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Üble gestalten – Kritik des zeitgenössischen Kriminalromans


(Ich fang mal ganz früh an, bzw. ganz früher, zu Zeiten, als Musik noch nicht über iTunes, sonder übers Cover des Tonträgers verkauft wurde. Dieses Früher meine ich. Da fang ich mal an. Los also.)

Früher war es einigermaßen einfach, Musik zu kaufen. Das ging so:
  • Frakturschrift auf dem Titel = Heavy Metal,
  • Monster und Frakturschrift = Ganz Heavy Metal mit  schrecklichen Soli,
  • Surrealismus = Poprock für junge Intellektuelle (Pink Floyd, Yes, Asia, Supertramp)
  • Geklebte Schriften, grelle Farben, zickzackige Typo: Punk, später New Wave
  • Schwarzweißfoto = Jazz
  • und so weiter. 
Aber nach und nach wurde es komplizierter. Die Punkgruppe the Clash zitierte mit "London Calling"plötzlich ein Elvis-Cover, in einem neonrosa Karton mit zickzackigen und schwarzweiß illustrierten Musikern steckte eine Rockabilly-Platte, ein Mädchen im Dirndl hieß Fräulen Menke und machte NeueDeutscheWelle – auf das Musikkaufen nach Optik war kein Verlass mehr.  
War ja auch fast egal.  Ein CD-Cover ist ja auch viel kleiner als der noch bis Mitte der Achtziger allgegenwärtige Pappschuber der LPs, die immerhin 30 cm Durchmesser hatten.
Da lohnt ja das Gestalten kaum.

Und heute? MP3 Dateien. Nichts zu sehen. Nicht der kleinste Hinweis, was sich hinter dem Icon verbergen könnte. Groß ist die Verwirrung und orientierungslos kopiere ich meine alten CDs auf den Rechner, weil ich mir dann beim Hören das Cover wenigstens noch vorstellen kann.

(So. Das war die Einleitung. Jetzt komme ich zum eigentlichen Thema.)

Mir scheint es nämlich so, als sei nur in einem einzigen Bereich des großen bunten Marktes der Unterhaltungsmedien noch eine gewisse Orientierung nach Optik möglich.
Ich meine Bücher.
Genauer: Krimis.
Und da vor allem Skandinavienserienmörderkrimis und flankierende bzw. sich daran orientierende.

Die gehen nämlich so:

Als erstens brauchen wir einen Hintergrund: Weiß ist okay. Muss aber irgendwie auch grau aussehen, ein bisschen schmuddelzwielichtig.  Wolkenhimmel ginge auch. Hell halt. Und ein bisschen dreckig.So was: 


Irgendwas gegenständliches muss noch drauf. Darf gern mit zum Titel passen, muss aber nicht. Skalpell ist zu oft gewesen, Axt oder Revolver auch. (Wenn gar nichts geht, geht auch das.) Ich nehm einfach mal ‘ne unordentliche Kinderzeichnung. Das wirkt, auch emotional, meine ich. 


So. Jetzt noch den Titel drauf.
Dafür greifen Verlage gern zu einer schick angefressenen Schrift. Gerne rot.
 

Ach ja, fast vergessen:  Autor, Genre (sicherheitshalber) und Verlagslogo müssen ja noch.


Fertig?
 
Fast.
Denn den Titel prägen wir jetzt noch. Und vielleicht ist auch noch Geld für Drucklack da. Da wirkt das Ganze höherwertig.


Supertitel. Und ich weiß sofort, welches Buch ich nicht kaufen möchte.

Andererseits (– und damit komme ich zum eigentlichen Auslöser dieser Gedanken – )
hat die Autorin Zoë Beck mit „Brixton Hill“ einen tollen Krimi jenseits der momentan angesagten Moden geschrieben, den ich wohl nicht gelesen hätte, wäre ich nach dem Buchtitel gegangen.


Denn der ist so was von modisch. Außer vielleicht dem Grün.
Und ich hätte unter Umständen gar vermutet, dass Brixton Hill der Autor des Thrillers "Zoë Beck" ist, eines Buches, in dem die Nichte von Kommissar Beck... geschenkt.

Fazit: Nicht mal auf Krimititelseiten kann man sich mehr verlassen.

 


Zweitausendeins heulende Höllenhunde!

Zweitausendeins.

