Neue Wörter (Folge 61)

Ein mir persönlich bekanner Gymnasialachtklässler – zu meiner Zeit hieß so was Quartaner – war im Fach PGW* – zu meiner Zeit hieß so was bestenfalls Geschichte – aufgefordert, ein Flugblatt zu irgendwelchen Bauernaufständen zu verfassen. Er schrieb einen Text mit dem Patronenfüller und eine Mitschülerin tippte diesen Text am Computer ab. Dabei muss es ein paar kleine Übertragungsfehler gegeben habe, in deren Verlauf aus der Salz-Steuer schon mal die Salzstreuer wurden.
Aber lesen Sie selbst:


Wenn ich auch nicht weiß, wie man eine Demokration zu meiner Zeit genannt hat.


Reden ist Silber, wirres Reden ist Frida Gold.

Vorweg gestehe ich, ich habe wenig Ahnung von der momentan angesagten Musik für junge Leute. Bei dem, was so im Formatradio raufundruntergedudelt wird, ist das meiste Englisch, und da achte ich vernünftigerweise selten auf den Text. Die deutsch singenden Musiklieferanten schrauben sich da schon unbarmherziger in meinen Kopf, schiefe Metaphern, wie sie bevorzugt von Xavier Naidoo und seinen Mannheimer Söhnen zusammengedrechselt werden, foltern mich ganz direkt, und selbst die bemühteste Soulmusik kann mich dann nicht überzeugen.

Am schlimmsten daran ist, dass diese Leute in Talkshows eingeladen werden und dann auch noch reden, dass sie etwa aufgefordert werden, ihre Gedanken (oder das, was sie dafür halten) gar noch in kleinen Artikeln zu Papier zu bringen.

Beispielsweise Frida Gold. Inzwischen weiß ich, dass die dekorative "Frontfrau und Songwriterin" dieser Band ganz anders heißt: In "Magic Moments", dem weihnachtlichen Werbemagazin der "GZ Goldschmiedezeitung" bekam Alina Süggeler Gelegenheit (und bestimmt auch Geld dafür), einen "Essay" mit dem Titel "Go für Gold!" zu veröffentlichen.

Hier einige Auszüge:
"Wenn wir ein Schmuckstück geschenkt bekommen und der Schenkende unser Partner in crime ist, wollen wir über die Auswahl des Stückes unser Inneres gespiegelt bekommen, wir wollen erkannt werden – in Gold, Silber oder Edelstahl, in Perlen, Rubinen oder Diamanten. Wir wollen, dass das Schmuckstück zum verlängerten Ich wird." 
Doch. Da ist tatsächlich die Rede von einem "verlängerten Ich". Und ich erkenne unter wahrscheinlich goldenem Haar einen veritablen Holzkopf. Doch weiter:
"Das gute Stück darf mich nicht nur schmücken, es soll mich ausdrücken." 
Also etwa wie eine 18-Karat-Pinzette einen Pickel, oder wie?
Wenn keiner was dagegen hat, kürze ich hier ein wenig und steige ein paar Zeilen weiter wieder ein, wo Alina von uns (uns?) spricht und sagt, wir (also ich jedenfalls nicht) hätten irgendeine...
"...Thematik aus den Angeln gehoben, was das Rollenmodell angeht. Es ist so ungeklärt und alle Beteiligten sind ängstlich und verwirrt."
Wer kennt das nicht, diese Angst und Verwirrung, die ich mal im Begriff Hirnschwurbel zusammenfasse:
"Was also, wenn ein Schmuckstück nicht mehr nur von seinem Wert drauf schließen lassen will, wie viel man seinem Gegenüber wert ist, sondern auch noch zu erkennen geben muss, wie spezifisch und aufmerksam mich mein Gegenüber wahrnimmt? Was ist, wenn eineSchmuckstück zum Überbringer der Nachricht wird, wie tiefgründig meine Beziehung ist?"
Tja, was dann? Dann ist dieses betreffende Schmuckstück total überfordert und braucht dringend eine Therapie. Andererseits gibt die Schöne nun zu:
"Ganz klar: Wir bewerten über."
Und erklärt nüchtern:
"Dies wie so oft in den jetzigen Tagen. Mit erhöhtem Anspruch ans Resultat braucht es besser ausgearbeitete Arbeitswege."
Und so weiter. Ich mag nicht mehr. Mir wird schlecht.
Wer noch kann und mag, soll's hier weiterlesen. Ich selbst werde stattdessen den tiefgründigen Text lesen, mit dem Frida Gold in diesem Jahr einen Riesenhit landete. Den kann ich mir einfach besser merken – obwohl: ich möchte lieber nicht.)

