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Out of Africa, illustrierte und kommentierte Ausgabe


Es handelt sich um ein Dünndruckbändchen des Manesse-Verlages, das mir beim Antiquar in die Hände fiel. Ich fing an zu lesen und stellte fest, dass ich zwar die Sprache von Karen/Tania Blixen mochte, nicht aber die Haltung der Protagonistin. In jeder Zeile stellt sie sich dar als kultivierte und  verständnisvolle Halbadlige aus Dänemark, die nun, auf ihrer Kaffefarm in Afrika, viel Verständnis hat für die Schwarzen.


Sie unterscheidet fein zwischen ziemlich Wilden und nicht ganz so Wilden, zwischen romantischen Wilden und eher lustig-verschlagenen Wilden. (Mir fallen dabei Leute ein, die Michael Jackson gucken udn mitteilne, der Neger hätte ja Musik im Blut.) Nur sie bleibt immer gleich – jedenfalls in den ersten Kapiteln – die mit dem Verständnis. (Nun ja, geschrieben wurde das Ganze vor etwas 90 Jahren. Das waren ja auch andre Zeiten...)


Also fing ich an, in dem Büchlein herumzukritzeln – auch und gerade , weil man so was nun mal nicht macht. Ich bin noch dabei – aber schon jetzt ist das übermalte Büchlein deutlich spannender als der verquaste Quatsch von Karen/Tania Blixen.




Ja, und zwischendurch hab ich die Sachen fotografiert und lasse sie in einen animierte Bildfolge zusammenmontieren.

Ich mag das Ganze. Jetzt fragt sich nur: was mach ich am Ende draus. Jemand eine Idee?

(Ach, ja: Das Copyreight für alle Abbildungen liegt bei mir. Nur bei mir.)





Steinberg als Steinbruch

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 7. November 2014 veröffentlichte eine große, als Bildstrecke getarnte Reklame für Badezimmereinrichtungen, illustriert von Serge Bloch.

Badewanne von Bloch nach Steinberg.

Das waren mal wirklich originelle Bemalungen von Wannen, Kachelwänden und Badelaken, über die ich mich möglicherweise wirklich neu gefreut hätte, wäre die Grundidee nicht schlichtweg geklaut gewesen.
Und zwar bei einem meiner Lieblingszeichner, dem 1999 verstorbenen Saul Steinberg, der in den Fünfziger und Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so beliebt war, dass der Rowohlt-Verlag gleich mehrere Bücher von ihm veröffentlichte.


Badewanne von Steinberg
Viele Zeichner der folgenden Jahre kopierten seinen kargen Strich gewissenhaft, manche gleich gewissenlos: Ich denke dabei vor allem an den berühmten Titel des Magazin "The New Yorker".

New York von Steinberg
Den kenne ich in werweißwievielen Varianten schwächerer Zeichner kenne, mal als "The Hamburger" (ca. 1989 gab's den beim Hamburger Abendblatt, 2012 dann bei der Morgenpost) mal auch als Amsterdamer Weltsicht... – wahrscheinlich gibt es sogar ein Motiv "The Bielefelder."

Amsterdam nach Steinberg
Und jetzt hat's eben die Süddeutsche Zeitung getan. Ich mag das nicht. Ich mag vor allem nicht, dass der Name Saul Steinberg dabei nicht genannt wird. Ein schlichtes "Inspiriert durch" hätte es doch getan. Aber nein. Nichts.

Karton von Steinberg

Deshalb hier gleich zwei Appelle:
  • Ich wünsche mir, dass Saul Steinberg im Original wiederveröffentlicht wird. In Ausstellungen, Büchern und überhaupt. Und zwar alles von ihm.
  • Ich wünsche mir, dass die Plagiatoren in einen eigenen Karton gehen, den hinter sich zumachen und ihn sorgfältig mit Packband von innen abdichten. Ich kann diesen Me-Too-Müll nicht mehr sehen. Bzw. ich kann schon, aber ich will nicht.

Danke. Das war's auch schon.

