Wahl 2015 in Hamburg: Farbenrausch

Die Nächte werden wieder kürzer, Hamburg wird langsam heller. Und man kann sogar die eine oder andere Farbe wieder erkennen.

Bzw. die eine und die andere und die andere und die dann auch und noch eine und einehamwernoch: Will sagen, die Bürgerschaftswahl wirft ihre knallbunten Schatten voraus. Und ich bin durcheinander. Einst lernte ich nämlich mal: SPD = Rot; CDU = Schwarz; FDP = blaugelb; Grüne = Grün; Sonstige = Sonstige. Und das gilt nicht mehr. Genausowenig wie die alte Behauptung, Parteien bräuchten Meinungen und Ziele, die über den Wahltag hinausreichten.

Aber ich will nicht meckern. Freuen will ich mich darüber, wie die Parteien unsere Stadt bunt machen. Und so rufe ich froh das Dichterwort:


So ruft es in Hamburg fast jede Partei:
Seid farbenfroh. Und meinungsfrei.

Vorweg ein bisschen Grünzeug
mit künstlichen Farbstoffen.
Gestalten für die SPD:
rot, Balken, weiter vorn.
SPD-Rezept: Lustiger Name, serviert
auf Cyan an gelbem Balken.
SPD auf dem Kiez: Papierpiercings,
Augenklappe und tiefmagenta
CDU: Nach dem OlevanBeust-Gelb
nun Tiefblauseriös: Kann mehr
CDU vollkommen blau:
Ein Mann mit fünf Stimmen.
Auch sehr blau. Aber Hamburg muss.
(Kann man nix machen)
Die Linke zuverlässig:
Schwarzweißmalerei mit viel Rot
Cosmopolitan und Regenbogen.
Ist aber FDP.
Neue Modeideen, Chic in Farbe
FDP gibt Meinung vor:
Wind von rechts weglächeln.
Da war doch noch was...






Prioritäten

Ein, zugegeben, blöder Titel für eine Geschichte.
(Ist aber auch schwierig, wenn die Geschichte da ist und man nie über einen Titel nachdenken wollte.)


Als Hans-Georg mich vor einigen Jahren an einem Abend im Juli anrief, waren gerade Schulferien.

(Wir kannten uns damals immerhin 25 Jahre. Ich hatte mit meinem Skizzenbuch am Rande eines Spielplatzes gesessen und Menschen gezeichnet, als er auf mich zukam und mir erzählte, er würde gerade ein Straßentheaterstück inszenieren und bräuchte noch wen, der das Plakat machen könnte und ob ich nicht Lust dazu hätte und auch dazu, abends zu ihm zum Essen zu kommen, da könnte man alles Nähere besprechen. Ein Österreicher, der mein Vater hätte sein können, der offen schwul war und angeblich Autor und Regisseur und auch sonst so was von interessant. Was für eine Nervensäge. Nur, ich habe nicht viele Freunde. Ich hatte auch damals nicht viele Freunde und deswegen hatte ich auch nichts Besseres vor, also sagte ich zu. So begann eine unglaublich anstrengende Freundschaft.)

Seine Stimme am Telefon war, wie üblich, fordernd: Ich müsse unbedingt zu ihm kommen, zum Abendessen. Ich wand mich.

(Noch am selben Abend erfuhr ich viel von ihm, wovon ich vieles abstrus fand. Dass er schwul war, beunruhigte mich nicht. Dass sein Freund mal gerade eben das Abitur hatte und bei der ersten Begegnung mit Hans-Georg in Ohnmacht gefallen sein sollte, schien mir übertrieben und ich fand auch, dass mich das nichts anging. Die Bücher, die er geschrieben haben wollte, glaubte ich erst, als sie später, beim Rauchen im Arbeitszimmer, im Regal standen. Während der nächste Joint gebaut wurde, forderte er mich auf, einen Text von ihm vorzulesen, den er, wie er sagte, gerade für den Enzensberger schrieb. Es war ein richtig guter Text. Ich schrieb damals noch nicht, aber lesen konnte ich. Und vorlesen auch. Und ich wurde neugierig auf ihn.)

