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HUNDEDRECK (Beiträge zur Vorurteilspflege, 2. Lieferung)

So weit ich mich erinnern kann, gehört der Hund zur Familie. Es ist nicht immer derselbe Hund. Als ich klein war, hatten meine Eltern einen Dackel, der musste weg, nachdem er sich in den Hühnerstall der Nachbarn gewühlt und dann die Hühner totgebissen hatte. (Klingt irgendwie märchenhaft oder? Damals gab es noch Hühnerställe und dazu gehörte natürlich auch eine großer böser Wolf, der auf die Hühner scharf war. Es hat halt nur für einen Dackel gelangt.) Damals war ich wohl fünf oder sechs jahre alt, deshalb ist diese Erinnerung relativ verschwommen.

Mein Vater hatte später einen Jagdhund – Deutsch Drahthaar war wohl die Rassenbezeichnung  – der hieß Waidmann und hatte seinen Platz hinten im Rinderstall. Zur Jagdsaison sprang er auf einen knappen Befehl in den Kofferraum unseres BMWs und dann fuhr mein Vater in den nächsten oder übernächsten Ort zur Treibjagd. Ein einziges Mal war ich dabei, als Treiber. Es hat mir nicht gefallen: nicht weil ich so sensibel gewesen wäere, sondern vielmehr, weil mich das Durchdenmatschlaufen langweilte. 

Dann war da ein Boxer namens Axel, der war voller Liebe und voller Sabber. Sein Platz war ebenfalls im Stall. Erwähnt sei noch Susi, eine Langhaardackelin, die uns in einem heißen Sommer regelmäßig halbtote Maulwürfe in die Küche schleppte. Die schwere, sonst schlammigblaue Erde war in diesem Jahr so durchgetrocknet, dass für die Maulwürfe nach oben keine Durchkommen war, weshalb sie sich waagerecht zum Graben vorbuddelten, wo Susi schon wartete. Ich werde nicht vergessen, wie einer von ihnen versuchte, sich durch die Fliesen in der Küche zu wühlen. Da nahm mein Vater ihn vorsichtig und zart in die Hand, brauchte ihn nach draußen hinters Haus und schlug ihn tot.

So weit ich mich erinnern kann, gehört der Hund zur Familie. Es ist auch nicht immer dieselbe Familie. Inzwischen bin ich verheiratet und Vater, und wir haben einen sehr freundlichen, verspielten, nur bei anderen Rüden zu Wutanfällen neigenden Rassehund  – "Nee, Papiere hat der nicht, war dafür billiger" – der nun auch schon fast zehn Jahre alt ist. Davor, vor Ehe auch und Sohn, war da Bode, ein schwarzer CockerPudel, der in jede noch so kleine Pfütze sprang und dort wartete, dass ich Stöckchen ins Wasser würfe, damit er's holte.

So weit ich mich erinnern kann, hatte jeder dieser Hunde seinen eigenen Charakter, seine eigene Stimme und Stimmung. Einen Gemeinsamkeit aber gibt es. (Und jetzt kommt es raus, wohin ich Euch, liebe Leser, mit dieser schmusig-sentimentalen Einleitung locken wollte. Jetzt rede ich über knallharte, schockierende Fakten: Alle diese Hunde kacken.

Irreführend: Mein Hund sieht nämlich ganz anders aus.
Oskar, der Rassehund, zum Beispiel muss mindestens zwei- wenn nicht dreimal täglich zum Kacken raus. Nach einer kleinen Weile des Stromerns und Schnüffelns dreht er sich meist einige Male um sich selbst, dann schiebt er den Kopf vor, hebt den Schwanz und manchmal auch ein Bein (er verwechselt da was) und drückt sich einige braune Kugeln oder sogar Kugelhaufen raus. Ein kurzes Aufundnieder mit dem Schwanz – etwa, als würde ein Pumpenschwengel betätigt, um Letztes rauszudrücken – fertig.
Meist kriecht er, der Gute (!) sogar eigens tief ins Gebüsch am Straßenrand, um sein Geschäft möglichst diskret zu erledigen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er kackt. Ja, dass er kacken muss, um nicht zu platzen.
Und ich, als sein Halter, bin aufgefordert, den Hundekot wegzumachen, dass keiner reintrete*.