Ich hab den Film erst spät gesehen, den dazugehörigen Versand relativ früh.
Um 1974 fing ich nämlich an, die Zeitschrift Pardon zu lesen, eine – soviel für meine jüngeren Leser – Satirezeitschrift, in der so ziemlich sämtliche Vertreter eines Humors veröffentlichten, der später unter "Neue Frankfurter Schule" lief und in der Titanic seine Fortsetzung fand. Und in dieser Zeitschrift gab es (außer der Werbung für Drehtabake) merkwürdig wimmelig zugetextete Anzeigen eines Buchversands, die ich richtig gern las. Die waren nämlich richtig gut geschrieben, besser als der Großteil der damaligen Reklame, besser auch als das meiste, was heute so weggeworben wird.
(Ich will mich nicht so weit versteigen, dass diese Texte mich dazu bewegt hätten, evtl. Werbetexter werden zu wollen, aber zumindest begriff ich, dass auch solche Texte Freude machen können.)

Irgendwann las ich nicht nur, ich bestellte auch: Das Rolling-Stones-Songbook beispielsweise, das von Zappa, Gedichte von Bukowski, La femme 100 têtes von Max Ernst (hab ich heute noch) und natürlich auch die Trilogie von Henscheid, die Gedichte von Gernhardt, WimS (hab ich auch alles noch), die Crumb-Skizzenbücher (hab ich) und so weiter und so weiter.
Und weil ich inzwischen in Hamburg wohnte, war ich auch regelmäßig im inzwischen eröffneten 2001-Laden im Univiertel und drängelte mich zu Gorey-Remittenden oder merkwürdigen amerikanischen Weltmusik-Samplern durch.

Irgendwann um 1994/1995 lernte ich den Chef kennen. Lutz Reinecke (geb. Kroth) war zu Besuch bei einem Freund, um mit ihm die Neuauflage seines Buches "Von Hanf ist die Rede" zu besprechen. Hans-Georg Behr hatte dieses Buch Jahre zuvor im Schweizer Sphinx-Verlag veröffentlicht und sich später sehr darüber geärgert, dass Matthias Bröckers und Jack Herer (zwei auch irgendwie von Hanf Begeisterte) sich für ihr bei 2001 erschienenes Buch "Hanf" offenbar in Teilen stark durch Hans-Georgs Buch hatten inspirieren lassen. Nach der ersten Aufregung darüber hatte er dann einen Brief an Kroth geschrieben und vorgeschlagen, sozusagen als Entschädigung den lange vergriffenen Band* neu und aktualisiert aufzulegen.
Merkheft #134, März/April 1995
Das hatte insofern Folgen für mich, als Hans-Georg mich bat, den betreffenden Anzeigentext im 2001-Katalog zu schreiben. (Hey! Zurück zu den Wurzeln.) Dieser Text machte offenbar nicht nur mir Spaß, denn danach durfte ich ein zwei Merkhefte lang auch weitere Bücher des Versandhauses bewerben – bis sowohl Kroth als auch ich die Lust verloren. Denn meist sollten diese Texte nur aus einer irgendwie lustigen Überschrift bestehen und darunter aus zusammengestoppelten Zitaten manchmal sehr obskurer Rezensionen. Und die beworbenen Bücher-Remittenden waren in der Mehrheit schlicht fad und nicht ohne Grund Remittenden. Also haben wir's dann wieder gelassen.

Titeillustration Alfred Hrdlicka
Ein paar Jahre später hab ich dann immerhin noch ein Buch von Hans-Georg layouten dürfen.  "Winifred und Wolf" verkaufte sich überhaupt nicht: Wer* will schon ein aus Originalzitaten von Hitler, Wagner und Winifred Wagner montiertes Theaterstück lesen? (Ein im übrigen sehr schönes Theaterstück, das ich nach wie vor gern auf einer Bühne sähe.)

Danach hatte ich nicht mehr viel für und nur noch wenig mit 2001 zu tun. In diesem August schenkte mir meine Frau die gesammelten Kurzgeschichten von Philip K. Dick. Vor einigen Wochen war ich im Laden an den Colonnaden. Außer mir war noch eine ältere Dame dort, und zwei Verkäufer. Und die Auslage interessierte mich auch kaum. Bleibt zum Ende also nur eine fader Fluch als Überschrift und ein müdes Amüsement, dass ausgerechnet Matthias Bröckers die Verlagsgeschichte in ein Buch (erschienen natürlich wo?) versammelt hat. 