Wie in letzter Zeit immer öfter, schaltete er nun auf Quängeln um. Er würde mich wirklich gern sehen. Ich hatte eigentlich keine Zeit.

(Ich machte das Plakat, und im Jahr darauf schaffte er es tatsächlich, mit zwanzig Amateuren jede Menge Szenen von Karl Valentin für die Straße zu inszenieren; ich spielte eine Hauptrolle beim Theaterbesuch, außerdem den Buchhändler Wanninger und einen Pressefotografen bei der Mondrakete. Auch ohne Aufträge war Hans-Georg ein vielbeschäftigter Mann. Er prozessierte erfolgreich gegen einen Zeitschriftenverlag, der seinen Text entstellt hatte und machte danach eine Party, die ihn gleich wieder in Schulden stürzte. Er setzte sich im RTL-Studio auf den „Heißen Stuhl“ und argumentierte dort listig für die Hanf-Freigabe. Er plante einen Hexenroman, den er nie schrieb. Er erwischte einen Fachbuchautor beim Abschreiben aus einem seiner älteren Bücher und kriegte so einen Vertrag für eine Neuauflage des eigenen Buches. Er wurde von dem jungen Freund verlassen und war bald darauf mit einem nicht weniger jungen Biologen aus der Schweiz zusammen, den er sehr liebte. Sehr öffentlich. So anmaßend, arrogant, charmant und rücksichtslos, wie Hans-Georg sich inszenierte, war er mir und anderen oft sehr, sehr peinlich. Er war immer laut. Fast immer.)

Ich legte die Hand auf den Hörer und sprach mit meiner Frau: Hans-Georg wäre dran, wolle mich unbedingt sehen. Jetzt mischte sich mein Sohn ein, der mit mir Lego spielen wollte, ich solle nicht wegfahren. Ich überlegte.

(Auch von dem Schweizer wurde Hans-Georg irgendwann verlassen. Danach verliebte er sich immer mal wieder und immer unsterblich. Manchmal blieben sie hinterher Freunde, manchmal wurde es ekelhaft, und sowieso wurde er älter. Es gab Abende, bei denen der Küchentisch nicht mehr vollbesetzt war. Abende, an denen ich einfach mal vorbeischaute, und wir saßen da, er legte sich eine Patience, ich zeichnete sein Küchenchaos, der CD-Player spielte seltene Jazzaufnahmen und keiner sagte was. Bei einer dieser stillen Gelegenheiten erzählte er mir, dass er eigentlich nichts wirklich gut könnte außer plaudern. Und ich sagte ihm nicht, dass es mir im Grunde ganz genauso ging, dass ich mich immer fühlte, als würden andere mich überschätzen. Er wusste das wohl auch so. Irgendwann, ein paar Jahre nach meiner Hochzeit, bei der er natürlich zu Gast war – Scheiß auf peinlich! – schrieb er seine Erinnerungen auf, die von der Kritik hochgelobt wurden. Als er sich an den zweiten Band machte, kam der Schlaganfall, und ich fragte mich, ob ich wohl noch drin vorkommen würde. Und ob ich das wollte.)


Hans-Georg, sagte ich. Ich glaube, ich kann heut wirklich nicht. Ich habe versprochen, dass ich heute Abend zu Hause bleibe, dass wir heute Lego spielen. Hans-Georg konnte so stur sein: Bitte. Komm.

(Nach dem Schlaganfall war er halbseitig gelähmt. Die Reha hatte er verweigert und darauf bestanden, so schnell wie möglich wieder in seine Wohnung zu kommen. Dort pflegte ihn Eckart, der schon seit Jahrzehnten die Wohnung mit ihm teilte. Hans-Georgs Witz war immer noch da, doch der war schärfer geworden, gnadenloser, ungeduldig. Auch, weil er nur noch denken und sprechen, aber nichts mehr schreiben konnte, die Hand steif, das Auge blind, es blieb nur Fernseher hören, rauchen, trinken, in die Plastikente pissen, ungeduldig sein. Und müde werden.)

