Bild schön: Hamburger Sommer 2013

Man sollte ja immer macht das Beste draus machen.
Zum Beispiel eine Illustration.

© Thies Thiessen 2013

Der Vollständigkeit halber (und, weil mir die Vorstufen dieser Illustration so gut gefallen, dass ich sie auch gern zeigen möchte): Es hat die ganze Nacht geregnet. Auch heute früh um sechs regnete es noch. Und um sieben. Um halb acht, als es natürlich immer noch regnete, fand ich plötzlich, der rosagraue Himmel sähe eigentlich ganz schön aus. Und, dass ich das zu einem Bild machen sollte.
Also habe ich mir eine Skizze dafür gamcht. Mit Kuli auf Post-It.


Eine halbe Stunde später habe ich das iPad genommen, Adobe Ideas geöffnet und losgelegt.
Den Baum (also die schwurbelige Linie auf dem Post-It) habe ich weggelassen



Eine dreiviertel Stunde danach habe ich das fertige Bild durch eine Bildbearbeitungsapp (iColorama) gejagt. Da sah's dann sehr richtig aus. Also nicht so schön.


Deswegen habe ich diese Illu mit der App Thumba insoweit behübscht, dass sozusagen gedachte Tröpfchen auf der gedachten Fensterscheibe zaubrische Reflexe liefern. Siehe oben.


Durcheinander, anonymisiert.

Was tun, wenn ziemlich vielen und nicht durchweg erfreuliche Veränderungen anstehen? Da muss man sich einfach mal gemeinsam hinsetzen und ganz nüchtern drüber nachdenken und aufschreiben, was ist bzw. wird. Irgendwas wird schon dabei herauskommen.

Geht doch. Und wenn's 'ne Skizze ist.
© Thies Thiessen 2013 (Für Großansicht klicken)


Nur hier und ganz gratis: Der Krimi-Klappentext-Generator*

Für alle kommenden Skandinavienkrimis hier schon mal alle kommenden Werbetexte.  
Im winterlichen/schwülen/regnerischen
Tromsø/Stockholm/Dikkebåkken
tötet ein wahnsinniger/fanatischer/perverser/hochintelligenter
Serienmörder/Mediziner/Gärtner/
auf bestialische/grausame/unangenehme Weise.
Seine Opfer sind stets/immer/fast ausnahmslos
junge/alte/blinde
Frauen/Börsenmakler/Obdachlose.
Auf der fieberhaften/angstgeschwängerten/nächtlichen Jagd
nach dem unheimlichen/geheimnisvollen/brutalen
"Eismann"/"Warzenschwan"/"Käpt'n Iglu"
kämpft/wühlt/schnüffelt
sich der alkoholkranke/diabetische/hochverschuldete
Kommissar/Privatdetektiv/Antiquar
Klåppentekst/Gøring/Lönnebergå
durch ein Labyrinth/Wirrwarr/Nachtschränkchen
aus Verdächtigungen und falschen Fährten/Hinweisen/Umleitungsschildern.
Immer neue Morde/Gewaltakte/Bluttaten geschehen.
Als Klåppentekst/Gøring/Lönnebergå 
ins Visier/auf die Todesliste/auf die Spur des Killers kommt,
entwickelt sich/beginnt/entbrennt
ein gnadenloses/blutiges/tödliches Duell.
Die Presse schreibt:
"Der beste/aufregendste/kontroverseste
Krimi des Jahres/Jahrzehnts/Erfolgsautors,
eine großartige/spektakuläre/schweißtreibende
Symphonie/Kakophonie/Ballade
des Schreckens/Grauens/Bösen."
          Bild/Stern/TZ/Apotheken-Umschau/Franz Beckenbauer
Also, einfach auswürfeln und draganddroppen.
(Und ansonsten haltet bloß die Klappen, Texter.)

*Unter anderem inspiriert durch den "Schneemann" von Jo Nesbø.

„Kreative, auf nach Hamburg! Republik Neuland"

Ja, genau so aufgesetzt ironisch und dennoch wuchtig lautet die Headline der umfangreichen "multi-channel-Kampagne" für das alljährliche festival des ADC*, die von "City Light Posters" bundesweit von über 11.000 Stellen wenn schon nicht Zeichen, so doch immerhin Ausrufezeichen setzt.
Republik hat 'ne Fahne
Das Design dieser Republik Neuland und auch die begleitende Kampagne zum Festival stammen von der Hamburger Designagentur Mutabor entwickelt, deren Inhaber dazu erklärt:
„Die Republik Neuland ist ein Bund von zehn souveränen kreativen Ländern – für jedes Land steht ein Stern in unserer Flagge: Digital-Land, Raumland, Designland usw. – in der Republik Neuland wie im ADC finden alle Kreativdisziplinen ihr Zuhause.“
Ah ja: Eine Republik für Ideen, deren zehn souveräne Bundesstaaten für alle Kreativdisziplinen eine Heimat bieten.  Einfach mal sacken lassen. (Und sich in der Zwischenzeit die unvermeidliche – und unausstehlich witzige Proklamation der Republik angucken oder sogar runterholen runterladen.)