Zweitausenddreizehn.




*Beide Titel sind noch antiquarisch erhältlich,
zu Spottpreisen z.B. bei booklooker

Book goes Facebook, Gutenberg goes Guttenberg.

Heute früh mach ich meinen Facebook-Account auf und finde unter den Statusmeldungen meiner Freunde diese Zeichnung samt druntergestelltem Einstein-Zitat:


Komisch, denke ich, ist das nicht von Hans Traxler.
Aber, so denke ich immer noch, zeichnet der nicht viel besser?
Stimmt, denke ich dann nach genauerem Hinsehen: das ist und das ist nicht von Traxler.

Der Aufbau der Zeichnung – Vogel, Affe, Pinguin, Elefant etc. vor Baum: Traxler.
Der Inhalt der Zeichnung: Auch Traxler.
Der Zeichner: Nicht Traxler, sondern augenscheinlich ein eher minderbegabter Tiereniedlichmacher mit Grundkenntnissen von Perspektive und menschlicher Anatomie, also einer, der vielleicht besser Bäume erklettern sollte.

Hier zum Vergleich die Originalzeichnung nebst Original-Bildunterschrift*:

Im Sinne einer gerechten Auslese
lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich:
Klettern Sie auf den Baum.

Ich habe mein Unbehagen, nicht ganz so scharf formuliert wie hier, auch zu dem betreffenden Facebook-Post angemerkt und wurde dann in etwa gefragt, ob ich denn die hinter Zeichnung und Zitat stehende Aussage wahrgenoommen hätte.
Doch, dachte ich, in sowas bin ich auf jeden Fall besser als im Aufbäumesteigen.

Das Ganze kitzelte meinen Widerspruchsgeist.
Und siehe da, ich fand im Netz eine ganze Reihe Belege, dass – passend zur kopierten Zeichnung – das Zitat von Einstein wohl auch nicht von Einstein ist. 
Da musste ich dann sehr lachen.

Zugegeben: Auch ich habe schon diverse Male Sachen im Brustton der Überzeugung nachgeplappert habe, in der Annahme, dass sie doch von dieser oder jener ausweislichen Autorität so und kein Jota anders gesagt worden wären. Immerhin war's mir bisher noch jedes Mal peinlich, wenn mein Irrtum sich als einer herausstellte. Deshalb war ich auch amüsiert, dass das Einstein-Zitat keines ist.

Weniger amüsant fand und finde ich die Lässigkeit, mit der ein Zeichner einen anderen komplett abkupfert und, der Einfachheit halber, Bild- und Textaufbau 1 zu 1 (natürlich ohne Quellenangabe) übernimmt. Ich finde, der Einzige, der diese Traxler-Zeichnung kopieren darf, ist Traxler – der im Übrigen viele seiner Sachen tatsächlich mehrfach neu gezeichnet hat, weil ihm ältere Versionen nicht mehr genügten.
Thema mit Variationen, wieder Traxler.

Und tatsächlich durfte dieses Motiv schon für jede Menge Themen herhalten, von der Chancengleichheit in der Schule bis zum AssessmentCenter-Unwesen, es würde mich nicht wundern, wenn sie auch schon genutzt wurde, um z.B. Casting-Shows zu kommentieren. (Es gibt zu dieser Vielfachverwendung einen längeren Text von Traxler selbst.)

Bin ich sehr altmodisch, wenn ich für mehr Sorgfalt und Skrupel beim Zitieren plädiere? Oder soll ich mich daran gewöhnen und akzeptieren, dass im Netz alles egalweg alle kopiert und ausgeschlachtet wird?

Dann wäre wohl - nach der Erfindung des Buchdrucks - genau dieses widerwärtige Unwesen charakteristisch für die nächste große Umwälzung der Kommunikation.

Und also erhebe ich hiermit nochmals die steile These:
Book goes Facebook!
Gutenberg goes Guttenberg!


*Der guten Ordnung halber: Die obere Traxler-Zeichnung wurde entnommen aus dem sehr lesenswerten Buch "Die schärfsten Kritiker der Elche" erschienen im Jahr 2001 im Alexander Fest Verlag. Die untere kommtaus dem Netz

Wie man hört...