Ich sagte ihm, ich hätte versprochen, heute in Familie zu machen. Morgen ja. Da könnte ich. Aber heute nein. Hans-Georg sagte mir, morgen, da wäre er tot.

(Er hätte keine Lust mehr, hatte er bei einem späteren Besuch gesagt. Und dann hatte er aufgehört zu essen, verweigerte, egal, wie lecker das auch sein mochte, was Eckart ihm kochte. Stattdessen trank er Prosecco, rauchte eine Pall Mall und viele Joints, gegen die Schmerzen, er wollte auch nicht mehr erklären. Weil ich ihn nur noch selten besuchte, sah ich die Veränderungen besonders deutlich und nahm sie doch umso weniger wahr. Meine Familie und ich lebten damals schon seit einigen Jahren am Stadtrand, Kinder brauchen Grün.)

Lass uns morgen telefonieren, sagte ich. Gut, sagte er. Und legte auf. Am nächsten Vormittag rief ich an und Eckart erzählte mir, dass Hans-Georg wohl irgendwann am frühen Morgen gestorben wäre. Er sähe so gelassen aus wie seit Jahren nicht.

(Ich vermisse ihn. Seit Jahren.)

Ich musste an den alten Witz denken, bei dem die Schwester zum Arzt sagt, der Hypochonder von Zimmer 14 wäre in der Nacht gestorben. Da sagt der Arzt: Jetzt übertreibt er aber. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass Hans-Georg ihn mir irgendwann erzählt hat.


*Angeregt und eingeladen von Christine Frohmann, habe ich diese Geschichte für ihre eBook-Textversammlung "1000 Tode schreiben" verfasst, die im Übrigen hier näher beschrieben wird.
Bitte kaufen: Wo sonst gibt es soviel Tod für nur 4,99?

Abschied von der Neuen Präpositionalen Küche

Leser. Lasst uns verspätet Abschied nehmen vom Meisterkoch Albert Bouley, der bereits im April 2013 verstorben ist und dennoch immer unvergessen sein wird als der Koch, der schwäbische Küche und die Leichtigkeit der französchen Nouvelle Cuisine auf unvergessene Weise zu neuer Raffinesse verband, ja, vereinigte.

Doch wollen wir heute nicht seiner Küche als vielmehr seiner Methode ihrer Beschreibung gedenken, die sich mit unerhörten Kombinationen von Attributen und Konjunktionen in unsere Hirne schlich – derart nachhaltig, dass heute manches ganz banale Rezept durch eine fast unanständige Orgie von Präpositionen zu wenn nicht Höherem, so allerwenigstens zu Höherpreisigem sich aufschwingt.

Nun fragt Ihr mit Recht, Leser, was mag ich wohl meinen? Der Antworten sind einige, und deren jede wiederum braucht nur zwei, drei Buchstaben:
An, auf, von sind die berühmtesten. Ich will das erklären.

Nehmt nur die weihnachtliche Entenbrust mit Orangensoße, reicht dazu auch Rotkohl in Blätterteig.
Mag sein, das Wasser läuft dem Gourmet schon jetzt im Mund zusammen, doch steigert sich die Vorfreude zum Sturzbach aus Speichel, wenn wir stattdessen sagen:
Entenbrust an Orangensauce, dazu Rotkraut auf einem Bett von Blätterteig
...an...auf...von... perlt es von der Speisekarte, die übrigen Zutaten sind schon ganz egal, und ist am Ende noch vom Bett die Rede, freut sich der ganz und gar entmenschte Appetit gleich auf oral dem Gaumen zugefügte Orgien, ja Orgasmen des Geschmacks.
Doch ach, verkommen längst sind die einst so verführerischen Einsilber, gesunken, ja gefallen sind sie und dienen heute auch dem übelsten Kellenschwenker als allseitig verfügbare Huren, Vetteln  und Schlampen, die libidinös zwar noch klingen, doch das Aroma von Frittenfett, den Gestank des faulig sich nahenden Todes, kaum mehr zu bedecken vermögen.
So las ich jüngst in einer kulinarisch gemeinten Kritik eines griechischen Restaurants:
Fleisch an Fleisch auf einem Bett aus Fleisch
Zwar war ich geneigt, diese Schlagzeile als Parodie zu würdigen, doch andererseits machte sie mir auch den Ennui deutlich, der mir an solchen Beschreibungen auf Speisekarten von mediokren Restaurationsbetrieben erwachsen ist.
Will sagen, ich sehne mich nach einer neuen Entdeckung des ganz Einfachen. Konzentriert Euch auf das, was Ihr könnt, liebe Köche. Kocht raffiniert, meinethalben. Aber formuliert einfach. Und erspart uns Essern die ewigen Variationen von Intermezzi auf Betten von Plattüden.