Vorbildlich: die Tüten aus Norderstedt

Aber dafür gibt's ja Tüten. Meist sind sie aus dünnem schwarzen Plastik und hell bedruckt mit einer Gebrauchsanweisung. Und wenn mein Hund direkt auf den Bürgerstieg scheißt, dann benutze ich sie sogar. (Auf einem Spielplatz oder Fussballfeld hat er eh nichts verloren.)

Aber ich habe in diesem leicht anrüchigen Zusammenhang doch ein paar Fragen:
Gibt es Tüten für die großen Haufen von Doggen oder Neufundländern? Braucht der Hund von Baskerville gar einen IKEA Tragetasche, eben, weil es die schwarzen Säckchen nur in Einheitskleinheit gibt?
Wie sieht's eigentlich mit der Ökobilanz der Entsorgungshelfertüten aus? Zersetzt sich ein Haufen samt Tüte ebensoschnell wie einer ohne? Oder werden eines noch sehr fernen Tages Archäologen vek(n)otete Beutelreste finden und sich fragen, welch kultischer Verrichtung sie wohl einstmals dienen mochten? Wieso macht keiner die Pferdeäppel weg? Den Poppenbütteler Ponymädels, denen ich beim Waldsüpaziergang ausweiche, scheint das ziemlich Wurst. 
Schließlich: Sind Katzen wirklich so viel reinlicher, nur weil sie in der Wohnung ins Kalkmüsli machen und es gleich daruf hintersich schleudern, wobei übrigens nach und nach Geruch entsteht, sobald die Streu ihn nicht mehr saugt? Von draußen streunenden Katzen ganz zu schweigen.
Worauf wollte ich nun überhaupt hinaus?

Ach ja, jetzt hab ich's wieder: Im Grunde genommen finde ich die Kackbeutel Kacke. (Ausgenommen die von Norderstedt, gegen die wiederum die örtliche CDU ist.)






*Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, kurz und kleingedruckt meinem tiefes Verständnis für all die Ausdruck zu verleihen, die schon mal in seo einen Haufen rengetretten sind – ich weiß, ihre Zahl geht in die Millionen.  Und manche, bevorzugt die mit Profilsohlen oder Lackschühchen, werden furchtbar ärgerlich, denn die Angelegenheit stinkt und dann noch grad neben der Fahrertür beim Einsteigen! das! geht ja nie! wieder raus und ich glaube: ich gründe jetzt ne Ini gegen diese Kackbratzenmistköter!...
Doch ich verstehe das, ich bin schließlich auch selbst schon reingetreten.  Ärgerlich, so was.

Ich möchte bitte keine Sprachsteuerung


Ich habe vor eine paar Tagen bei meinen Mobilfunkprovider angerufen. Ich sollte nicht mehr die Eins oder die Rautetaste drücken, sondern laut und deutlich "Ja" sagen. Oder "Nein". War am Ende aber auch egal.
Von BMW läuft im Moment ein lustiger Werbespot, bei dem das Krümelmonster einfach nur Kekse haben will, aber die freundliche Stimme von "Connected Drive" bietet stattdessen jede Menge Varietäten an und die Route zu den Bäckereien, wo's die gibt.
Ich weiß nicht, ob der jetzt für oder gegen BMW wirbt.
Siri hab ich noch nicht ein einziges Mal nach irgendwas gefragt.