© Thies Thiessen 2013
...haben es Apple und iTunes und alle anderen Online-Musikdealer hingekriegt. Nach den Virgin Megastores hat es nun HMV gerissen. Und ich frage mich, wo bei den Mp3-Alben die Booklets bleiben, die ich immer so gern durchgeblättert habe.  Schade.

Haben wir zu viele Dimensionen?*

Um das mal klarzustellen:
Jeder, aber auch wirklich jeder Film, bei dem ich sich Bewegendes im Kino oder auf dem Bildschirm angucke, ist mindestens dreidimensional. Zu der Fläche, auf der sich das alles abspielt, kommt nämlich die Dimension Zeit, ohne die der Film, nun ja, nicht wirklich vorankäme. Selbst eine noch so dramatische Szene aus (beispielsweise) "Die Hard" wäre eher fad.
Hier der Beweis.


So. und nun gucken wir mal, was passiert, wenn die Dimension Zeit (im Film, wohlgemerkt) weggelassen wird und lassen fünf Minuten (in der von uns vermuteten Wirklichkeit natürlich) vergehen. Und?


Nix und. Womit speziell dieser Film wohl einen neuen deutschen Titel bräuchte:
"Stirb seeeeeeeeeehr langsam bzw. ebendochnicht"

Zeit macht also durchaus Sinn. Und so verdient jedes Bewegtbild um an den Anfang zurückzugehen, jede Menge Marketinggeschwurbel: Wow! In 3D!

Seit ein paar Jahren aber gibt es im Kino jede Menge Filme, die von 3D sprechen, mit der dritten Dimension aber den Raum meinen, also die Illusion, das eigentlich auf eine flache Leinwand projizierte Geschehen gewönnen nun an räumlicher Tiefe.

Gut, stimmt. Tut es. Aber.
Am Wochenende war ich nämlich mit meinem Sohn in ICE AGE 4. Und sieh da: So was von räumlich. Da reckte sich mir der riesige Rüssel eines Piratenschweins entgegen. Da fiel ein Faultier so was von tief in einen dermaßen gähnenden Abgrund. Da stand ganz vorn ein Mammut und plauderte, während ganz weit hintenweg Felswände einstürzten, und Schwerter, Eisblöcke, Haselnüsse wurden uns stets und ständig in Zeitlupe um die Ohren gehauen, dass mich schwindelte.

Ganz vorn beim Blödsein: Scrat
Das Sonstige, also die Handlung, nun ja, die war eigentlich wurscht. In jeder Szene war spürbar, wie sich die Drehbuchautoren irgendwelchen Kram aus dem Dschungelbuch, 2012, Piraten der Karibik und Otto Waalkes’ Bühnenrepertoire zusammengeklaut hatten, um sie halbwegs irgendwie um die drei- (also eigentlich vier-)dimensionalen Sensationen herumzumontieren. Kurz: Konstruierte Bilder führen zu einer konstruierten Handlung. Da bewegt sich etwas ganz entschieden, nur mich bewegt es nicht. Womit ich die raumgreifende Kurve zum Titel dieses Beitrag genommen habe.

Wird alles immer flacher, je mehr Dimensionen wir kriegen?
Ich empfinde das so. Und so geht es mir in letzter Zeit oft – leider, leider nicht nur im Kino.


*Die Überschrift zitiert übrigens F.W. Bernstein, einen der größten deutschen Lyriker und Zeichner. 

Diesen Pitch hab ich verpasst. Um 85 Jahre.

In der Zeitschrift Gebrauchsgraphik, vierter Jahrgang, Heft 7, fand ich die abgebildete Einladung zum  Ideenwettbewerb. Mal abgesehen von der unfreiwilligen Komik bestimmter Begriffe – wie "Kopfarbeiter" oder auch  "Reichsmilchausschuss" – die verdankt sich ja schlicht der Tatsache, dass die Ausschreibung eben aus dem Jahr 1927 stammt.

Für Großansicht aufs Bild klicken. (Es lohnt sich.)

Aber das Briefing ist okay. Es ist ein halboffener Wettbewerb für Reklamefachleute, und es werden Preise von insgesamt 7000 Reichsmark für die Überlassung der Rechte ausgelobt. (Was eine Menge Geld ist zu einer Zeit, in der der durchschnittliche Monatslohn bei unter 100 RM liegt.)
Worauf ich aber besonders hinaus will: Wer hier teilnimmt, überlässt NICHT AUTOMATISCH alle Rechte, er behält sie bis zum ordentlich bezahlten Ankauf. Und das ist ja heute eher ungewöhnlich, wo sich  Facebookwettbewerbe nach dem Motton "Avanti Dilettanti" drängeln.