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Ich hoffe, mein Essay hat Ihnen, liebe Leser, gefallen, und er tut genau das, was Alina Süggeler als Abschluss ihres Aufsatzes so schön formuliert hat:
"Auch wenn er nicht ins Schwarze trifft, so trifft er doch ins Goldene..."

   

Nichtmehrganzjungfilmer

Wollnmalsosahgn: ich versteh ja nich, was die da bei DESY machen 
und wofür die all die Rechner und Server brauchen, 
aber gut aussehen tut das. 
Und das's doch die Haupsache fürn Designer.

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Was mich am allermeisten begeisterte: die matrix-mäßig gespenstisch vor sich hin ruckelnde Maschine ist im Grunde genommen nur ein Regalaufräumerautomat für Datensammlungen. Also eine Art elektronischer Bibliothekarsassistent.

(Mannmannmann, was für viele lange Zusammensetzhauptwörter!)

Raus aus dem Gedächtnis!

Was in den Medien allmählich schon wieder (und wie üblich) abebbt in das Grundrauschen der gerade nicht aktuellen Katastrophenmeldungen, hat mich in den letzten Tagen immer mal wieder beschäftigt: Als die Berichterstattung über den Taifun auf den Philippinen noch angemessen sensationell war, sah ich nämlich ein Foto, das mich (bzw. ich) nicht losließ. Zu sehen war ein Schiff, wohl eine Jacht, jedenfalls ein weißer Bootsrumpf, den der Taifun in die Stadt Tacloban geworfen hatte, wo er nun in einem Meer von kleinstteiligen, nicht zu identifizierenden Trümmern zu schwimmen schien. Und ich musste mir vorstellen, woher die Trümmer stammten – von Kühlschränken, Küchenstühlen, Blumenvasen, Kindern,  Hausdächern, Kloschüsseln – meine Fantasie reichte gerade so weit, mir Stücke meines, unseres hiesigen Alltags vorzustellen. (Was weiß ich denn von den Philippinen?)
Das war auch mehr als genug, um meinen Kopf so weit zu füllen, dass ich dieses Bild auch wieder rausbekommen wollte. Da hab ich es dann drei Abende lang gezeichnet.

Tacloban (Aus dem Gedächtnis, nach einem Foto) 

Das Ergebnis ist ein widerwärtiges Suchbild. Wer will, kann die Möbel suchen und zählen, oder die Reifen oder die Toten. Wer nicht mag, stellt die Augen unscharf. Die nächste Meldung kommt bestimmt.

Kostenlos: Der Feinschmecker-Kolumnen-Konfigurator

Nach dem unerwartet großen Erfolg meines Krimi-Klappentext-Konfigurators
hier ein weiterer nützlicher Service aus meiner Textwerkstatt, dem wohlwollenden Leser zur freien Verwendung überlassen...

(Hier beliebiges Foto einsetzen)


Liebe Genießer/Gourmets/Leser.

Freunde des guten Geschmacks blicken voller Vorfreude
auf ihren Kalender, in dem sie schon Anfang des Jahres
diese besondere Zeit angekreuzt haben: Es ist
Mai/September/Herbst/neblig draußen/Altweibersommer/morgens früher hell,
die Spargel-/Trüffel-/Hirsch-/Beaujolais-/Muschel-/Bärlauch-Saison
rückt näher, und damit die Gelegenheit,
Freunde/Familie/Geschäftspartner/die süße Nachbarin
mit ganz besonderen Spezialitäten 
zu verwöhnen/erstaunen/überraschen/faszinieren,
die eben nur zu dieser Zeit in solcher
Frische/Delikatesse/Fülle/Auswahl/Reichhaltigkeit
zu haben sind. Der Kenner weiß natürlich, dass nur
Monate ohne "R" / Biobauern / wohl temperierte Keller / Straßenränder
die wahrhaft besten dieser Spezereien liefern,
und er weiß auch, sie von ähnlichen, aber
hochgiftigen/minderwertigen/leicht angefaulten/scheinbar günstigen
Angeboten entschieden zu scheiden. Für Sie also, die wahren
Feinschmecker/Genießer/widerwärtigen Angeber/Poggenpohldesignküchenbesitzer
haben wir den Starkoch/Sternekoch/Fernsehkoch/Küchenanarchisten
Tim Mälzer/Tim Mälzer/Tim Mälzer/Tim Mälzer
eingeladen, Ihnen ab Seite (Seitenzahl einsetzen) seine Rezepte vorzustellen,
die ebenso überraschend/ungewöhnlich/kreativ
wie einfach/raffiniert/farbenfroh/leicht sind
und wahre Gaumen- / Magen- / Augen- / Leber- Schmeichler.
Wir von der Redaktion wünschen Ihnen schon jetzt
Guten Appetit / Waidmannsheil / viel Erfolg.