*Monsieur Bloch ist offenbar ein guter und erfolgreicher Illustrator, aber egal.

Üble gestalten – Kritik des zeitgenössischen Kriminalromans


(Ich fang mal ganz früh an, bzw. ganz früher, zu Zeiten, als Musik noch nicht über iTunes, sonder übers Cover des Tonträgers verkauft wurde. Dieses Früher meine ich. Da fang ich mal an. Los also.)

Früher war es einigermaßen einfach, Musik zu kaufen. Das ging so:
  • Frakturschrift auf dem Titel = Heavy Metal,
  • Monster und Frakturschrift = Ganz Heavy Metal mit  schrecklichen Soli,
  • Surrealismus = Poprock für junge Intellektuelle (Pink Floyd, Yes, Asia, Supertramp)
  • Geklebte Schriften, grelle Farben, zickzackige Typo: Punk, später New Wave
  • Schwarzweißfoto = Jazz
  • und so weiter. 
Aber nach und nach wurde es komplizierter. Die Punkgruppe the Clash zitierte mit "London Calling"plötzlich ein Elvis-Cover, in einem neonrosa Karton mit zickzackigen und schwarzweiß illustrierten Musikern steckte eine Rockabilly-Platte, ein Mädchen im Dirndl hieß Fräulen Menke und machte NeueDeutscheWelle – auf das Musikkaufen nach Optik war kein Verlass mehr.  
War ja auch fast egal.  Ein CD-Cover ist ja auch viel kleiner als der noch bis Mitte der Achtziger allgegenwärtige Pappschuber der LPs, die immerhin 30 cm Durchmesser hatten.
Da lohnt ja das Gestalten kaum.

Und heute? MP3 Dateien. Nichts zu sehen. Nicht der kleinste Hinweis, was sich hinter dem Icon verbergen könnte. Groß ist die Verwirrung und orientierungslos kopiere ich meine alten CDs auf den Rechner, weil ich mir dann beim Hören das Cover wenigstens noch vorstellen kann.

(So. Das war die Einleitung. Jetzt komme ich zum eigentlichen Thema.)

Mir scheint es nämlich so, als sei nur in einem einzigen Bereich des großen bunten Marktes der Unterhaltungsmedien noch eine gewisse Orientierung nach Optik möglich.
Ich meine Bücher.
Genauer: Krimis.
Und da vor allem Skandinavienserienmörderkrimis und flankierende bzw. sich daran orientierende.

Die gehen nämlich so:

Als erstens brauchen wir einen Hintergrund: Weiß ist okay. Muss aber irgendwie auch grau aussehen, ein bisschen schmuddelzwielichtig.  Wolkenhimmel ginge auch. Hell halt. Und ein bisschen dreckig.So was: 


Irgendwas gegenständliches muss noch drauf. Darf gern mit zum Titel passen, muss aber nicht. Skalpell ist zu oft gewesen, Axt oder Revolver auch. (Wenn gar nichts geht, geht auch das.) Ich nehm einfach mal ‘ne unordentliche Kinderzeichnung. Das wirkt, auch emotional, meine ich. 


So. Jetzt noch den Titel drauf.
Dafür greifen Verlage gern zu einer schick angefressenen Schrift. Gerne rot.
 

Ach ja, fast vergessen:  Autor, Genre (sicherheitshalber) und Verlagslogo müssen ja noch.


Fertig?
 
Fast.
Denn den Titel prägen wir jetzt noch. Und vielleicht ist auch noch Geld für Drucklack da. Da wirkt das Ganze höherwertig.


Supertitel. Und ich weiß sofort, welches Buch ich nicht kaufen möchte.

Andererseits (– und damit komme ich zum eigentlichen Auslöser dieser Gedanken – )
hat die Autorin Zoë Beck mit „Brixton Hill“ einen tollen Krimi jenseits der momentan angesagten Moden geschrieben, den ich wohl nicht gelesen hätte, wäre ich nach dem Buchtitel gegangen.