Und jetzt krieg ich Angst vor der neuen Kaffeemaschine im Büro...
Willkommen bei Connected Coffee. Was kann ich für Sie tun?
- Ääh, Kaffee...?
Sie möchten Kaffee. Möchten Sie Espresso, Capuccino, Latte Macchiato oder etwas anderes. Sprechen Sie bitte laut und deutlich.
- Also, äh, Kaffee.
Sie möchten Kaffee. Möchten Sie Espresso, Capuccino, Latte Macchiato oder etwas anderes. Sprechen Sie bitte laut und deutlich.
- Schwarzen Kaffee.
Ich habe Sie leider nicht genau verstanden. Wiederholen Sie Ihre Eingabe bitte laut und deutlich.
- Einfach schwarzen Kaffee. Bloß keinen Espresso!!
Sie möchten Espresso? Groß oder klein? Bestätigen Sie Ihre Eingabe mit Ja oder Nein.
- Nein!!! Kein Espresso.
Einen kleinen Espresso. Gern, einen Moment bitte.
(Fasziniert und auch ein bisschen angewidert gucke ich die Maschine an, bei der sich in den nächsten 30 Sekunden rein gar nichts tut, außer, dass sie etwa alle 2 Sekunden ein leise feucht tickendes Geräusch von sich gibt.)
Bitte platzieren Sie Ihre Espressotasse unterhalb der Ausgabetülle.
(Ich stell meine Tasse dahin, wo ich die Tülle vermute.)
Bitte platzieren Sie Ihre Espressotasse unterhalb der Ausgabetülle. 
(Ich schiebe sie ein Stück nach links.)
...
(Nach rechts. Wieder zurück.)
...
Danke. Beachten Sie bitte, dass Ihre Tasse mehr Platz bietet als für einen kleinen Espresso.
Möchten Sie gegebenfalls alternativ einen schwarzen Kaffee?
Erleichtert seufze ich auf:
- Das wär Klasse!!
Sie möchten Einen Latte Macchiato.
(Ich gebe auf. Latte soll ja auch ganz nett sein.)
Bitte treten Sie einen Schritt zurück, die Milch wird dampfend aufgeschäumt.
(Zischschschzisch, in der kleinen Küche wird die Sicht schlecht, als sich der Nebel verzogen hat, blinkt an der Maschine ein kleines rotes Lämpchen.)
Es tut mir leid, aber ich muss eben Milch ins System spielen. Bitte warten Sie einen Moment.
(Fröhliche Almmusik erklingt, Kuhglocken, Melkgeräusche)
Leider sind im Moment alle Melkplätze besetzt, ihr nächster persönlicher Senn ist in etwa 20 Minuten verfügbar...

Ich gehe genervt an den Kühlschrank und will mir einen Cola rausholen.
Eine freundliche Stimme spricht zu mir:
Bitte nennen Sie vor dem Öffnen Ihre persönliches Mitarbeiterkennwort...

Werde ich etwas alt?

Das will ich doch hoffen.

Abschied von der Neuen Präpositionalen Küche

Leser. Lasst uns verspätet Abschied nehmen vom Meisterkoch Albert Bouley, der bereits im April 2013 verstorben ist und dennoch immer unvergessen sein wird als der Koch, der schwäbische Küche und die Leichtigkeit der französchen Nouvelle Cuisine auf unvergessene Weise zu neuer Raffinesse verband, ja, vereinigte.

Doch wollen wir heute nicht seiner Küche als vielmehr seiner Methode ihrer Beschreibung gedenken, die sich mit unerhörten Kombinationen von Attributen und Konjunktionen in unsere Hirne schlich – derart nachhaltig, dass heute manches ganz banale Rezept durch eine fast unanständige Orgie von Präpositionen zu wenn nicht Höherem, so allerwenigstens zu Höherpreisigem sich aufschwingt.

Nun fragt Ihr mit Recht, Leser, was mag ich wohl meinen? Der Antworten sind einige, und deren jede wiederum braucht nur zwei, drei Buchstaben:
An, auf, von sind die berühmtesten. Ich will das erklären.