Dann weiter:

Es werden nicht alle Disziplinen aufgezählt, das mag aber auch daran liegen, dass einige dieser Bundesstaaten zwar richtig viel Geld verdienen und dick und fett und stinkreich sind, aber eben auch ein bisschen unansehnlich und peinlich – als da sind zum Beispiel  Regalnasenland, Spamland und Sonderangebotsland, und natürlich, Funkspotanbrüll-Land und Teleshoppingland. Egal. Machen echte Staaten ja auch nicht anders. Warum sollen die Vereinigten Staaten der deutschen Reklame ihr eigenes Guantanamo nicht mal kurz totschweigen dürfen bzw. drüber wegfeiern. Ist schließlich ihres. Dürfen sie mit machen, was Sie wollen.  Vielleicht wird es nicht besser als der real existierenden Konsumismus – bunter wird es allemal.

Aber das nur nebenher.
Eigentlich möchte ich mich in diesem Beitrag mehr mit den Sachen befassen, die ja zumindest nominell Schwerpunkt dieses Blogs sind. Also mit Wörtern.
Lassen wir also die Plakate und die ganze Republik Neuland mal beiseite – auf die komm ich am Schluss noch mal kurz – und gucken auf die Texte, die z.B. die dazugehörige Website liefert. Ich habe also die Programmankündigung im Netz gelesen.
(Zwischenfrage eines unschuldigen ADC-Kleinmitglieds: Ach, Sie waren das?) 
Ja, allerdings. Das war ich. Und ich frage mich a) wer hat das getextet? und b) wer hat das abgenickt?

Auszüge gefällig? Bitte. (Farbige Hervorhebungen stammen von mir, um "die Stellen" sichtbar zu machen, wo sich sich nämlich eine Branche ganz besonders am eigenen Jargon, nun ja, befriedigt.)
Der ADC Kongress am 16. Mai spart eine Reise nach Silicon Valley. Für Marketingexperten und Kreative bietet der Kongress "The Power of Digital Ideas" am 16. Mai Insights, Know how und Inspiration. (Sprich: Inspeierrääischn.) Denn noch nie gab es in Deutschland so viele Toplevel-Keynote-Speaker aus der internationalen Digital-Elite.
Um 9 Uhr 30 ist Einlass, und der staunende Verbraucher kann erstmals die Superhelden der Werbung persönlich erleben**:
Es sprechen unter anderem "der Nike Fuelband-Creator und Gründer von R/GA über die nächsten 9 Jahre", "der Oscar-Winner für Hugo Cabaret", dann gibt's einen "Lunchbreak", danach betreten das Podium ein "weltweiter Head of Social" und "der Kopf hinter" , nach dem "Coffee Break" sind "der Brand Hacker" und "der Gestalter für innovative Lebenswelten"dran, außerdem die schlimmste Headline aller Zeiten (SchliHaZ): "Be.Here.Now: the future present of communication". 
Gottseidank ist dann zehn Minuten "Wrap-Up", und anschließend präsentiert eine "hochkarätige Jury" (Aaargh: Gibt es eine Vorschrift, wonach "hochkarätig" immer zu "Jury" stehen muss? Na also.) dies und das, was es in einen "etablierten Showcase" geschafft hat.

Außerdem und zu anderen Terminen im Rahmenprogramm: Design als Lead-Disziplin, neu in diesem Jahr: Storytelling. (Was, wie ich vermute, was komplette anderes und viel hipperes ist als die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, über die jeder halbwegs seriöse Journalist verfügt.) Schließlich noch "Top-Speaker", eine "interdisziplinäre Creative Boutique" und jede Menge weiteren hohl wohlklingenden Quatsch, der im nächsten Jahr schon wieder anders heißt.