Denn der ist so was von modisch. Außer vielleicht dem Grün.
Und ich hätte unter Umständen gar vermutet, dass Brixton Hill der Autor des Thrillers "Zoë Beck" ist, eines Buches, in dem die Nichte von Kommissar Beck... geschenkt.

Fazit: Nicht mal auf Krimititelseiten kann man sich mehr verlassen.

 


Werbemuseum: Über 50 Jahre dabei

In einer Handvoll alter Zeitschriften, die zu und nach den olympischen Spielen 1956 und 1960 berichten, fand ich viele Anzeigen von Marklen, die es heute noch – in der einen oder anderen Form gibt.
Willkommen also zur Zeitreise:














Ich sah auch viele Produkte und Marken, die es eben nicht mehr gibt – aber das ist ein anderer Post.

Die doofen Seiten des Internets

Ich arbeite gerade im Auftrag eines Kunden an einer Namensfindung, und da muss ich natürlich alle möglichen und unmöglichen Buchstabenkombinationen auch mal in den Browser schreiben und gucken, was sich dahinter so verbirgt.

Dabei habe ich auch die Firma Strux entdeckt, die mir sehr viel Spaß macht:
Erstens gibt es sie seit 35 Jahren oder 35 Minuten oder 35 Metern, weiß auch nicht.


Da will ich natürlich gleich mehr wissen und die Firma informiert mich netterweise schon auf der Sartseite, ich zitiere: 
In brief, you should know the following about us: our company was established in [insert year] and had been responsible for providing outstanding [insert service, products] ever since. Our specialty is in the area [insert information or delete sentence]. Our regular customers particularly value [insert information delete sentence]. Our business is located at [insert address].
Ehrlich, selten habe ich eine so nach allen Seiten offene Leistungsbeschreibung gelesen.
Und dem entsprechend so sind dann auch die Produkte von Strux.


Es gibt gleich drei, und damit ich nicht durcheinander komme, sind sie durchnummeriert. Also alles in Ordnung. Oder, Bob?

Zumindest weiß ich jetzt, warum ich bei manchen Websites das fiese Gefühl habe, die Texte wären nur aus übelsten Bausteinen mithilfe irgendeiner Selbstmachsoftware zusammengehauen. Weil's nämlich genau so ist. Discountercontent statt des aktuell so gern geforderten Storytellings. Immerhin hab ich noch ne Geschichte erzählt. Wenn auch keine schöne.

(...unauffällig in die hohle Hand kotzend ab, während der Vorhang rauschend herabsinkt...)

Book goes Facebook, Gutenberg goes Guttenberg.

Heute früh mach ich meinen Facebook-Account auf und finde unter den Statusmeldungen meiner Freunde diese Zeichnung samt druntergestelltem Einstein-Zitat:


Komisch, denke ich, ist das nicht von Hans Traxler.
Aber, so denke ich immer noch, zeichnet der nicht viel besser?
Stimmt, denke ich dann nach genauerem Hinsehen: das ist und das ist nicht von Traxler.

Der Aufbau der Zeichnung – Vogel, Affe, Pinguin, Elefant etc. vor Baum: Traxler.
Der Inhalt der Zeichnung: Auch Traxler.
Der Zeichner: Nicht Traxler, sondern augenscheinlich ein eher minderbegabter Tiereniedlichmacher mit Grundkenntnissen von Perspektive und menschlicher Anatomie, also einer, der vielleicht besser Bäume erklettern sollte.

Hier zum Vergleich die Originalzeichnung nebst Original-Bildunterschrift*:

Im Sinne einer gerechten Auslese
lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich:
Klettern Sie auf den Baum.

Ich habe mein Unbehagen, nicht ganz so scharf formuliert wie hier, auch zu dem betreffenden Facebook-Post angemerkt und wurde dann in etwa gefragt, ob ich denn die hinter Zeichnung und Zitat stehende Aussage wahrgenoommen hätte.
Doch, dachte ich, in sowas bin ich auf jeden Fall besser als im Aufbäumesteigen.

