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AUDI (Beiträge zur Vorurteilspflege, 1. Lieferung)

So, das muss jetzt mal raus: Ich mag Audi nicht.
Das muss sogar gleich noch mal raus: Ich mag Audi nicht. Und ich will es auch gleich begründen.


1. Alle Audifahrer tragen jetzt Racing-Caps.
Findet Audi, und finden Audi-Fahrer. Es war wohl der mittlerweile untote Imperator des Volkswagen-Konzerns ("Winterkorn, ich bin dein Vater, aber das ist mir doch wurscht"), der vor etwa dreißig Jahren beschloss, die etwas betagteren Handelsvertreter aus ihrem Auto rauszuekeln, indem er es ihnen schwer und schwerer machte, den Hut bei der Fahrt aufzubehalten.
Der Dachhimmel hedenfalls wurde abgesenkt. Kein Platz mehr für den Hut und fürs Clopapier, das man als Handelsvertreter auf Überlandtour immer dabei haben sollte. 
Und das war erst der erste von vielen kleinen, gemeinen Schritten.


2. Audi hat angeblich alles erfunden.
Vor Audi gab es keinen Allradantrieb bei Autos.Sagt Audi.
Gab es nicht. Vor Audi ist auch kein Auto einen Skisprungschnaze raufgefahren. Musste es auch nicht. Audi hat den Antrib dann auch gleich Quattro genannt und sich damit seinen eigenen Namen für eine Pest schützen lassen, die längst jede Automarke angesteckt hat, eine Seuche, die Stadtrandpendlern damit Eindruck schinden wollen lässt, indem sie abends dem Kollegen erzählen, sie könnten mit ihrer kleinen Kiste jederzeit auch ins Gelände, "Allrad, vaschtehste? Klar fahr ich meistens uff der Straße, aba ick könnte je.da.zeit könnte ick. Allrad eben!" (Bierglas heben, einen kraftigen Schluck nehmen) "Is schon geil, det, also theoretisch."
Vor Audi gab es kein Aluminium. Audi hat Aluminium überhaupt erst entdeckt und gleich alles in seinen Karosserien verbaut. Spart Sprit, heißt es. Rostet nicht, heißt es. Ist aber auch verdammt schwer zu entsorgen und hat 'ne ganz schlimme Halbwertszeit. Aluminium ist regelrecht gefährlich, befördert es doch Alzheimer. Aber das macht den Audifahrern nichts aus. Sie selbst merken es ja zuletzt. Ich will das im Folgenden belegen:


3. Audi macht frühdement.
Auf der oben verlinkten Website der deutschen Alzheimer-Gesellschaft heißt es an einer Stelle: (...)Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür dass sich Aluminium bei Alzheimer- Patienten gehäuft an bestimmten Stellen des Organismus findet.(...)
Nun ist der Audi-Fahrer nachweislich fast komplett von Aluminium umgeben – und das hat fatale Folgen für das Kurzzeitgedächtnis. Noch nicht allzu lange zurückliegende Ereignisse und Erfahrung sind mit einem Mal und unwiederruflich verschwunden. (Zum Beispeil das, was man gelernt hat, als man den Führerschein machte.) Weg. Die armen jungen Menschen!
Auffällig bei dieser audi-induzierten Form der Hirnerweichung ist, dass vorwiegend Dinge aus dem Gedächtnis verschwindeen, die mit dem Autofahren zusammenhängen.
Zu Anfang vergisst der Patient nur vereinzelt, vor dem Abbiegen oder einem Spurwechsel zu blinken, aber nach einiger Zeit weiß er nicht mal mehr, wozu das Hebelchen da links am Lenkrad da ist. Auch die Anwendung der Bremse gerät nach und nach in Vergessenheit, und schließlich bleibt dem Fahrer nur ein Dämmerzustand, den er, so er ihn überhaupt registriert, mit groben Reizen zu bekämpfen sucht: Er betätigt Lupe und Lichthupe und lässt die Reifen beim Anfahren schmerzerfüllt aufkreischen. Da spürt sich der Erkrankte kurz, das bringt den weichen Bregen noch mal kurz zum Kochen.