Nehmt nur die weihnachtliche Entenbrust mit Orangensoße, reicht dazu auch Rotkohl in Blätterteig.
Mag sein, das Wasser läuft dem Gourmet schon jetzt im Mund zusammen, doch steigert sich die Vorfreude zum Sturzbach aus Speichel, wenn wir stattdessen sagen:
Entenbrust an Orangensauce, dazu Rotkraut auf einem Bett von Blätterteig
...an...auf...von... perlt es von der Speisekarte, die übrigen Zutaten sind schon ganz egal, und ist am Ende noch vom Bett die Rede, freut sich der ganz und gar entmenschte Appetit gleich auf oral dem Gaumen zugefügte Orgien, ja Orgasmen des Geschmacks.
Doch ach, verkommen längst sind die einst so verführerischen Einsilber, gesunken, ja gefallen sind sie und dienen heute auch dem übelsten Kellenschwenker als allseitig verfügbare Huren, Vetteln  und Schlampen, die libidinös zwar noch klingen, doch das Aroma von Frittenfett, den Gestank des faulig sich nahenden Todes, kaum mehr zu bedecken vermögen.
So las ich jüngst in einer kulinarisch gemeinten Kritik eines griechischen Restaurants:
Fleisch an Fleisch auf einem Bett aus Fleisch
Zwar war ich geneigt, diese Schlagzeile als Parodie zu würdigen, doch andererseits machte sie mir auch den Ennui deutlich, der mir an solchen Beschreibungen auf Speisekarten von mediokren Restaurationsbetrieben erwachsen ist.
Will sagen, ich sehne mich nach einer neuen Entdeckung des ganz Einfachen. Konzentriert Euch auf das, was Ihr könnt, liebe Köche. Kocht raffiniert, meinethalben. Aber formuliert einfach. Und erspart uns Essern die ewigen Variationen von Intermezzi auf Betten von Plattüden.

Denn das ist, seien wir ehrlich, Quatsch mit Soße.
Oder, wie Boley selig geschrieben hätte, wenn er nicht tot wäre:
Quatsch an Sauce.




Einige unordentliche Gedanken...

(...entstanden aus Anlass einer Reihe von Aufräumungs- und Wiederaufbau-Arbeiten. )

Meine Damen und Herren, herznich winnkommen zur 1. Ziehung der Nottozahnen in diesem Jahr. Der Aufsichtsbeamte hat sich von der Vollzähnigkeit und dem ordnungsgemäßen Sitz anner 32 Zähne überzeugt. Mit etwas Gnück...
(...) 
Und der erste Zahn ist:
(...)
Unten rechts Sechs.
(...)
Zusatzzahn:
(...)
Kostet.

Wenn die Biber nicht ständig Bäume zernagten, wüchsen ihre Schneidezähne lang und länger. Ich darf jetzt mit rechts eine Zeitlang nicht kauen. Da bin ich aber mal neugierig.



Möchten Sie ein bisschen Musik?
Gerne.
Mit den Zähnen klappern ist wie Musik.


 "Das Übel an der Wurzel packen." Hm. Mussassein?


Wurzelspitzenresektion: Klingt ein bisschen nach Medizin, aber auch nach einem Fachbegriff für Köche und Gourmets. Ganz feine Möhren. Dazu gibt's dann Kalbsspitzen.


Wobei, eine SuperSpitzenResektion war das ja grad nicht vor zwei Jahren, Herr Kieferchirurg, sonst säße ich nicht schon wieder hier. Und ist ein Waldarbeiter eigentlich auch auch eine Art Kieferchirurg, haha? Aua. 


Mehr Musik? "Über sieben Brücken musst Du gehn."


Entzündung? Na, das kann ja Eiter werden.