Ihr (faksimilierte/unleserliche Unterschrift des Chefredakteurs)


     

Die Moritat von Mackie Messer

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.


An der Themse grünem Wasser
Fallen plötzlich Leute um
Es ist weder Pest noch Cholera
Doch es heisst: Mackheath geht um.

An'nem schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.

Und Schmul Meier bleibt verschwunden
Und so mancher reiche Mann
Und sein Geld hat Mackie Messer
Dem man nichts beweisen kann.

Und die einen sind im Dunkeln
Und die andren sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte,
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Die Zeichnungen habe ich für eine Revue
über das Berlin der 20er Jahre
mit der App Adobe Ideas am iPad gezeichnet.

Zweitausendeins heulende Höllenhunde!

Zweitausendeins.

Ich hab den Film erst spät gesehen, den dazugehörigen Versand relativ früh.
Um 1974 fing ich nämlich an, die Zeitschrift Pardon zu lesen, eine – soviel für meine jüngeren Leser – Satirezeitschrift, in der so ziemlich sämtliche Vertreter eines Humors veröffentlichten, der später unter "Neue Frankfurter Schule" lief und in der Titanic seine Fortsetzung fand. Und in dieser Zeitschrift gab es (außer der Werbung für Drehtabake) merkwürdig wimmelig zugetextete Anzeigen eines Buchversands, die ich richtig gern las. Die waren nämlich richtig gut geschrieben, besser als der Großteil der damaligen Reklame, besser auch als das meiste, was heute so weggeworben wird.
(Ich will mich nicht so weit versteigen, dass diese Texte mich dazu bewegt hätten, evtl. Werbetexter werden zu wollen, aber zumindest begriff ich, dass auch solche Texte Freude machen können.)

Irgendwann las ich nicht nur, ich bestellte auch: Das Rolling-Stones-Songbook beispielsweise, das von Zappa, Gedichte von Bukowski, La femme 100 têtes von Max Ernst (hab ich heute noch) und natürlich auch die Trilogie von Henscheid, die Gedichte von Gernhardt, WimS (hab ich auch alles noch), die Crumb-Skizzenbücher (hab ich) und so weiter und so weiter.
Und weil ich inzwischen in Hamburg wohnte, war ich auch regelmäßig im inzwischen eröffneten 2001-Laden im Univiertel und drängelte mich zu Gorey-Remittenden oder merkwürdigen amerikanischen Weltmusik-Samplern durch.

Irgendwann um 1994/1995 lernte ich den Chef kennen. Lutz Reinecke (geb. Kroth) war zu Besuch bei einem Freund, um mit ihm die Neuauflage seines Buches "Von Hanf ist die Rede" zu besprechen. Hans-Georg Behr hatte dieses Buch Jahre zuvor im Schweizer Sphinx-Verlag veröffentlicht und sich später sehr darüber geärgert, dass Matthias Bröckers und Jack Herer (zwei auch irgendwie von Hanf Begeisterte) sich für ihr bei 2001 erschienenes Buch "Hanf" offenbar in Teilen stark durch Hans-Georgs Buch hatten inspirieren lassen. Nach der ersten Aufregung darüber hatte er dann einen Brief an Kroth geschrieben und vorgeschlagen, sozusagen als Entschädigung den lange vergriffenen Band* neu und aktualisiert aufzulegen.
Merkheft #134, März/April 1995
Das hatte insofern Folgen für mich, als Hans-Georg mich bat, den betreffenden Anzeigentext im 2001-Katalog zu schreiben. (Hey! Zurück zu den Wurzeln.) Dieser Text machte offenbar nicht nur mir Spaß, denn danach durfte ich ein zwei Merkhefte lang auch weitere Bücher des Versandhauses bewerben – bis sowohl Kroth als auch ich die Lust verloren. Denn meist sollten diese Texte nur aus einer irgendwie lustigen Überschrift bestehen und darunter aus zusammengestoppelten Zitaten manchmal sehr obskurer Rezensionen. Und die beworbenen Bücher-Remittenden waren in der Mehrheit schlicht fad und nicht ohne Grund Remittenden. Also haben wir's dann wieder gelassen.