4. Audi lässt BMW und sogar Mercedes sympathisch wirken.
Also sagenwarmal, fast. Und selbst "fast" geht gar nicht. Tatsächlich scheint es allmählich so, als wäre die früher bei Mercedes serienmäßig eingebaute Vorfahrt nun auch schon von Audi erst geklaut und dann als eigene Erfindung bezeichnet.
Während der Benz immer kleiner wird und plötzlich niedlich Smart heißt, baut Audi in seine Autos Leuchten ein, die einen bei Nacht regelrecht bedrohlich böse, angsterregend fixieren. BMW kauft sich einen Mini und macht den, nur um gegenzuhalten und aus alter Gewohnheit, dick und dicker.
Aber es hilft alles nicht.

Audi hat gewonnen. Gegen alle. Piëch gehabt, Ihr anderen. Bzw. eben gerade nicht.
Denn der Intrigator Imperator tritt gerade ab wird abgetreten.

Bis es soweit ist, bleibe ich dabei: Ich mag Audi nicht.

Nepal: Kein Bild und seine Geschichte

1996 war ich zum dritten und bisher letzen Mal in Kathmandu. Nicht um zu trekken und schon gar nicht um zu klettern – ich bin nicht so der Abenteurer – sondern um Kathmandu zu erleben, einen Platz, den ich vom ersten Besuch an empfunden (und bald auch genossen) habe wie das Ziel einer durchgeknallte Zeitreise.
Das Geschäft für moderne Unterhaltungselektronik, vor dem eine abgemagerte Kuh nach fressbarem Unrat suchte. Das "Old Vienna Inn", in dem junge Nepali in österreichische anmutender Tracht bestes Wiener Schnitzel (aus Büffelfleisch) servierten. Die wohl größte (ehemals Privat-) Bibliothek Asiens, in der ich unter vielen Schätzen eine Erstausgabe des Ulysses von James Joyce sah und auch andächtig durchblätterte – sie war von den Gängen fleißiger Holzwürmer durchzogen. Schließlich der dazu gehörige, halb verfallene Garten, den ich durch ein Tor betrat, bei dem auf einer Seite "Garden" stand und auf der andren "Dreams".  Und um den geht's hier.

Mein Lieblingsplatz 1996

Die Kaiser Library und der Garden of Dreams (so heißt er jetzt oder wieder) sind das Erbe von Field Marshal Kaiser Sumsher Rana (1892-1964), der beides 1920 im neoklassizistischen Stil errichten ließ.
Neoklassizistisch? Nepal? Allerdings.
Schließlich war der Feldmarschall in seiner Jugend einige Male in England gewesen und hatte von dort viele Anregungen für sein Wunschleben und eine große Unlust zu regieren mitgebracht. Also ließ er sich seine ganz persönliches Rückzugsgebiet bauen.

Nach seinem Tod mochte und konnte sich niemand aus ganzem Herzen darum kümmern und so verfiel die Bibliothek in eine Art Dornröschenschlaf, aus dem ihn auch die eher müden Beamten des später eingezogenen Bildungsministeriums nicht weckten.

Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde beides gründlich renoviert – im Jahr 1996 war alles noch sehr, sehr marod und wild romantisch. Der Garten war einer meiner Lieblingsplätze, an den ich mich öfter aus dem Stadttrubel zurückzog, um dort zu zeichnen.

Es gab dort auch einen Pavillon, der bei dem großen Erdbeben 1934 sehr gelitten hatte. Durch seine Rückwand zog sich ein tiefer Riss von unten nach oben. Der Feldmarschall hatte eine Idee für die Reparatur, die gut zu dem Kathmandu passt, das ich wahrgenomme habe: Er ließ den Riss schließen, aber so, dass er sichtbar blieb. Und an die Seiten dieses Risses ließ er Laub malen, also Blätter, die sozusagen aus dem in einen Trieb verwandelten Riss sprossen.

Ich habe dieses Bild in den letzten Wochen immer wieder im Kopf. Und ich ärgere mich ein wenig, dass ich es damals nicht abgezeichnet oder wenigstens fotografiert habe. Denn es ist ein kaum zu schlagendes Symbol für die Hoffnung und das Wiederaufstehen Kathmandus.

Es ist ein Zeichen für Hoffnung überhaupt.

In diesem Sinne lade ich meine Leserinnen und Leser ein, zu spenden.

Jetzt. Und hier:

Empfänger ADH & BEH
Commerzbank
IBAN DE53 200 400 600 200 400 600
Stichwort ARD: "Erdbeben Nepal"
BIC COBADEFFXXX

www.spendenkonto-nothilfe.de

Danke.