Mein persönlicher Höhepunkt ist das Projekt ".eco - Stromsparen im Internet", und zwar als Idee und auch als Beschreibung:  Professor Günter Horntrich nämlich erklärt es auf der ADC-Website so:
„Strom sparen im Internet durch Reduktion von Datenmüll ist das vorausschauende Konzept von .eco. Kurzzeitig aktuelle Daten werden mit einem sogenannten Haltbarkeitsdatum versehen und dadurch unnützer Datenwachstum verhindert. .eco schafft Bewusstsein und sensibilisiert den Nutzer für die ökologischen Auswirkungen von Datenspeicherung.“
Okay. Auch mal sacken lassen.

Sprachlich ist das zwar nicht so ganz sauber, denunziativ zusammengekürzt heißt das wohl:
...schnell veraltende Daten werden früher gelöscht und dadurch werden der unnütze Datenwachstum verhindert...
Aber, um mit der beliebten ERGO-Versicherungsgruppe zu sprechen: die Idee ist gut.

Und ich bitte dringend um deren testweise Umsetzung auf der Website des ADC.
Nachdem der Verein in diesem Jahr schon gleich eine Republik ausgerufen hat, bleibt ihm hier auf Erden ja nicht mehr viel Raum für Ideen. Also müsste er im kommenden Jahr eigentlich ins All gehen.
Auf irgendeine abgehobene Umlaufbahn.

Ach, das wäre himmlisch.

Schlusswort und ganz im Ernst:  äasst sich etwas Eitleres, Sektiererischeres und gleichzeitig Strunzlangweiligeres denken als ausgerechnet die "Republik Neuland"? Sage mir keiner von denen je noch etwas gegen den Kirchentag und dessen bescheidenes Motto: Soviel du brauchst.


*Doch, ADC ist richtig geschrieben. Gemeint ist nämlich nicht der ähhnlich abgekürzet Autofahrerverein, sondern eben der Art Directors Club von (oder für, was weiß ich) Deutschland.
**kann er natürlich nicht, muss er sich nämlich erstmal leisten können. Wenn er denn will.
 

P.S. Ich sehe gerde, ich hab dazu schon mal geschimpft. Hier. 

Rewe Rätselhaft

Müsste es nicht, analog zu Begriffen wie "Tischler/Tischlerin" oder "Lehrer/Lehrerin", "Barhocker/Barhockerin" auf dem Plakat "Genussverbessererin" heißen? Denn die männliche Form ist doch wohl der "Genussverbesserer". Wobei das ebenso blöd aussieht wie's klingt.
Ich weiß es einfach nicht.  Irgendwas stört mich an dem Plakat. 


Aber wahrscheinlich bin ich sowieso der einzigste, der sich über so was Gedanken macht.

Helden. Echt?

Charles Bronson war ja, wie die wenigsten wissen, eine sehr warmherziger Mann. Seine  große Leidenschaft gehörte Angorakaninchen, die er in einem großzügig angelgeten, prkähnlichen Gelände züchtete. Gern erzählte er er von Fluffy, seinem ersten Angorakaninchen, dass er mit fünf Jahren aus einem Tierheim und somit vor der Abdeckerei rettete. Seitdem, so Bronson, habe er sein ganzen Tun der Hege und Pflege diesen einzigartig flauschigen Nagetieren gewidmet.
Die Schauspielerei betreibe er, wie ar dann ergänzte, nur, um dieses nicht ganz billige Tun finanzieren zu können. Und sogar bei den Dreharbeiten zu "The Magnificent Seven" habe er stets eine Karnickelfamilie in seinem Wohnwagen gehabt.
Ja, so war Charles Bronson wirklich. Und auf seine, ganz eigene, verträumte Weise war er vielleicht auch ein Held.

Nicht Charles Bronson,
vielleicht Heinz Bronson.
Aber als Cowboy oder Rächer – nein: er selbst war klug genug, einzugestehen, dass das doch nur Rollen wären. "Eigentlich kann ich weder reiten noch schießen. Und wenn ich mir nur vorstell, ich müsste Kaninchen oder überhaupt irgendetwas essen, das mich ansehen kann, dann seh ich rot."


Um so unverständlicher und empörender finde ich dieses aktuelle Lidl-Plakat zur Grillsaison. Mal ganz davon abgeshen, dass das nicht mal der echte Charles Bronson ist. Der ist nämlich seinem geliebten Fluffy längst in einen Himmel voller flauschiger Wölkchen gefolgt.

Traurig, das.

Auf mehrfachen Wunsch: Noch mehr Schreibregeln.

(Tatsächlich haben mich eine Reihe Leute gefragt, ob ich das nicht fortsetzen und vertiefen wollte. Meinetwegen.)