Das Ganze kitzelte meinen Widerspruchsgeist.
Und siehe da, ich fand im Netz eine ganze Reihe Belege, dass – passend zur kopierten Zeichnung – das Zitat von Einstein wohl auch nicht von Einstein ist. 
Da musste ich dann sehr lachen.

Zugegeben: Auch ich habe schon diverse Male Sachen im Brustton der Überzeugung nachgeplappert habe, in der Annahme, dass sie doch von dieser oder jener ausweislichen Autorität so und kein Jota anders gesagt worden wären. Immerhin war's mir bisher noch jedes Mal peinlich, wenn mein Irrtum sich als einer herausstellte. Deshalb war ich auch amüsiert, dass das Einstein-Zitat keines ist.

Weniger amüsant fand und finde ich die Lässigkeit, mit der ein Zeichner einen anderen komplett abkupfert und, der Einfachheit halber, Bild- und Textaufbau 1 zu 1 (natürlich ohne Quellenangabe) übernimmt. Ich finde, der Einzige, der diese Traxler-Zeichnung kopieren darf, ist Traxler – der im Übrigen viele seiner Sachen tatsächlich mehrfach neu gezeichnet hat, weil ihm ältere Versionen nicht mehr genügten.
Thema mit Variationen, wieder Traxler.

Und tatsächlich durfte dieses Motiv schon für jede Menge Themen herhalten, von der Chancengleichheit in der Schule bis zum AssessmentCenter-Unwesen, es würde mich nicht wundern, wenn sie auch schon genutzt wurde, um z.B. Casting-Shows zu kommentieren. (Es gibt zu dieser Vielfachverwendung einen längeren Text von Traxler selbst.)

Bin ich sehr altmodisch, wenn ich für mehr Sorgfalt und Skrupel beim Zitieren plädiere? Oder soll ich mich daran gewöhnen und akzeptieren, dass im Netz alles egalweg alle kopiert und ausgeschlachtet wird?

Dann wäre wohl - nach der Erfindung des Buchdrucks - genau dieses widerwärtige Unwesen charakteristisch für die nächste große Umwälzung der Kommunikation.

Und also erhebe ich hiermit nochmals die steile These:
Book goes Facebook!
Gutenberg goes Guttenberg!


*Der guten Ordnung halber: Die obere Traxler-Zeichnung wurde entnommen aus dem sehr lesenswerten Buch "Die schärfsten Kritiker der Elche" erschienen im Jahr 2001 im Alexander Fest Verlag. Die untere kommtaus dem Netz

Kleiner Spaß mit großer Marke

Zu jeglichem besonderen Jahrestag, sei es der Geburtstag von Charles Dickens, die Erfindung der Heftzwecke oder die Entdeckung der Holzdommel, schenkt Google den Suchenden eine besonders, eigens illustrierte Variante seines Logos. Das guckt man meist gern.

Ausgerechnet zu seinem eigenen (übrigens dem vierzehnten) Geburtstag hat der Konzern, sagenwermal, Mist gebaut.

Wenn man nämlich auf die kleine zu diesem Anlass abgebildete Torte klickt, ist sie sogleich von einem bunten Schriftzug bedeckt, der mit etwas gutem Willen als "Google" erkennbar ist.
 
Mit etwas bösem eher nicht so.


Das kommt dabei raus. Mein alter Zeichendozent, Lothar Walter, hätte bei dieser Gelegenheit auf die negativen Räume verwiesen, auf die man als Gestalter besser immer achten soll.