Prioritäten

Ein, zugegeben, blöder Titel für eine Geschichte.
(Ist aber auch schwierig, wenn die Geschichte da ist und man nie über einen Titel nachdenken wollte.)


Als Hans-Georg mich vor einigen Jahren an einem Abend im Juli anrief, waren gerade Schulferien.

(Wir kannten uns damals immerhin 25 Jahre. Ich hatte mit meinem Skizzenbuch am Rande eines Spielplatzes gesessen und Menschen gezeichnet, als er auf mich zukam und mir erzählte, er würde gerade ein Straßentheaterstück inszenieren und bräuchte noch wen, der das Plakat machen könnte und ob ich nicht Lust dazu hätte und auch dazu, abends zu ihm zum Essen zu kommen, da könnte man alles Nähere besprechen. Ein Österreicher, der mein Vater hätte sein können, der offen schwul war und angeblich Autor und Regisseur und auch sonst so was von interessant. Was für eine Nervensäge. Nur, ich habe nicht viele Freunde. Ich hatte auch damals nicht viele Freunde und deswegen hatte ich auch nichts Besseres vor, also sagte ich zu. So begann eine unglaublich anstrengende Freundschaft.)

Seine Stimme am Telefon war, wie üblich, fordernd: Ich müsse unbedingt zu ihm kommen, zum Abendessen. Ich wand mich.

(Noch am selben Abend erfuhr ich viel von ihm, wovon ich vieles abstrus fand. Dass er schwul war, beunruhigte mich nicht. Dass sein Freund mal gerade eben das Abitur hatte und bei der ersten Begegnung mit Hans-Georg in Ohnmacht gefallen sein sollte, schien mir übertrieben und ich fand auch, dass mich das nichts anging. Die Bücher, die er geschrieben haben wollte, glaubte ich erst, als sie später, beim Rauchen im Arbeitszimmer, im Regal standen. Während der nächste Joint gebaut wurde, forderte er mich auf, einen Text von ihm vorzulesen, den er, wie er sagte, gerade für den Enzensberger schrieb. Es war ein richtig guter Text. Ich schrieb damals noch nicht, aber lesen konnte ich. Und vorlesen auch. Und ich wurde neugierig auf ihn.)

Wie in letzter Zeit immer öfter, schaltete er nun auf Quängeln um. Er würde mich wirklich gern sehen. Ich hatte eigentlich keine Zeit.

(Ich machte das Plakat, und im Jahr darauf schaffte er es tatsächlich, mit zwanzig Amateuren jede Menge Szenen von Karl Valentin für die Straße zu inszenieren; ich spielte eine Hauptrolle beim Theaterbesuch, außerdem den Buchhändler Wanninger und einen Pressefotografen bei der Mondrakete. Auch ohne Aufträge war Hans-Georg ein vielbeschäftigter Mann. Er prozessierte erfolgreich gegen einen Zeitschriftenverlag, der seinen Text entstellt hatte und machte danach eine Party, die ihn gleich wieder in Schulden stürzte. Er setzte sich im RTL-Studio auf den „Heißen Stuhl“ und argumentierte dort listig für die Hanf-Freigabe. Er plante einen Hexenroman, den er nie schrieb. Er erwischte einen Fachbuchautor beim Abschreiben aus einem seiner älteren Bücher und kriegte so einen Vertrag für eine Neuauflage des eigenen Buches. Er wurde von dem jungen Freund verlassen und war bald darauf mit einem nicht weniger jungen Biologen aus der Schweiz zusammen, den er sehr liebte. Sehr öffentlich. So anmaßend, arrogant, charmant und rücksichtslos, wie Hans-Georg sich inszenierte, war er mir und anderen oft sehr, sehr peinlich. Er war immer laut. Fast immer.)

Ich legte die Hand auf den Hörer und sprach mit meiner Frau: Hans-Georg wäre dran, wolle mich unbedingt sehen. Jetzt mischte sich mein Sohn ein, der mit mir Lego spielen wollte, ich solle nicht wegfahren. Ich überlegte.