Denn das ist, seien wir ehrlich, Quatsch mit Soße.
Oder, wie Boley selig geschrieben hätte, wenn er nicht tot wäre:
Quatsch an Sauce.




Unaufgeräumte Gedanken zu PEGIDA

Ich habe mir mal das Positionspapier der PEGIDA* angeschaut. Auch, um mir nicht mehr vorwerfen zu lassen, ich würde mich nicht mit diesen besorgten Bürgern auseinander setzen wollen. Hier also meine unaufgeräumten Kommentare dazu.
POSITIONSPAPIER der PEGIDA
Die Punkte sind nicht nach Wichtigkeit sortiert!
1. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!
Ach so. Klingt gut. Kommt aber irgendwie bei Euren Demos nicht so richtig rüber. Ist Euch dann wohl eher unwichtig, was?
2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!
Ist Integration laut Grundgesetz verboten? Und wie, bitte, ist der Begriff überhaupt zu verstehen?
Da seid ihr im Positionspapier noch etwas schwammig. Die Teilnehmer der Demos sind da deutlich genauer.
3. PEGIDA ist FÜR dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!
Dezentral heißt in diesem Fall wohl: möglichst weit weg von dem teilweise menschenunwürdigen Dresden, richtig?
4. 4. PEGIDA ist FÜR einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)
Also eine Art europaweiter Länderasylantenausgleich, ja? Na dann, liebe Dresdener stellt Euch mal auf mehr Asylanten ein als euch jetzt schon Angst machen.
5. PEGIDA ist FÜR eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca.200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)
Bitte mal erklären: Mehr oder weniger Betreuer? Und sind jetzt die Asylsuchenden traumatisiert oder die Sozialarbeiter?
6. PEGIDA ist FÜR ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, FÜR eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!
Den letzte Teil unterschreibe ich: ....schnellere Integration ermöglichen! (Sobald wir uns einig sind, dass Integration nicht das Schimpfwort wird, zu dem Ihr es gerade hinpervertiert.)
7. PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!
Mehr Stöcke für Polizisten? Wozu? Hat doch jeder nur zwei Hände... Und die Organisation SELBIGER kenn ich jetzt nicht.
8. PEGIDA ist FÜR die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!
Die werden doch schon so sehr ausgeschöpft und umgesetzt, dass man das kalte Kotzen kriegen kann.
9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!
Heißt übersetzt: mit allen anderen Straftätern – und die sind ja relativ und absolut deutlich in der Überzahl – sollte also etwas lockerer umgegangen werden. Verständlich, vor allem aus Sicht Eurer Organistaoren.
10. PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!
Finde ich, wie folgend verstanden, sehr gut: Gegen männlich dominierte Vorständsetagen bei Unternehmen wie z.B. Krauss-Maffei Wegmann, für friedliche Muslime.
11. PEGIDA ist FÜR eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas! 
Nordkorea, Lummerland, Mond habt Ihr vergessen.
12. PEGIDA ist FÜR sexuelle Selbstbestimmung!
Näheres regelt wahrscheinlich Punkt 13, nach dem Motto: ich bin am Ort das größte Schwein, ich lass mich mit nem Muslim ein. Mein Vorschlag: fuck yourself.
13. PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!
Schwurbel. Ganz schlimmer Schwurbel. Fällt mit sonst nichts zu ein.
14. PEGIDA ist FÜR die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!
Die Schweizer haben ja gerade den Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen (z.B. aus Deutschland) genehmigt. Das habt Ihr schon mitgekriegt, oder?
15. PEGIDA ist GEGEN Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK
NPD ist ja erlaubt, also da ginge das in Ordnung? Oder meint das im Umkehrschluss, dass das Verbot z.B. der PKK endlich aufgehoben werden sollte? Dann bin ich dabei.
16. PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.
Wenn ich Eure Aktivitäten genauer angucke: – sehe ich da etwa eine Parallelgesellschaft? (Übrigens ist Hummus ein leckeres Parallelgericht, das ich mir gern mal schmecken lasse.)