Das wollt ich nur mal loswerden.

Sun Spex Fashion 2012

Der Sommer wird heiß!


Der Sommer wird cool!


Der Sommer wird sexy.


Mit dem Modell "Censor Bar" setzt RAYBAN einen Trend, mit dem sich die Prominenz schon jetzt gern sehen lässt – wie man sieht.

Modeseiten aus MoPo vom 5. März 2012

Und das Tollste ist: das stand nicht in  GALA oder BUNTE, sondern im Hamburger Gesellschaftsmagazin MoPo.

Der Erklärbär von der ZEIT

Gestern habe ich dieses Plakat gesehen, und da musste ich gleich an diverse Dinge denken:
  • An meine Eltern, die während Helmut Schmidts Kanzlerschaft gern sagten: Doller Mann, bloss leider in der falschen Partei. 
  • An den Buchtitel, auf dem Peer Steinbrück und Helmut Schmidt nicht richtig Schachspielen können, sondern sich um eine Figur rangeln. 
  • Dann daran, dass ich mich manchmal frage, ob der große alte Mann wirklich alles weiß oder nur alles besser.
  • Und vor allem daran, dass DIE ZEIT die erste Zeitung ist, die sich ihre eigene sympathische Werbefigur leistet.

Sehr schön, wie hier auf den ESSO-Tiger, Meister Proper und das KIK-T-Shirt der überaus medienpräsente ZEIT-Weise folgt. Schade nur, dass die Werbung diesen Gedanken nicht noch konsequenter und ein bisschen possierlicher fortsetzt.

Etwa so:

Nur mal so als Anregung.

Andererseits: zwischendurch dürfte er auch mal Ruhe geben.

Mopo erweitert das Bewusstsein

Die Titelseite der Hamburger Morgenpost
vom 21.9.2011

Die Seiten 6 und 7 der Hamburger Morgenpost
vom 21.9. 2011

Womit dann – wieder mal – die Formel Heraklits bestätigt wäre: "Ein Haufen aufs Geratewohl hingeschütteter Dinge ist die schönste Weltordnung."

Der allerneueste Charlotte Roche

Ich habe vor Jahren mal ein Interview gesehen, das sie mit Helge Schneider führte. Und ich war erfreut, wie ernst beide einander nahemen, weil da nämlich zwei Blitzgescheide blitzgescheite Leute miteinander plauderten.
In irgendeiner Talkshow, viel später war sie Moderatorin, da wurde mir dann klar, dass sie weiß, wie schlau sie ist und wie dumm dagegen andere. Da war ich nicht so erfreut.

Ihre beiden Bücher habe ich nicht gelesen.
Feuchgebiete war mir zu schnell Skandal, als dass es mich hätte interessieren können.
Ausschnitt aus der Reklame für "Schoßgebete"
Und Schoßgebete: nun ja.

Ums Lesen auf der Meta-Ebene (also von Zeug, das über die Bücher geschrieben wurde), bin ich natürlich bei beiden Titeln nicht herumgekommen.
Während der eine sich wohl unter anderem mit Analverkehr bei Hämorrhoiden befasst, soll der zweite ernster sein. Er beschreibt Analverkehr, Verlust von engen Verwandten und die Verarbeitung all dessen. Fein.
Die Gleichzeitigkeit von Lust und Tod und Allem hat im Übrigen schon Joachim Ringelnatz deutlich kürzer und besser auf den Punkt gebracht:
Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfenband.

Wie irgendwo daneben.
Überall ist Dunkelheit.
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
Stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Wenn Du einen Schneck behauchst,
Schrumpf er ins Gehäuse.
Wenn Du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weiße Mäuse.
Am meisten nervt mich aber Frau Roches Kalauerei im Titel besonders des neuen Romans: "Schoßgebete". Na wunderbar. Da weiß ich schon gleich, wie der nächste heißt. Nein, nicht etwa "Arschmusik". Das ist durch.
Inhaltlich erzählt der Roman die Geschichte seiner nunmehr gereiften Heldin, die ihr erstes Kind erwartet und dennoch nichts dagegen hat, mals richtig handfest von vorn bis hinten durch ach! Ich habe keine Lust mehr. Nun schon gleich gar nicht.... (grummelnd ab) 



UPDATE am 2.9. 2011: Auf der Internetseite der Deutschen Grammophon gibt's gerade das passende Gewinnspiel:
  

Hahahahahaha...