(Auch von dem Schweizer wurde Hans-Georg irgendwann verlassen. Danach verliebte er sich immer mal wieder und immer unsterblich. Manchmal blieben sie hinterher Freunde, manchmal wurde es ekelhaft, und sowieso wurde er älter. Es gab Abende, bei denen der Küchentisch nicht mehr vollbesetzt war. Abende, an denen ich einfach mal vorbeischaute, und wir saßen da, er legte sich eine Patience, ich zeichnete sein Küchenchaos, der CD-Player spielte seltene Jazzaufnahmen und keiner sagte was. Bei einer dieser stillen Gelegenheiten erzählte er mir, dass er eigentlich nichts wirklich gut könnte außer plaudern. Und ich sagte ihm nicht, dass es mir im Grunde ganz genauso ging, dass ich mich immer fühlte, als würden andere mich überschätzen. Er wusste das wohl auch so. Irgendwann, ein paar Jahre nach meiner Hochzeit, bei der er natürlich zu Gast war – Scheiß auf peinlich! – schrieb er seine Erinnerungen auf, die von der Kritik hochgelobt wurden. Als er sich an den zweiten Band machte, kam der Schlaganfall, und ich fragte mich, ob ich wohl noch drin vorkommen würde. Und ob ich das wollte.)


Hans-Georg, sagte ich. Ich glaube, ich kann heut wirklich nicht. Ich habe versprochen, dass ich heute Abend zu Hause bleibe, dass wir heute Lego spielen. Hans-Georg konnte so stur sein: Bitte. Komm.

(Nach dem Schlaganfall war er halbseitig gelähmt. Die Reha hatte er verweigert und darauf bestanden, so schnell wie möglich wieder in seine Wohnung zu kommen. Dort pflegte ihn Eckart, der schon seit Jahrzehnten die Wohnung mit ihm teilte. Hans-Georgs Witz war immer noch da, doch der war schärfer geworden, gnadenloser, ungeduldig. Auch, weil er nur noch denken und sprechen, aber nichts mehr schreiben konnte, die Hand steif, das Auge blind, es blieb nur Fernseher hören, rauchen, trinken, in die Plastikente pissen, ungeduldig sein. Und müde werden.)

Ich sagte ihm, ich hätte versprochen, heute in Familie zu machen. Morgen ja. Da könnte ich. Aber heute nein. Hans-Georg sagte mir, morgen, da wäre er tot.

(Er hätte keine Lust mehr, hatte er bei einem späteren Besuch gesagt. Und dann hatte er aufgehört zu essen, verweigerte, egal, wie lecker das auch sein mochte, was Eckart ihm kochte. Stattdessen trank er Prosecco, rauchte eine Pall Mall und viele Joints, gegen die Schmerzen, er wollte auch nicht mehr erklären. Weil ich ihn nur noch selten besuchte, sah ich die Veränderungen besonders deutlich und nahm sie doch umso weniger wahr. Meine Familie und ich lebten damals schon seit einigen Jahren am Stadtrand, Kinder brauchen Grün.)

Lass uns morgen telefonieren, sagte ich. Gut, sagte er. Und legte auf. Am nächsten Vormittag rief ich an und Eckart erzählte mir, dass Hans-Georg wohl irgendwann am frühen Morgen gestorben wäre. Er sähe so gelassen aus wie seit Jahren nicht.

(Ich vermisse ihn. Seit Jahren.)

Ich musste an den alten Witz denken, bei dem die Schwester zum Arzt sagt, der Hypochonder von Zimmer 14 wäre in der Nacht gestorben. Da sagt der Arzt: Jetzt übertreibt er aber. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass Hans-Georg ihn mir irgendwann erzählt hat.


*Angeregt und eingeladen von Christine Frohmann, habe ich diese Geschichte für ihre eBook-Textversammlung "1000 Tode schreiben" verfasst, die im Übrigen hier näher beschrieben wird.
Bitte kaufen: Wo sonst gibt es soviel Tod für nur 4,99?

Raus aus dem Gedächtnis!

Was in den Medien allmählich schon wieder (und wie üblich) abebbt in das Grundrauschen der gerade nicht aktuellen Katastrophenmeldungen, hat mich in den letzten Tagen immer mal wieder beschäftigt: Als die Berichterstattung über den Taifun auf den Philippinen noch angemessen sensationell war, sah ich nämlich ein Foto, das mich (bzw. ich) nicht losließ. Zu sehen war ein Schiff, wohl eine Jacht, jedenfalls ein weißer Bootsrumpf, den der Taifun in die Stadt Tacloban geworfen hatte, wo er nun in einem Meer von kleinstteiligen, nicht zu identifizierenden Trümmern zu schwimmen schien. Und ich musste mir vorstellen, woher die Trümmer stammten – von Kühlschränken, Küchenstühlen, Blumenvasen, Kindern,  Hausdächern, Kloschüsseln – meine Fantasie reichte gerade so weit, mir Stücke meines, unseres hiesigen Alltags vorzustellen. (Was weiß ich denn von den Philippinen?)
Das war auch mehr als genug, um meinen Kopf so weit zu füllen, dass ich dieses Bild auch wieder rausbekommen wollte. Da hab ich es dann drei Abende lang gezeichnet.