Perspektiven der Werbegestaltung (Ein Klagelied)

(1. Strophe:) In meinem Bücherregel habe ich einen vor ca. 50 Jahren von Hand gebundenen Leinenband, in dem der damalige Besitzer Hilfen und Handreichungen aus der Fachzeitschrift "Der Polypgraph" versammelt hatte. Dieses zweiziegelschwere Buch bündelt jede Menge guter Gestaltung, die sich zwar selten durch kreative Ideen auszeichnet, aber fast immer durch perfekten Einsatz von Typografie, Illustration und Farbe. Selbst traurige Aufgaben wie Todeanzeigen sind erfrischend und erfreulich klar und sauber gelöst.
Und zwar von Menschen, deren Beruf inzwischen ebenso gestorben ist wie sie selbst, nämlich Schriftsetzern. Im Museum der Arbeit in Hamburg kann man letzten Überlebenden (und einigen Wiederbelebenden) an Montagabenden dabei zusehen, wie sie mit Bleilettern und an alten Maschinen immer noch Beachtliches gestalten.
Wie gesagt, es gibt keine Schriftsetzer mehr.
(Refrain:) Das erledigen heute Mediengestalter am Monitor.

(2. Strophe) Während meines Studiums, vor über 30 Jahren, durfte ich an einer Betriebsbesichtigung der Albert Bauer KG teilnehmen. Besonders beeindruckt war ich von einem ältren Herrn, der vor dem großen Foto einer Frau im Bikini saß, die sich am Rande eines Swimmingpools rekelte.
Er malte ihr mit einem hauchdünnen Pinsel die Hüften schmaler, denn schließlich sollte sie für Coca-Cola Light werben. Dieser Mann war eine Aufsichtsvorlagenhersteller, in diesem Fall eine Positivretuscheur.
Die gibt es auch nicht mehr.
(Refrain:) Ihre Aufgaben erledigen heute Mediengestalter am Monitor.

(3. Strophe:) In der ersten Agentur, die mich beschäftigte, lernte ich, unter anderem, dass es eine ganze Horde von Zulieferanten – Betrieben oder Einzelpersonen – gab, die z.B. das Layout einer Anzeige dem angestrebten Eindruck möglichst nahe brachten. Da war ein Mann, der in Schwarzaufweiß belichtete Zeilen auf Fotopapier entgegennahm – die übrigens aus einer Fotosetzerei kamen – und sie so weiterverarbeitet, dass wir sie in der gewünschten Farbe durch Rubbeln auf die Fotoabzüge platzierten, die den Hintergrund der Anzeige bildeten. Bei Philips Trockenrasierern war dieser Hintergrund z.B. eine Art Weltraum mit Neongitterlinien, (inspiriert wohl durch den Film "Tron",) der uns von einem Airbrush-Illustrator geliefert worden war.
Die Fotosetzerei ist pleite, der Rubbelbuchstabenmann macht keine Rubbelbuchstaben mehr (– er steht nicht mal bei Wikipedia –) und wenn ich einen Weltraumfond haben will – dann...
(Refrain:)
...erledigt das alles ein Mediengestalter am Monitor.

(Finale:)
Ja, die Vertreter dieses Berufes haben viel zu tun. Bedenkt man, dass sie auch noch schlecht bezahlt werden, müssen sie also richtig viel (und alles auf einmal) arbeiten, um überhaupt über die Runden zu kommen.
Da kann man schließlich nicht auf alles achten. Zum Beispiel auch nicht darauf, ob drei Kaffekannen auf einem montierten Bild wenigstens vom gleichen Kamerastandpunkt aus fotografiert wurden.
Zeitgenössische Warenpräsentation, ca. 2011

Wurden sie nämlich nicht.
Bei der hinteren Kanne stand die Kamera etwa auf Tischhöhe, bei der mittleren etwa auf Höhe der Kannenoberkante, und bei der vorderen Kanne gucken wir von oben drauf. Weshalb es so aussieht, als wären die Kannen, von hinten nach vorn, immer weiter dem Betrachter entgegengekippt.
So gesehen ( – wenn man's sieht – ) gibt es kein Grafik_Design mehr.
(Refrain:) Das haben an Ihren Monitoren die Mediengestalter erledigt

(Rezitativ:) Liebe Mediengestalter! Ich weiß ja, Ihr könnt nichts dafür. Ihr seid nur Opfer und Ergebnis der Verhältnisse... also nicht böse sein, Mediengestalter... ...nur vielleicht ein-, zweimal mehr vom Monitor hoch und zur Wirklichkeit hingucken.

