
Drei LPs, die ich nicht mal hören kann, weil ich keinen Plattenspieler mehr habe. Aber die Art, wie die beiden Herren um 1976 ihre Band Ten CC verlassen haben, um ihr Effektgerät GIZMO mit einer Single zu promoten, aus dem dann o.g Dreieralbum wurde, ist so zauberhaft fanatisch (wobei es niemandem außer vielleicht ihrem Ruf schadete), dass ich es nur bewundern kann. Außerdem ist da „the flood“ drauf.

Kiki hat dies Stöckchen inkl. großartigem Titel herumliegen lassen. Wer will, kann's jetzt aufheben.

Gut ist schwieriger als lustig.

Google bietet ein neues Werkzeug. Es heißt translate. Es übersetzt auch Internet-Seiten. Diese Internet-Seite wurde schlecht übersetzt. Deshalb schreibe ich hier nur kurze Sätze. Vielleicht funktioniert es dann besser. Andererseits: Lange Sätze werden lustiger übersetzt.

Danke schön, Harry Rowohlt.
Schluss jetzt.

Geile Anzeige.

Obwohl die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH sich sonst für keinen Werbequatsch zu schade ist, wenn es darum geht, die dicksten Kartoffeln noch des dümmsten Bauern zu propagieren, diesmal ist sie unschuldig.
Diese appetitliche Abbildung weißlich-dickflüssiger Eiweißverbindungen, die oben aus einem Batzen roten Rinderfleisches heraus quellen, stammt direkt aus den ansonsten eh oralfixierten USA. (Gefunden in der Zeitung People, weitere Landschafts-Motive und dieRezepte dazu gibt's hier).

Wie geht dieser Zaubertrick?


Gar nicht. Mir jedenfalls ist die Tüte zerrissen
und ich hatte braune, übel riechende Finger.

Bah!