Tacloban (Aus dem Gedächtnis, nach einem Foto) 

Das Ergebnis ist ein widerwärtiges Suchbild. Wer will, kann die Möbel suchen und zählen, oder die Reifen oder die Toten. Wer nicht mag, stellt die Augen unscharf. Die nächste Meldung kommt bestimmt.

Schläft ein Lied in allen Dingen...

Ich muss das mal eben erzählen, nämlich, warum ich vor einigen Minuten beim Autoradiohören laut lachen musste:

Unser Hund hat immer wieder Schweirigkeiten mit der Analdrüse. Wofür auch immer dieses am Hintern von Hunden gelagerte Organ sonst zuständig sein mag, bei unserem Hund hat es die Funkton, regelmäßig zu verstopfen und ihm Schmerzen zu bereiten. Also fuhr ich mal wieder zum Tierarzt, Drüse putzen lassen. Was dem Hund natürlich auch wieder wehtut.
Danach, auf der Fahrt nach Hause, lief im Radio "Gangsta's Paradise", diese merkwürdige Rap-Version eines Stevie-Wonder-Titels. Und was sang/sprach der Sänger/Sprecher Coolio , unmittelbar, nachdem ich das Radio eingeschaltet hatte?

Genau das (– bitte laut lesen):  
...minute after minute, hour after hour...
Womit er unserem Hund vollkommen aus der Seele sprach.

Reise in mein Kino-Altertum

In diesem Post, geschrieben im April 2012, habe ich auf Kikis Frage geantwortet, was mein erstes Kinofilmerlebnis war. Prägend war auf jeden Fall die echt gruselige Medusa.

Ist das nicht ein schön gemalter Hintergrund?

Und von dieser Medusa kann man doch träumen, oder?
Bzw. muss man, wenn man sechs Jahre alt ist.
Ich habe also noch mal eine bisschen recherchiert und endlich, endlich den Film gefunden, er heißt im Original Perseo l'invincibile und ist ein Sandalen-/Monsterschinken von 1963.


Wer mehr sehen will: bei Youtube gibt's auch noch einen Ausschnitt daraus (grrrrusel...).

Hotzenplotz zum 50.

Herzlichen Glückwunsch, alter Räuber!

(Copyright wie üblich: bei mir und nur nur bei mir!)

Blasen, schlagen, holen, seufzen.


Bei näherer Betrachtung dieser Produktbeschreibung aus dem App-Store für iPhones fällt mir, ich weiß nicht warum, eine Szene aus dem wunderbaren Film "To have or have not" ein.  (Der Film ist übrigens echt schwer zu kriegen.) Da sagt doch die fast noch minderjährige Lauren Bacall zu Humphrey Bogart aufs wirklich Allerschamuzigste:
"You know how to whistle, don't you?
You just put your lips together and...
(Pause, dann, endlich:)
...blowww..."
Und man glaubt egalweg jedes Wort.
(Oder, mit den Worten des App-Stores: Auch wenn Ihr Gerät können Sie das)


(Dank an Babo für das Bild.)

1 Blog. 1.000 Posts. Jede Menge Jubel!

Ja! Es ist wahr:
Sie lesen gerade den eintausendsten Beitrag in diesem Blog.



Und jetzt ist er auch schon wieder vorbei.



So schnell geht das.  (Angebote zum Nachdruck, zur Verfilmung oder Bühneninszenierung oder zur Draganbaddropweiterverwertung für Doktorarbeiten oder Erstlingswerke werden übrigens ab sofort entgegengenommen.)

Die mordernste Partei!

Als ich mich heute durch die Statistik dieses Blogs blätterte, erfuhr ich, dass da jemand soeben einen Beitrag besucht hatte, der nun auch schon wieder vier Jahre her ist – und an den ich mich deshalb auch kaum mehr erinnern konnte. 
Also guckte ich mir den alten Kram noch mal an und probierte auch den Link in diesem Text – in der Annahme, dass er längst tot wäre. War er aber nicht.