Wenn man so eine Behandlung mal konsequent – modisch, ästhetisch wie praktisch – zu Ende denkt, sollte man sich eigentlich z.B. jeden zweiten Zahn entfernen lassen.
  • Modisch: Das ergibt beim Lächeln ein krasses Karomuster oder Streifenmuster.
  • Ästhetisch: Schlus mit der Stocherei und dem Gepuhle hinter vorgehaltener Hand im Restaurant.
  • Praktisch: Man spart sich Zwischenraumbürste und Zahnseide.
Geht auch Klaviertastenmuster?


Das Glas ansetzen, trinken wollen, aber das Gefühl haben, es säße gar nicht an der Lippe. Lippe? Lippe!? Wo ist meine Lippe!? (Ahja, da ist sie ja, das Ding, was da so blutet.)


"Übrigens lassen sich Orthopäden nie am Knie operieren, und Zahnärzte leben prima mit Lücken."
erzählt ein Zahnarzt.


Zahnweh goes Zahnfee.


Das war's für heute, ich hoffe, es hat nicht allzusehr wehgetan. Auf jeden Fall wird's besser, wahrscheinlich. Bis zum nächsten Gewinnausspülung und denken Sie daran, alle Angaben sind wie immer ohne Gewähr. 






Warum ich allmählich regionaler werde.

Ich bin, zugegeben, neugierig. Auch und gerade beim Essen. Und wenn mir wer was anbietet, das ich noch nicht kenne, probier ich es. Aber dabei hab ich das eine oder andere Mal auch ganz schön falsch gelegen.
Vor Jahren beispielsweise lud mich ein guter Freund auf dem Goldbekmarkt auf Auster ein. Ich müsste das mal probieren, das wäre so fantastisch. Ich sag mal so: Ich mochte die nicht so gern und ich habe spontan geschimpft, dass ich, wenn ich denn Schnupfen essen wollte, auch Schnupfen essen würde, der wäre wenigstens warm.
Andererseits hat derselbe Freund mich tatsächlich an ausgesprochen leckere Sachen herangeführt. Zum Beispiel hat er tatsächlich einmal Büffelhoden zubereitet, die schmeckten wie ein etwas knorpeliges, aber sehr leckeres Gulasch.
Kagati Achar, eine in Nepal übliche Kleinigkeit, die aus wochenlang in der Sonnen gepökelten Limonen hergestellt wird, mag ich ebenfalls sehr und vermisse sie hin und wieder, wenn's hierzulande nur Magenbitter gibt. Msala Achar sowieso. Da sind so viele Gewürze drin, dass die Finger noch tagelang danach rieceh und schmecken.
Aber gestern hab ich mal wieder einen Griff ins Faule getan. Beim Edeka lagen merkwürdige weiche Früchte herum, die mit einem Aufkleber "Reif zum Genuss" (und mit keinem Namensschild) versehen waren. Die sahen auch nicht so richtig lecker aus, eher so, wie ich mir (siehe oben) ordentlich große Büffelhoden vorstelle. Nur mit Schuppen. Oder so.

Die fremde Frucht...

Eine davon hab dann ich gekauft, für knapp 2 (zwei!) Euro. Heute früh hab ich diese Frucht aufgemacht.

...schmeckte furchtbar fremd

Da musste ich erst mal jede Menge große Kerne entfernen, bis ich am Fruchtfleisch war.
Tja, und dann schmeckte das Ding wie, hm... – wie soll ich's beschreiben – wie eine undefinierbare angegammelte Kreuzung aus leicht überlagerter Kiwi und Banane, süß, pelzig und bäh.
Zum Glück waren noch Äpfel im Haus.
Und ich fragte mich, ob wir wirklich alleallesalles importieren müssen, nur weil wir's können.

Heut mittag gibt's jedenfalls Grünkohl.

"Und, was habt Ihr so am Wochenende gemacht?"