Holy Shit, this is cross.

Wie bringt man Kindern das Christentum nahe?

Von dem weltweit tätigen Unternehmen Nestlé kommt dazu diese bedenkenswerte Anregung –  nämlich ein gerade aktuelles Thema (wie hier KUNG FU PANDA 2 harmonisch mit dem schwierigen Themenkreis von Kreuzigung und Auferstehung zu verknüpfen und gleichzeitig – sozusagen auf einen (Handkanten-)Schlag – fernöstliche und westliche Philosophien aufs Heiligmäßigste miteinander zu verbinden.

Und das Schönste: Geld verdienen kann man damit auch noch. Amen.

Dringender Buchtipp!

Fiel mir gerade ein im Laufe eines mäandernden Telefonats mit meinem CoAutor M. Porneaux, den ich von hier herzlich grüße: Ich hab da ein Buch im Regal stehen, das ich wegen seiner ungewöhnlichen Fotos liebe – und wegen des tiefen Enstes, mit dem hier Spaß und Freude organisiert und zelebriert werden.

Ja, das macht Laune!
Der Bingo-Tanz.

Ich weiß nicht, ob Sie das Werk noch im Buchhandel erhalten, denn es ist bereits im Jahr der Schleyer-Entführung erschienen, also schon ein paar Jahre älter. 
Aber sind wir das nicht alle? Und lassen wir uns deshalb die gute Laune verhageln? Eben!

"Atompolitik für die Jugend!"

Unter diesem knackigen Motto hat die Bürgerinitiative "ProAtom – Contra Hysterie" eine originelle Kampagne ins Leben gerufen, die sich mit ungewöhnlichen Mitteln besonders an jüngere und ganz junge Menschen wendet, die wenig über die vielen Vorteile der friedlichen Nutzung der Kernenergie wissen und meist nicht ohne Vorurteile, also herzlich inkompetent und meist allzu aufgeregt darüber reden. "Kerni und Krafti" sind die beiden sympathischen Protagonisten einer Comicreihe, die überzeugend demonstriert, dass Atomenergie auch Spaß machen kann und dass echte Argumente prima ohne peinlich erhobenen Zeigefinger auskommen.

Eine rundum gute Idee, aber sehen Sie selbst:


(für Großansicht auf die Bildstreifen klicken)

Ich freue mich, erste Beispiele der kommenden Kampagne, die auch in überregionalen Zeitungen am besten täglich erscheinen soll (z.B. zwischen Peanuts und Ottifanten) schon jetzt und hier dokumentieren zu dürfen.  

(wird fortgesetzt.)

Ich als Produkt.

Das sagt mir jeder Coach: Als Freelnce-Texter bin ich ein Produkt, eine Marke.
Und da sollte ich auch in allen möglichen Dingens Medien Formen Formaten immer wieder produktmäßig markig auftauchen und erreichbar sein, oder so. 

Zum Beispiel könnte ich meine offizielle Web-Adresse als QR-Code darstellen lassen.
qrcode

Oder gar meine Visitenkarte. 
qrcode
Jetzt muss mir nur noch einfallen, was ich damit anfange.

Na ja, ich kann's ja erst mal in den Blog packen. Für später...
(...nachdenklich ab.)

Wesen und Unwesen der Werbung

Vor einigen Jahren verblüffte mich der Chef einer kleinen Agentur, als im Briefinggespräch die Frage aufkam was denn wohl das "Beschwerdewesen" wäre und er, nach einer kleinen bedeutsamen Pause, antwortete, das wäre so ein kleines niedliches, aber eben nörgeliges Wesen.
Was damals ein lustiger Witz war, taucht zunehmend nervig in der Reklame auf: So heißt ein Buch tatsächlich das Rekru-Tier.
Und die aktuelle Werbung der Volks- und Raiffeisenbanken entblödet sich nicht, das Investier in mir wecken zu wollen.
Was der als mittlerweile ja als topseriös geltenden Investmentbranche sicher tierisch viel Erfolg bringen dürfte.
Vielleicht ist ja der oben genannte Agenturinhaber so zu sagen das Patentier all dieser Kal-aua.