Nach wie vor gilt also:
  1. Die FDP sucht und sucht und sucht Menschen, die sich öffentlich zur FDP  bekennen.
  2. Und es sollen am besten auch noch Menschen sein, die selbst denken.
Das und macht die Angelegenheit natürlich etwas schwierig. Demzufolge sind bis heute auch nur 318 Leute zusammengekommen – die vor lauter Selbstdenken kaum noch Zeit finden für korrekte Interpunktion und Orthografie kommen. (Von der bereits früher monierten Qualität der Fotos mal ganz abgesehen.)
Diese 318 Leute sind, so scheint es, auch die einzigen, die hin und wieder mal auf der Website vorbeischauen.

Das möchte ich ändern. Denn selbst, wenn die FDP mal irgendwann tot und Westerwelle der Empfehlung Christian Meurers gefolgt ist, Wetten-Dass-Moderator zu werden:  diese amüsante Seite sollte weiterleben.

Steinberg storniert, um Gorey beneidet

Gestern nachmittag habe ich mir via Booklooker ein lange gesuchtes Buch von Saul Steinberg bestellt.
Der vermittelte Buchhändler sandte mir noch am Abend eine Mail, dass ein anderer Verehrer leider schneller gewesen wäre, er also leider undsoweiter...

Die Mail blieb in meinem Spamfilter hängen, weshalb ich heute früh bzgl. der Zahlungsmodalitäten bei ihm anrief, nachdem ich ein bisschen auf seiner Website gestöbert hatte, die ihn als einen Edward-Gorey-Fanatiker ausweist.

Nach der offizellen Mitteilung, dass es mit Steinberg leider nichts würde, plauderten wir noch ein bisschen über Gorey und ich erzählte, dass ich ein Buch von ihm hätte, dass zwar signiert wäre und sogar eine Widmung für einen gewissen Herbert Tews trüge, ich aber nicht wüsste, ob wirklich der Meister selbst das geschrieben hätte.


Da horchte der Antiquar auf: Denn wenn dem so ist, habe ich da einen echten kleinen Schatz.

Also habe ich die betreffende Seite gescannt und gemailt.

Hier die Antwort:
Definitiv echt!
Glückwunsch!
Neid! :-)
Was für ein schönes Erlebnis mit einem freundlichen Herrn an einem regnerischen Vormittag!



Nachtrag (am 19.10.2011):

Ich habe noch einen Link
bekommen, und dort gibt es
ein Foto des Antiquars
in einem von E. Goreys
bodenlangen Pelzmänteln.
(hire zu sehen).
Sage also niemand,
nur Engländer
wären exzentrisch.
Gorey war Amerikaner,
der Antiquar kommt
aus Düsseldorf. 

Textinator

Nachdem ich schon diverse Apps auf meinem Rechner habe, die gemeinsam einen durchschnittlichen ausgebildeten Mediengestalter komplett ersetzen können, habe ich jetzt Angst, dass es demnächst auch die umfassende Texter-App gibt. Wie das aussieht, habe ich hier, in meinem Büro, schon mal mit Boardmitteln simuliert:


Ist doch zum Fürchten, oder?

Mängel, exemplarisch

Hatte ich schon erwähnt, dass ich gern lese? Dass ich, um genauer und dabei unfreundlich mit mir zu sein, schon gegen Betonpoller gelaufen bin und mir das Schienbein blutig gestoßen habe, nur weil ich ein Buch vor der Nase hatte?
Dabei bin ich durchaus wählerisch: ich lese gern fast alles, von den MickyMaus-Heften meines Sohnes (bei denen mich die comicfreien "Magazin"-Elemente nerven) bis zur Hochliteratur, ja doch: Dostojewski, Joyce, Arno Schmidt hab ich, z.T. mit Amüsement, probiert, hängengeblieben bin ich bei Autoren  der "Neuen Frankfurter Schule", auch bei Julian Barnes, bei Flann O'Brien, selbst wenn er grad mal nicht von Harry Rowohlt übersetzt wurde, was früher vorkam.

Was daran wählerisch ist?
1. Wenn ich merke., dass die Übersetzung schlecht ist, wenn die Zeichnungen Dreck sind, dann regt mich das auf oder – im besseren Fall, ich werf den Kram ins Altpapier.
2. Grundsätzlich habe ich keine Lust mehr, mit Paperbacks ins Regal zu stellen, von denen viele immer noch erschreckend schlecht verarbeitet sind, will sagen: ich will nur "echte" Bücher haben. Was mir sonst so unter die Augen kommt, wird eben so mit weggelesen und danach -geschmissen oder -geschenkt. 