Titeillustration Alfred Hrdlicka
Ein paar Jahre später hab ich dann immerhin noch ein Buch von Hans-Georg layouten dürfen.  "Winifred und Wolf" verkaufte sich überhaupt nicht: Wer* will schon ein aus Originalzitaten von Hitler, Wagner und Winifred Wagner montiertes Theaterstück lesen? (Ein im übrigen sehr schönes Theaterstück, das ich nach wie vor gern auf einer Bühne sähe.)

Danach hatte ich nicht mehr viel für und nur noch wenig mit 2001 zu tun. In diesem August schenkte mir meine Frau die gesammelten Kurzgeschichten von Philip K. Dick. Vor einigen Wochen war ich im Laden an den Colonnaden. Außer mir war noch eine ältere Dame dort, und zwei Verkäufer. Und die Auslage interessierte mich auch kaum. Bleibt zum Ende also nur eine fader Fluch als Überschrift und ein müdes Amüsement, dass ausgerechnet Matthias Bröckers die Verlagsgeschichte in ein Buch (erschienen natürlich wo?) versammelt hat. 

Zweitausenddreizehn.




*Beide Titel sind noch antiquarisch erhältlich,
zu Spottpreisen z.B. bei booklooker

Warum ich mich nicht über die Zeitumstellung aufregen mag.

Zwei Tage nach der Umstellung von Sommer auf Normalzeit wurde ich um fünf Uhr früh wach – also, wie es zur Zeit so gern heißt: gefühlt um sechs. Und wie ich so da lag und nicht wieder einschlafen konnte, fragte ich mich, was sich wohl jede Menge Menschen um diese Tageszeit zu dieser Jahreszeit fragen: Wie konnte es vor über 30 Jahren zur Einführung der Sommerzeit kommen?
Ich stelle mir das so vor:
Ein Sitzungsraum in Bonn, irgendwann im Spätherbst 1973, das Bundeskabinett ist versammelt, es riecht penetrant nach Metholzigaretten.
Bundeskanzler Willy Brandt hustet, dann:
"Also meine Herren, die Ölkrise ist da. Und bleibt da. Was machen wir?"
Innenminister Genscher, trocken kichernd: "Wir könnten doch noch mal ein paar autofreie Sonntage machen. Da hatten die Leute doch sogar Spaß dran." 
Aufschrei vom Bundesverkehrsminister: "Sind Sie denn wahnsinnig, Herr Kollege? Da haben wir die bestausgebauten Autobahnen in Europa, und Sie wollen LKW-Staus an den Grenzübergängen?"
Genscher, schelmisch schmunzelnd:"...war ja nur so eine Idee..."
Brandt: "Neenee, das ist nichts. Ich versteh das ja, aber Benzin sparen ist ja nun nicht alles, nichwahr? Wir brauchen eine Vision, wie wir ganz grundsätzlich Energie sparen, nicht bloß Benzin..."
Finanzminister Schmidt zündet sich eine neue Reyno an der vorherigen an, brummelt in die entstehende Stille: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen... "
Brandt, indigniert: "Gut, Helmut. Es geht ums Sparen, und das ist ja dein Ressort."  
Schmidt: "Wie wär's denn, wenn wir, auch am Sonntag, einfach mal sagen, "liebe Bürger: heute bleibt der Fernseher aus und gelesen wird nur bei Kerzenlicht, und die Nachtspeicherheizung bleibt aus..." 
Bundesfamilienminister, begeistert: "Ja! Stromfreie Sonntage! Da würden die Leute eben mal ohne Glotze und Radio auskommen müssen. Dann geht's halt ein bisschen früher ins Bett – und ganz nebenbei würde unsere Bevölkerung vielleicht auch nicht mehr so schrumpfen, was meinen Sie, wie da altgediente Ehepaare wieder zueinander finden, wie da neun Monate später die Geburtenraten in die Höhe...
Schmidt: Nun mal nich gleich so reinsteigern  – aber das mit dem Licht aus, das ist erstmal gut.
Genscher: "Na, ja, wenn es denn abends wenigstens sowieso länger hell wär..."
Schmidt: "Numalbüschenlangsam,  wir sind ja nicht in Norwegen."
Brandt, schwärmerisch, bei sich: "Mitternachtssonne, sonne Sonne bräuchten wir..."
Genscher: "Neinnein, aber ich erinnere mich, damals, im Krieg, da hatten wir doch über zwei volle Jahre die Uhren eine Stunde vorgestellt."
Schmidt: "Stimmt. Und abends in den Gräben war's viel länger hell... – was wir an Blendgranaten eingespart haben..." 
Genscher: "Das Ganze hieß, glaube ich, Sommerzeit. So was in der Art müssten wir machen. Wenn wir schon nicht die Sonne länger schienen lassen könne, stellen wir  einfach die Uhren um..."
Unruhiges bis bestätigendes Gemurmel von den Kabinettsmitgliedern.
Brandt:
"Gut. Passen Sie auf: Wir setzen erst mal eine Enquête-Kommision ein, lassen das mal durchrechnen und dann wollen wir doch mal gucken..."
Ja, so war das wohl damals. Und kaum acht Jahre später wurde in ganz Deutschland (sogar in der zukünftigen ehemaligen DDR) die Sommerzeit eingeführt.