Das Nachbargrundstück nach hinten raus liegt z.T. brach.
Der andere Teil ist also durch wildwucherndes Grünzeug verdeckt, nichtsdestotrotz hören wir regelmäßig und bevorzugt an Wochenenden das widerwärtige Brunftgestöhne, das seit Monica Seles auf Tennisplätzen offenbar erlaubt, vielleicht gar gefordert ist. Das klingt dann also etwa so:
Pock Pock Uuumpf Pock Pock Örrks Pock Pock Urmpf (ad infinitum) 
Aber das nur nebenbei.
Hier geht's um Grünzeug, genauer, um die wilden Brombeerbüsche gleich am Zaun. Die machen uns – außer als Sichtschutz – zusätzlich in jedem Spätsommer Freude, als die Früchte jetzt reif sind und in die Marmelade sollen. Da reißt man sich schon mal beim Pflücken die Haut an den Dornen blutig, und die Ernte will auch in Essig gewaschen werden, damit sich keine kleinen Würmer im Kochtopf zu Tode räkeln.

Jetzt noch in Essig waschen
und durch ein Sieb drücken,
damit's geleeiger wird
Aber es macht echt Spaß, und vor allem das Experimentieren beim Einkochen sorgt für ungewohnt leckeren Brotaufstrich. In diesem Jahr haben wir schon Erdbeer, ErdbeerMinze, BrombeerZitrone, AprikosePfirsichOrange, ach ja: und ErdbeerPfeffer eingekocht.

Küchenschrank, rechts im obersten Regal
Am Sonnabend sind dann also noch 5 mal 250g leckerste Brombeermarmelade dazugekommen.
Das haben wir am Wochenende gemacht.

Shake it, baby!

Hat jemand den neuen Spot für den BÄRENMARKE SCHÜTTELSHAKE noch nicht gesehen?
Ich meine den, wo eine Band mit SCHÜTTELSHAKES statt Schlagzeugstick, SCHÜTTELSHAKE statt Bottleneck und SCHÜTTELSHAKE statt Mikrofon "Musik" macht?
Den, wo der Sänger (er heißt angeblich Jan Herz) dann auch noch mit deutschem Akzent VIEL OLLREIT fordert?
Und wo schließlich eine Art Moderator (so ein Olli Geissen für Arme bzw. für NOCH Ärmere) dazu einlädt, sich den Titel und zwei weitere auf Kosten von BÄRENMARKE SCHÜTTELSHAKE runterzuho runterzuladen?
Wenn Ihr ihn noch nicht gesehen habt, dann guckt Euch JETZT den neuen Spot für BÄRENMARKE SCHÜTTELSHAKE an. Hier. Und sagt mir, wie's Euch dabei geht.

Mich hat's geschüttelt bei der Vorstellung, wie die zuständigen Produkmanager im Agenturmeeting saßen und fanden, da müsste die Marke noch mehr penetriert werden – woraufhin der CD vorschlug, einfach alle Instrumente gegen Packungen auszutauschen...Und dann haben alle gejubelt.

Zur Erholung hab ich mir dann einen alten – und im Vergleich deutlich frischeren – Spot für den BÄRENMARKE SCHÜTTELSHAKE gegönnt.
So, jetzt ist besser.

Denkmal für den unbekannten Verpackungskünstler.

Und zwar an das Weinversandhaus weinundvinos in Berlin. Da haben wir eine 12er-Kiste mit je sechs Flaschen zweier verschiedener Weine bestellt.
Und das haben wir bekommen:
Vergesst Christo!

Danke! Das hat uns wirklich sehr gefreut.

Ja, Himmiherrgottnochamoi! Gibt's denn dös?

Ja, ich bin aufgeregt!
Ich hab nämlich beim Googeln nach Ror Wolf den Hörspiel-Pool des Bairischen Rundfunks entdeckt. Jede Menge Schätze warten dort darauf, auch von Euch, liebe Leser, heruntergeladen und weggehört zu werden. Unter anderem oben genannter Ror Wolf mit einem wundervollen Fussball-Hörspiel und die überaus musikalische Autobiographie von Francoise Cactus, die übrigens produziert wurde von Brezel Göring, der andren Hälfte von Stereo Total.