Natürlich weiß ich, dass ein haptisch unschönes Buch inhaltlich durchaus was wert sein kann. Aber
wenn man an die vierzig Jahre gewohnheitsmäßig liest, fällt einem allmählich auch mal was auf die Nerven. Das sind bei mir inzwischen besonders die Auswüchse der RemittendenRamschpest, deren eitrig stinkende Beulen mittlerweile in jedem Buchladen in die €-2,99-Schütten hineinplatzen.

Als schwer verkäuflich abgestempelt: Das tut weh.

Früher war das noch nicht ganz so verbreitet: Remittenden, darunter auch viele wertvolle und gut gemachte Liegenbleiber,  kamen zu Wohltat's Buchhandlung oder zu 2001in Quarantäne, wurden dort wegkuriert und fertig. Da hab ich gern Reste* gekauft. Heute geht das schneller und massiver: Stempel auf den Anschnitt! Kratzer oder Filzerstrich auf die Rückseite! Fertig ist das Mängelexemplar, das nun günstiger vertickt werden kann!

Zerkratzt, zerschnitten, für immer entstellt.

Und dann leide ich ein bißchen mit dem Autor und der Reduzierung seiner Tantieme. Und ich sage mir, dass ich weder Filzerstrich noch Kratzer auf einem Buch in MEINEM Regal haben möchte. Und dann kaufe ich's doch und  siehe oben – lese es weg und danke.

Doch nichtsdestotrotz – gibt es einen augenfälligeren und trauriger machenden Beleg dafür, dass Bücher eben auch nur eine Ware  und dass Hirnschmalz Grammweise und mit Verfallsdatum gehandelt wird? Wem sage ich das? Ich bin Werbetexter.



*Nicht, dass ich das immer geschätzt hätte: Die Bücher des Schweizer Haffmans Verlags landeten gegen Ende seiner Existenz schon in atemberaubender Geschwindigkeit bei 2001 im Katalog. Nur einmal in dieser Zeit habe ich ein Haffmans-Buch zum regulären Preis gekauft: "Bernsteins großes Buch der Zeichnerei" kaufte ich zum Subskriptionspreis von (wenn ich mich recht erinnere) 98 Mark. Einige Zeit darauf gab's auch das bei 2001für deutlich kleineres Geld. Von da an hebe ich die letzten Haffmans-Bücher nur noch bei 2001 und billig gekauft. Nur konsequent, dass der Versand inzwischen gleich den ganzen Verleger gekauft hat.

Mein letztes Wort zu Xavier Naidoo


(Wenn die Kapuzenjacke ein bisschen klein aussieht, liegt das daran, dass sie zu klein ist – sie gehört meinem Sohn. Ansonsten komm ich damit und mit der verspiegelten Sonnenbrille doch mindestens so authentisch rüber wie der Hl. Xavier, oder? Ich mein', wegen der Street Credibility.)

Kleine eitle Zwischenfrage

Seit 2006 bastele ich  an diesem Blog rum und habe es, nach Aussage von Google, auf etwa monatlich 2.700 Besuche auf dem Blog geschafft – und dennoch hab ich was zu nörgeln:
Ich weiß nämlich – mit ganz, ganz, wenigen, hoch zu lobenden Ausnahmen – nicht, wer mich da überhaupt besucht. Und wie und was er bzw. sie beim Besuch des Blogs so denkt, falls er bzw. sie das überhaupt  tut. Kann ja auch sein, dass nur irgendwelche halbautomatischen IT-Konstrukte vorbeischauen, damit ich mir was drauf einbilde. Oder einer, der mich trösten will, klickt am Tag an die 90 Mal auf sein Lesezeichen.

Was ich damit sagen will: Dieser Blog hat eine Kommentarfunktion, lädt also dazu ein, dass sich auch die Leser (so vorhanden) äußern. Also, streichelt meine Eitelkeit, wir Künstler, wir brauchen das.


Seid Ihr so lieb?

Danke.

Find ich super, echt.