17. PEGIDA ist GEGEN dieses wahnwitzige "Gender Mainstreaming", auch oft "Genderisierung" genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!
Wo Ihr gerade am Formulieren wahnwitziger, zwanghafter Ideen wart, musste die auch noch mit rein, gell? Da hat's euch wohl endgültig ein bisschen aus der Rechtskurve getragen. 
18. PEGIDA ist GEGEN Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!
Und, wo ihr gerade dabei seid, seid Ihr auch gleich noch GEGEN Zeichensetzung egal ob grammatisch oder interpunktuell motiviert. Aber FÜR, und zwar SOWAS VON FÜR, Grossbuchstaben. Und Ausrufungszeichen!
19. PEGIDA ist GEGEN Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!
Sehr gut, dann schickt doch beim nächsten mal den einen oder anderen Teilnehmer Eurer Demonstrationen nach Hause. (Nanu? Wo seid Ihr denn alle?)

Was bleibt: Ich hab mich auseinandergesetzt. Und tu es auch weiterhin. So weit auseinander, wie's nur irgend geht.



*Alle Originalaussagen des Positionspapiers wurde zur besseren Kenntlichmachung braun gefärbt.

Stellenangebot: Kann ich die Mitte noch mal hören?

Ich kann nicht anders. Ich muss mich mal eben ein bisschen échauffieren über eine Stellenanzeige, die das ganze Elend der modernen Arbeitswelt auf einen so unglaublisch unscharf und schmierig verwischten Punkt bringt, wie es keine Parodie je könnte.

Ich bitte Euch also, liebe Leser, sich bei dem folgenden Originaltext eines Stellenangebots zwischendurch zu fragen, worum es wohl gehen könnte.

(Mag sein, dass meine Wahrnehmung ein bisschen verdorben ist: Vor Jahren war ich mal – und nur einmal – in einem Frisiersalon von Vidal Sassoon und wurde gebeten, zu warten, mein Art Director käme gleich. Es war dann doch nur ein Friseur, aber eben einer bei Vidal Sassoon.)

Aber jetzt los: Hier also das Stellenangebot, das ich heute per Mail von Stepstone bekam, formuliert und veröffnetlicht durch eine – Pest und Hölle über auch diesen völlig pervertierten Begriff – Unternehmensberatung:
Unser Klient ist ein erfolgreiches mittelständisches, international agierendes Unternehmen. Wachstum, Top Produkte mit sehr hohem Qualitätsstandard und bestes Image in der Branche zeichnen unseren Klienten aus. Im Rahmen der Expansion unseres Klienten suchen wir nun im exklusiven Alleinauftrag für den Standort München eine/n:

Kreativdirektor · Creative Director m/w

Die Position
Sie tragen die Verantwortung für den technologischen Fortschritt des Unternehmens. Als Kreativdirektor sichern Sie die Marktposition als Innovationsführer in der Branche. Sie verantworten - unter Berücksichtigung der Kosten - den gesamten Innovations- und Produktentwicklungsprozess, führen und motivieren Ihre Mitarbeiter, gewinnen neue, kreative Köpfe für das Unternehmen und binden Ihr gesamtes Team langfristig ans Unternehmen.