Graphic Design ain't dead.

Vor ca. 30 Jahren war das Sterben der Schriftsetzer in vollem Gange. Bleisatz hatte sich längst aus den Büchern verabschiedet, und die Licht- und Photosetzer begannen allmählich zu ahnen, dass da was auf sie zukam, das sie in ebenfalls in den Untergang reißen würde –  während ich und nach mir noch viele sich daran übten, Schriften zu zeichnen, Buchstabenabstände harmonisch auszugleichen, Farben festzulegen und exakt zu definieren, zu scribbeln, zu zeichnen, zu layouten und schließlich für den Druck vorzubereiten. All das fand, wohlgemerkt, auf Papier statt, nicht auf dem Monitor.
Auch Bildretusche wurde altmodisch von ausgebildeten Lithographen durchgeführt, die oft tatsächlich noch malen konnten und sogar Ahnung von Perspektive und Anatomie hatten: Ich erinnere mich an einen Besuch bei der Albert Bauer KG, wo ein älterer Herr gerade eine Swimmingpoolschönheit auf dem Tisch liegen hatte, deren Hüften der Agentur McCann-Erickson zu breit erschienen, um für Coke light am Pool herumliegen zu dürfen.
Heute gibt es für all das Photoshop und Indesign und alle anderen Adobe-Werkzeuge, die allesamt unglaublich viel an Effekten und Schnickschnackerein liefern – die ein guter Grafik Designer eben nicht braucht und schon gar nicht alle auf einmal. Bzw. diese Programme brauchen kein Grafik Design mehr.
Selbst Amateure können damit (und zur Abrundung mit Microsoft Office, Corel Draw und weiterem Kram) Sachen machen – und wenn sie Glück haben, werden sie sogar dafür bezahlt. Wenn ich auch nicht genau weiß, wofür – sobald jedenfalls ich auf diese Packung Nestlé Erdbeer Minis gucke, bei der ich auf den ersten Blick nicht einmal glauben möchte, dass das hier die Vorderseite ist.
Ist sie aber. Etwa auf halber Höhe ist noch eine Schale erahnbar, in die die Erdbeercerealien reingeschüttet werden, aber eben die wird dann zerschmettert von einer großartigen Promotion, die mir empfiehlt, ich sollte Punkte sammeln.
Ist schon das Gesamtbild wirr und fürchterlich, erschließt sich das ganze Grauen erst beim Blick auf die Details.
Hier zum Beispiel: Wozu eine eigens angefressene, zerkratzte Schrift für eine kleine Unterzeile? So eine Schrift gehört groß oder gar nicht.
Nicht schön auch diese gebogene Zeile, die der Form im Hintergrund nicht mal annähernd folgen mag – genau hier hätte man toll photoshoppen können. Die Mischung von Versalien und Gemischten hat natürlich den Sinn, etwas zu betonen – was bei dermaßen vielen Versalzeilen und Ausrufungszeichen und Buntfarben nicht so einfach ist. Mach alles laut und du kriegst weißes Rauschen...
Eine gerissene Kante erklärt, was gemeint ist: die Packung ist sozusagen aufgerissen und dahinter verbirgt sich die Super-Promotion. Schade, dass es die Marke gleich mit zerreisst.
Der rote Rahmen verwandelt sich in eine Art Wirbel, der Erdbeerpulver streut. Überzeugend retuschiert. Und ohne jede Ahnung von Perspektive, Lichtführung und ähnlich überflüssigem Zeugs.
Dieser weiße Fleck ist ein Milchspritzer – weswegen hat er dann links eine eckige Kante?Gefrorene Milch? Oder doch Gips?
Ach, guck! Sternchen! Die hab ich ja erst gar nicht gesehen! Wie süüüß! Und wie originell!
Und dieser Punkt? Um den geht es nämlich: das neue Nestlé-Vollkorn-Cerealien-Symbol soll mit der Promotion penetriert werden. Und tatsächlich: Es taucht an die 15mal auf der Packung auf. Das schaffe ich nicht mal in diesem langen Beitrag.

15 mal! Très penetrant. 

(Was bin ich froh, heute Texter zu sein.)