...das wäre lieb von euch...



...um der alten Zeiten willen...


...oder auch nur so...

(Schmelzendes Geigensolo und melncholisch tröpfelndes Klavier, langsam ausblenden.)


Kreativwettbewerbe

Ich find's merkwürdig: Die Kreativen der kreativen Agenturen der ganzen kreativen Welt treffen sich alljährlich, monatlich, wöchentlich und allüberall, zeigen sich dann gegenseitig ihre Arbeiten und am Schluss kriegt wer einen Nagel oder einen Löwen oder anderes Zeug.

Vorher haben einige der Kreativen sich sogar noch Sachen ausgedacht, die nur dazu da sind, damit einen Nagel oder einen Löwen oder eine lockere Schraube zu gewinnen. Weil die Arbeiten aber nun mal veröffentlicht sein müssen, um bei dem Wettbewerb teilzunehmen, werden solche, eigens im Frankensteinlabor gezüchteten, Gold-Ideen als Anzeige im Mitteilungsblatt der Möllner Fleischerinnung geschaltet. Fertig.

Bzw. fast fertig. Denn aufwändigere, erklärungsbedürftigere Ideen müssen oft auch noch in einer kurzen filmischen Zusammenfassung, nun ja, zusammengefasst werden. Das kostet. Dann wird eine ordentliche Teilnahmegebühr fällig – und so wird mit viel Mühe Wind um Ecken geschaufelt.

Das ist in etwa so, als würden sich Playmates  – die sich extra dafür haben ganz doll operieren und optimieren lassen – gegenseitig ihre Centerfolds zeigen und die schönsten Möpse gewinnen.

Oder, wem der Vergleich zu frauenfeindlich erscheint: etwa so wie beim Schwanzvergleich pubertierender Internatszöglinge.

Gemeinsam ist diesen Wettbewerben auf jeden Fall, dass die Zielgruppe in diesem Fall völlig außen vor bleibt. Was ausgerechnet den Werbung treibenden und erdenkenden seit je vorgeworfen wird.

Ach was.
Wahrscheinlich bin ich bloß neidisch. 




Apple’s iDea?


Die Smartphonetablett-Hersteller decken sich seit Monaten gegenseitig mit Prozessen ein, in deren Klageschrift der eine immer dem anderen das Kopieren von Technik- und Design-Details vorwirft. Apple z.B. ist total stolz auf sein unglaublich eigenständiges iPad-Design und findet, niemand dürfte das nachahmen.

Vorsicht, ihr Genies. Die abgebildete Schiefertafel (rechts) ist einige Jahrzehnte älter als das iPad (links). Sogar älter als die Designs von Dieter Rams.
Also stellt euch nicht hin und behauptet etwa, das wäre ein Analog-iPad.

Vergelt's Gott. Na hoffentlich...

Es braucht schon viel Glaube Liebe Hoffnung, um der Organisation "Bible to All europe" (Original-Schreibweise) auf ihrem Weg zu folgen, junge Menschen für das Wort Gottes zu begeistern. Weniger wegen des Wortes, als vielmehr wegen der Bilder.

Das Heftchen "Mein bester Freund" jedenfalls" erzählt die Geschichte Jesu von Anfang bis Ende mit so zum Steinerweichen füchterlichen Zeichnungen... – ach, sehen Sie selbst:

Vermutlich sehen wir hier den Zöllner Zachäus,der allerdings
gleich runterfallen wird,weil Jesus nämlich
einem Vöglein befohlen hat, nicht zu säen,
nicht zu ernten, sondern den Stamm
des Fluchtbaums durchzuhacken.
Und des freut sich das Blümelein.


Na, wenn das fuchtelnd geflügelte Männlein
nicht ein schielend Englein ist, der Jungfrau Maria verkündend, dass sie
zwar Jungfrau bleiben, doch auch Mutter werden soll!