Kernaufgaben:
  • Sie liefern in enger Abstimmung und direktem Reporting an die Geschäftsführung die entscheidenden Impulse für die zukünftige Entwicklungsstrategie und Produktpolitik
  • Sie befüllen die Produktpipeline, leiten die strategischen Entwicklungsprojekte, entwickeln Zeit- und Budgetvorgaben und garantieren ein wirtschaftliches Arbeiten Ihres Bereichs
  • Sie arbeiten eng mit Kunden zusammen, um Konzepte und Produktideen zu generieren, zu validieren und Praxistests durchzuführen
  • Sie führen einen stringenten Innovations- und Produktentwicklungsprozess ein, von der Ideenfindung über die technische Umsetzung bis hin zur Integration in die Produktion
  • Sie beobachten Markt und Wettbewerb
  • Sie vertreten das Unternehmen in Gremien und Branchenverbänden
  • Sie führen Trendscoutings durch
  • Sie führen ein Team von derzeit ca. 15 Mitarbeitern
  • Bereichs-Prokura sowie Budgetverantwortung für F & E
  • Enge Zusammenarbeit mit den internen Abteilungen, wie Produktion, Einkauf, Marketing und Vertrieb
Zitat Ende.

Und nun die Quizfrage: Geht es um IT? Maschinenbau? Elektrische Kartoffelschäler? Eine Schnellschusterei? Oder ist das irgendein Friseurbedarfshersteller? Oder doch nur der Filiallleiter von Vidal Sassoon?

Steinberg als Steinbruch

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 7. November 2014 veröffentlichte eine große, als Bildstrecke getarnte Reklame für Badezimmereinrichtungen, illustriert von Serge Bloch.

Badewanne von Bloch nach Steinberg.

Das waren mal wirklich originelle Bemalungen von Wannen, Kachelwänden und Badelaken, über die ich mich möglicherweise wirklich neu gefreut hätte, wäre die Grundidee nicht schlichtweg geklaut gewesen.
Und zwar bei einem meiner Lieblingszeichner, dem 1999 verstorbenen Saul Steinberg, der in den Fünfziger und Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so beliebt war, dass der Rowohlt-Verlag gleich mehrere Bücher von ihm veröffentlichte.


Badewanne von Steinberg
Viele Zeichner der folgenden Jahre kopierten seinen kargen Strich gewissenhaft, manche gleich gewissenlos: Ich denke dabei vor allem an den berühmten Titel des Magazin "The New Yorker".

New York von Steinberg
Den kenne ich in werweißwievielen Varianten schwächerer Zeichner kenne, mal als "The Hamburger" (ca. 1989 gab's den beim Hamburger Abendblatt, 2012 dann bei der Morgenpost) mal auch als Amsterdamer Weltsicht... – wahrscheinlich gibt es sogar ein Motiv "The Bielefelder."

Amsterdam nach Steinberg
Und jetzt hat's eben die Süddeutsche Zeitung getan. Ich mag das nicht. Ich mag vor allem nicht, dass der Name Saul Steinberg dabei nicht genannt wird. Ein schlichtes "Inspiriert durch" hätte es doch getan. Aber nein. Nichts.

Karton von Steinberg

Deshalb hier gleich zwei Appelle:
  • Ich wünsche mir, dass Saul Steinberg im Original wiederveröffentlicht wird. In Ausstellungen, Büchern und überhaupt. Und zwar alles von ihm.
  • Ich wünsche mir, dass die Plagiatoren in einen eigenen Karton gehen, den hinter sich zumachen und ihn sorgfältig mit Packband von innen abdichten. Ich kann diesen Me-Too-Müll nicht mehr sehen. Bzw. ich kann schon, aber ich will nicht.

Danke. Das war's auch schon.

*Monsieur Bloch ist offenbar ein guter und erfolgreicher Illustrator, aber egal.

Narrenhände an Blondinenbrüsten

Ja, ich gebe es zu, ich habe mir an den Möpsen von Daniela Katzenberger zu schaffen gemacht. Nicht, dass ich sie so überaus attraktiv fände, also die Frau Katzenberger, und ich mag ihr auch nicht allzu lange zuschauen oder -hören, wenn ihr denn plauderlings Wörter aus dem Mündchen fallen.
Andererseits hat sie mich inspiriert.
Aber Ihr seht es ja selbst, in der Presse, in der MoPo vom 22.10. 2014.