Ein Bild und sein Gedicht

Eine Doppelleidenschaft ist manchmal problematisch, insbesondere, wenn man (beispielsweise) einem prospektiven Kunden erklären muss, ja, durchaus: man sei natürlich Werbetexter und schreibe auch schon seit jahren professionell, anderererseits habe man eine Ausbildung zum Graphik-Designer erfolgreich abgeschlossen und seither immer wieder auch hier gewildert, weil das eine ohne das andere eben auch nicht wirklich ginge... – und zart genervt schiebt der Kunde sine Schublade wieder zu, in die er den Lieferanten so gern gepackt hätte und er fragt sich insgeheim, was er mit diesem unaufgeräumten Menschen anfangen soll.

Eine Doppelleidenschaft kann  natürlich auch Freude machen.
Die hier wiedergegebene Zeichnung vom März 2010 zeigt einen etwas überfüllten Obstkorb, was mich dann auch gleich anregte, ein Gedicht drunterzuschreiben, das ich hier, zusammen mit der Zeichnung, leserlich und leicht überarbeitet wiedergebe.

© Thies Thiessen 2010 / 2011

Du großer, runder Haufen Obst,
Wie wild du aufeinander tobst:
Da links krümmt sich Banane – nicht mehr frisch,
Er hat ne schlimme Fahne (riech ich Fisch?) –
Geil auf die alte Mango: Ekelhaft!
Die dehnt sich wie beim Tango: räkelhaft!
Dabei sehnt sich Orange 
Nach Mango schon so lange  –
dann nimmt er sich halt Apfel
und steckt ihr rein den Za... ach nee.


(Hier bricht das Gedicht unvermittelt ab. Mit Recht übrigens, und ich gestehe  ein, dass dieses unausgegorene Gereime nicht so nachdenklich ist, wie man gemeinhin gerade von Amateurgedichten erwarten sollte: Lyrik ist, ich weiß, ein hartes Geschäft. Auch die Metaphorik ist, so gesehen, fragwürdig – aber damit muss und kann ich prima leben.)

Mein letztes Wort zu Loriot. (Versprochen!)

Mit spitzer Feder und liebevollem Blick durch die heitere Lupe spießte er er unsere menschlichen und allzumenschlichen Schwächen und schenkte uns sein Lächeln mit einer warmherzigen Träne im Knopfloch.
Wer erinnert sich nicht an den berühmten Sketch Das Eigenheim: "Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen."  Wer kennt nicht Die Silvesterparty: "Ich bin ein Berliner." Oder die Humoreske Im Swingerclub: "Das Fleisch ist gut!" Gar nicht zu reden von Martin Luther in Nöten: "Ich habe einen Traum."
Wer also könnte nicht Sätze, ja, ganze Passagen dieser unsterblichen Szenen aus dem Stegreif zitieren. Und vor allem, wer täte es nicht? Leider niemand. Und so werden wir wohl noch auf Jahre und Jahrzehnte unter dieser besonders penetranten Form von Partyunterhaltung leiden.
Trotzdem danke, Loriot.

Grün, gelb, rot.

Seit heute früh ist klar, jedenfalls in Hamburg: Es wird Herbst. Das noch vor ein paar Tagen entschlossene Grün der Bäume und Büsche wird matter, unsauber, durchmischt von ersten gelblich-braunen Blattspitzen und vereinzelt ins Rote spielendem Laub.
Übrigens: Weiß wer, wie diese Pusteblume heißt,
die eben kein Löwenzahn ist? Ich habe sie heute früh gefunden.
Allerdings sind Gelb und Rot noch nicht kräftig genug, um selbst einen klaren Akzent zu setzen, um zu verkünden: So! Wir sind jetzt da. Sie mogeln sich allmählich dazwischen. Aber mich können sie nicht täuschen: Der Herbst kommt.

Dringender Buchtipp!

Fiel mir gerade ein im Laufe eines mäandernden Telefonats mit meinem CoAutor M. Porneaux, den ich von hier herzlich grüße: Ich hab da ein Buch im Regal stehen, das ich wegen seiner ungewöhnlichen Fotos liebe – und wegen des tiefen Enstes, mit dem hier Spaß und Freude organisiert und zelebriert werden.

Ja, das macht Laune!
Der Bingo-Tanz.

Ich weiß nicht, ob Sie das Werk noch im Buchhandel erhalten, denn es ist bereits im Jahr der Schleyer-Entführung erschienen, also schon ein paar Jahre älter. 
Aber sind wir das nicht alle? Und lassen wir uns deshalb die gute Laune verhageln? Eben!