Sorry, muss weg, weiterhören...

Gesund mit Obst und Gemüse

Das, ungefähr, ist die Botschaft, die meine Frau von einem Abend allein vorm Fernseher mitbrachte. Am Frühstückstisch jedenfalls erzählte sie begeistert, man könne künftig bei Schnupfen auf die (bekanntermaßen ja suchterzeugenden) Nasensprays verzichten.
Ein günstigeres und ebenso wirksames  Mittel wären Lauchzwiebeln. Ein paar Zentimeter vor der Knolle gekappt, je ein unteres Enden einfach in je ein Nasenloch gesteckt. Die ätherischen Öle erledigten den Rest, schloss sie ihren Bericht.

Mir kamen die Tränen.

(Übrigens helfen kleingehackte Zwiebeln heißgemacht gegen Mittelohrentzündung und Bananen gegen Diarrhoe. Sieht aber wahrscheinlich auch nicht gut aus.)

Kinder haben keinen Geschmack.


Mein Sohn isst gern CiniMinis von Nestlé. In der momentan von ihm halb geleerten Packung fanden wir eine Comic, in dessen Handlung eine Team von Kinderdetektiven einen vollkommen hanebüchenen Kriminalfall löste und zwischendurch CiniMinis fraß. Als Autor und Illustrator zeichneten Shelly und Sar Perlman, und ich war verblüfft, dass die sich trauten, so was abzuliefern.

Jede mund- oder fußgemalte Weihnachtskarte ist besser in Farbgebung, Anatomie, Perspektive – und im Zweifel auch spannender und lustiger.

Aber, und so scheint man sich das wohl auch beim Nestlé Cerealien-Marketing gedacht zu haben: Kids haben ja eh keinen Geschmack.

P.S. Ich habe meinem Sohn verboten, den Comic zu lesen. Und künftig kaufen wir Kellogg's.
P.P.S. Bei dieser Gelegenheit eine Entschuldigung an G. Gunga, dessen Zeichnungen ich mal sehr hart kritisiert habe. Das mach ich nie, nie wieder.

The Return of the Blob

Neulich in der Teeküche eines mittelständischen Unternehmens der Werbebranche.


Sehr,
wirklich sehr
beunruhigend.

Oder?

Da hilft auch der Text nicht.

Geile Anzeige.

Obwohl die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH sich sonst für keinen Werbequatsch zu schade ist, wenn es darum geht, die dicksten Kartoffeln noch des dümmsten Bauern zu propagieren, diesmal ist sie unschuldig.
Diese appetitliche Abbildung weißlich-dickflüssiger Eiweißverbindungen, die oben aus einem Batzen roten Rinderfleisches heraus quellen, stammt direkt aus den ansonsten eh oralfixierten USA. (Gefunden in der Zeitung People, weitere Landschafts-Motive und dieRezepte dazu gibt's hier).

"Kall, mei Trobbe!!!"

(Von Gastautor Monsieur Porneaux)

So rief Mama Hesselbach in den frühen 6o’ern.
Sie hätte vermutlich auch gesagt, dass "dä Winnetou, dä Häuptling der Apache, ganz allein auf Bärejagd gezoge" ist.
Und hätt’ sich an ihr Herz gefasst: "Kall, mei Trobbe!!!" - und sich zur Familie umdrehend: "Ja, geht’s Eusch ned so an die Herze?"

Ist’s nun das Vordringen des Hessischen oder ist’s die neue deutsche Rechtschreibung - ich jedenfalls stolperte heute vormittag gleich zweimal über das Wörtchen
Herze

- offensichtlich als Plural zu "Herz".

Hab’s aber nur einmal dokumentieren können:


Schön, nicht?