Neue Wörter, Folge 65: Gagaganz im Gegenteil!

Ich habe eben das Bad geputzt. (Um ehrlich zu sein, ich bin noch nicht fertig.) Und bei der Gelegenheit habe ich die leeren Shampoo- und Duschbad und sonstigen -Flaschen, Fläschchen und Tiegelchen weggeschmissen. (Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.) Dabei geriet mir auch so eine Dose in die Finger:

Zu den 48 Stunden Stinkeschutz hab ich mich ja schon mal an anderer Stelle in diesem Blog geäußert, dergstalt, dass ich nicht verstünde, ob man sich nicht  hin und wieder waschen und auch frische Sachen anziehen sollte. Ich geb zu, ich bin da etwas spießig.

An dieser Packung hat mich etwas ganz anderes irritiert. So sehr, dass ich auch noch mal im Netz, auf der Nivea-Website, nachgeschaut habe. Und da stand es auch:


Und, ist es wem aufgefallen? In der Aufzählung der Produktvorteile heißt es nämlich:
Anti-gelbe Fleckenbildung.
Anti-gelb wäre, nach meinem Verständnis der Farblehre eine Farbe, die Gelb neutralisiert.
Oder gar damit in Konflikt gerät, so wie bei Anti-Materie und Materie in Science-Fiction-Filmen. Also guck ich doch mal den Newtonschen Farbkreis an. Dem Gelb gegenüber liegt dort ein sattes Violett.

Würde also heißen:
Violette Fleckenbildung.

Naa, das kann's nicht sein. Falls es das wirklich bedeutet, muss die Firma Beiersdorf nämlich selbst mit Prügel rechnen und demzufolge mit violetter Fleckenbildung in den Gesichtren der zuständigen Marketingmitarbeiter...

...


Ich werde immer unsicherer. Was überhaupt ist Fleckenbildung?
"Allgemeinbildung", davon hab ich schon gehört. Aber schlaue Flecken?

Ich glaub, ich gehe weiter putzen. Und die pfiffigen Dreckbatzen wisch ich alle, alle schnell weg, ehe sie anfangen, mit mir diskutieren zu wollen...



Siehmaleineran, Hörzu!

Mein Köterplakat (1984),  Remake 2014

Schon vor eineinhalb Jahre  habe ich mich hier über eine Plakatkampagne der Fernsehzeitschrift Hörzu ausgelassen, die irgendwelche Prominenten zeigt, und sie kennzeichnet mit "Eine/r, der/die Hörzu zuhause hat."
Die Kampgne ist topaktuell. Die Originalkampagne allerdings ist 30 Jahre alt: sie warb auch damals mit nahezu identischem Layout und gleicher Zeile für jenes Blatt, das damals sogar noch Deutschlauflagenstärkstes Programmheft war. (Heute nur noch erstes, nach dem Jahr der Gründung.)

Auch vor 30 Jahren war ich Grafik-Assistent in der damals zuständigen Agentur. Und einer meiner erste Jobs war das Scribbeln von Motiven für die errwähnte Reklame. Ein Motiv wurde realisiert:
Ein großer Hund hält das zusammengerollte Magazin in der Schnauze.
Drunter steht "Einer, der Hörzu nach Hause tragt." Das Bild fand sich auf Tragetaschen und Plakaten.

30 Jahre später:
Die Hörzu ist inzwischen von Springer an die Funke-Gruppe vertickt.
Der damals fotografierte Hund ist lange tot.
Die damals zuständige Agentur ist verkauft, umbenannt, weg.

Aber die Idee ist gut.
Also hat die heute zuständige Agentur einen neuen geknipst...

Wow bzw. Wau. 
Irgendwie blöd, dass nur der Hund bereits verstorben ist.
Ich lebe noch. Ich bin immer noch eitel.
Und mein Gedächtnis ist auch noch ganz gut beieinander.