Gebracht hat es natürlich rein gar nichts. Und damit bin ich da, wo ich eigentlich hinwollte. Denn immerhin einen Zweck erfüllt die Sommerzeit ganz gewiss: Sie zeigt dass nicht jede Idee gut sein muss, dass auch die scheinbar tollsten Pläne so richtig schiefgehen können. Und wenn man sich eben darauf zweimal pro Jahr besinnt – das ist doch schon einiges wert.
(Außerdem: verglichen mit andere Super-Einfällen (FCKW in Deodosen, Atomkraftwerke, Hartz IV, Asylkompromiss, Frauentausch auf RTL2) ist die Sommerzeit vergleichsweise harmlos.)
Also, wozu das Genöhle.



 

Warum ich allmählich regionaler werde.

Ich bin, zugegeben, neugierig. Auch und gerade beim Essen. Und wenn mir wer was anbietet, das ich noch nicht kenne, probier ich es. Aber dabei hab ich das eine oder andere Mal auch ganz schön falsch gelegen.
Vor Jahren beispielsweise lud mich ein guter Freund auf dem Goldbekmarkt auf Auster ein. Ich müsste das mal probieren, das wäre so fantastisch. Ich sag mal so: Ich mochte die nicht so gern und ich habe spontan geschimpft, dass ich, wenn ich denn Schnupfen essen wollte, auch Schnupfen essen würde, der wäre wenigstens warm.
Andererseits hat derselbe Freund mich tatsächlich an ausgesprochen leckere Sachen herangeführt. Zum Beispiel hat er tatsächlich einmal Büffelhoden zubereitet, die schmeckten wie ein etwas knorpeliges, aber sehr leckeres Gulasch.
Kagati Achar, eine in Nepal übliche Kleinigkeit, die aus wochenlang in der Sonnen gepökelten Limonen hergestellt wird, mag ich ebenfalls sehr und vermisse sie hin und wieder, wenn's hierzulande nur Magenbitter gibt. Msala Achar sowieso. Da sind so viele Gewürze drin, dass die Finger noch tagelang danach rieceh und schmecken.
Aber gestern hab ich mal wieder einen Griff ins Faule getan. Beim Edeka lagen merkwürdige weiche Früchte herum, die mit einem Aufkleber "Reif zum Genuss" (und mit keinem Namensschild) versehen waren. Die sahen auch nicht so richtig lecker aus, eher so, wie ich mir (siehe oben) ordentlich große Büffelhoden vorstelle. Nur mit Schuppen. Oder so.

Die fremde Frucht...

Eine davon hab dann ich gekauft, für knapp 2 (zwei!) Euro. Heute früh hab ich diese Frucht aufgemacht.

...schmeckte furchtbar fremd

Da musste ich erst mal jede Menge große Kerne entfernen, bis ich am Fruchtfleisch war.
Tja, und dann schmeckte das Ding wie, hm... – wie soll ich's beschreiben – wie eine undefinierbare angegammelte Kreuzung aus leicht überlagerter Kiwi und Banane, süß, pelzig und bäh.
Zum Glück waren noch Äpfel im Haus.
Und ich fragte mich, ob wir wirklich alleallesalles importieren müssen, nur weil wir's können.

Heut mittag gibt's jedenfalls Grünkohl.