Ein leeres Zettelchen, zwei Hände und ein paar Füße wurden hier mit Nägeln
an einem Holzgerüst befestigt, und weil es darob beinah umgefallen wäre,
kam ein extradicker Nagel ins Erdreich, das Kreuz zu stabilisieren.


Ich habe mich schon dermaßen oft über lieblos und/oder hilflos gezeichneten Dreck – speziell für die "Zielgruppe" Kinder – echauffiert, mir fällt allmählich nichts mehr dazu ein.

Nur so viel vielleicht: Das bei Moslems praktizierte (und streng verfolgte) Verbot, Gott im Bild darzustellen, scheint mir – unter Ansehen dieser Zeichnungen – eine gute und durchaus nachahmenswerte Idee.



Fast wie früher, bloß ohne Schwindelgefühl

In der Ausbildung zum Graphic Designer hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit den damals hochmodernen Magic Markern, die vor allem beim Erstellen von Layout-Illustrationen benutzt wurden.
Zuerst fertigte man meist eine Strichzeichnung in Schwarzweiß, und die wurde mit diesen Filzern coloriert, die aus einem Glasfläschchen mit abschraubbarem Deckel bestanden, auf dem wiederum ein verschließbares Blechröhrchen von ca. 6mm Durchmesser steckte. Aus dem Röhrchen ragte ein schräg abgeschnittener Filzballen, der wiederum die Farbe trug.

Die Ausgangszeichnung,
entstanden während eines Fernsehabends
mit Familie und James Bond.

Diese Farbe war nicht wasserlöslich, anscheinend genügte nicht einmal ein simpler Alkohol, es muss etwas ganz besonders gewesen sein  – aus den Glasfläschchen entwich nämlich während des Zeichnen ein derart schwindelerregender Gestank, das ich sicher bin, die Dinger erzeugten früher oder später Gehirnkrebs, Krätze und Lungenschwund.
Nichtsdestotrotz waren sie zu ihrer Zeit (vor den Computern) das ideale Werkzeug, um schnell und doch eindrucksvoll eine Bildanmutung für Anzeigen, Plakete oder auch Filmstoryboards zu schaffen.
Vor allem, wenn man das professionell machte.

Ein Ausschnitt aus dieser Zeichnung,
per Photoshop in der Auflösung verbessert,
damit das Colorieren nicht so grob wird.

Holm von Czettritz beispielsweise, ein sehr hochgewachsener, soignierter Herr im großgemusterten Glencheck, lebte lange Jahre davon, für Werbegenturen solche Illustrationen zu fertigen – schon damals gab es dort reichlich Grafiker, die nicht zeichnen konnten und manchmal professionelle Hilfe brauchten.
Inzwischen ist er ein alter Herr – ich telefonierte mit ihm und er sagte, er für sein Teil bedaure sehr, dass es die oben beschrieben Magic Marker nicht mehr gebe. (Hier gibt's mehr zu ihm – ein sehr interessanter Mann.)


Nachfolger und Tod der Magic Marker waren die Copic Marker. Anders als ihre Vorgänger waren (und sind) sie relativ einfach und sauber nachzufüllen, bieten je Stift zwei Pinselstärken und stinken eben auch nicht so sehr – ganz ähnlich wie ihre Vorläufer sind sie sauteuer.

Doch, ich glaube, damit kann man was anfangen,
wenn man mal ganz schnell ein schickes Storyboard braucht.
(Aber braucht das eigentlich noch wer?)

Von den Copic Markern gibt es allerdings auch eine App-Version für Apple-Rechner, mit der ich Filzstift-Colorierungen am Zeichentablett anfertigen kann. Das hat mich gefreut – ich glaube, mit diesen virtuellen Filzmalern werde ich noch viel Spaß haben.

Sieht doch gut aus, oder?

(Bei den Abbildungen in diesem Post jedenfalls diente eine eingescannte DIN-A4-Zeichnung aus meinem Skizzenbuch als Basis für die Colorierung mit den elektronischen CopicMarkern. )