Es ist angerichtet.

Sogar noch und bevorzugt auf den Dosen mit den ganz fiesen günstigen Ravioli strahlt dem Betrachter ein herrliches angerichtetes Menue so appetitlich fotografiert entgegen, dass die hungrigen Rezeptoren sein feines Aroma riechen können, die Haut vom Dampf des frisch Gegarten befeuchtet zu werden vermeint, das Wasser im Munde zu Sturzbächen sich ergießt – und doch: nie wird dies mit Photoshop und Mehrfarbdruck so überhöhte Ideal durch die tasächliche Pampe auch nur auf Sichtweite erreicht. S’ist nämlich alles nur ein
Serviervorschlag.

So dramatisch dies, so viel dramatischer noch,
was ich gestern am Abend fernsehen durfte:

Da strichen zarte Hände ein kosmetisches Produkt zur Faltenreduktion auf schlaffe, schrundig von vielen Krähenfüßen arg zertret'ne Haut, und in Sekunden glättete sich die ehedem so stark plissierte Augenzone zu jugendfrischem, wenn auch etwas ausdruckslosem Zwinkern.
Schon schreit mein Eh’weib "KAUFEN! KAUFEN!" Und "schenk mir diesen Schleim!" – da sah’n wir’s beide, dort, am unter'n linken Bildschirmrand, das kleine Wort, das all die so erstrebenswerte Glätte Lügen strafte:
Dramatisierung
Nüchtern betrachtet, sind die beiden Begriffe verwandt, unterscheiden sich allerdings insofern, als letzterer noch über die reine Produktdarstellungsübertreibung hinaus geht
und hinein in die Produktwirkungsversprechenüberhöhung.

(Diese Infografik macht den Unterschied klar.)


Ja. Das war's eigentlich, wovon ich erzählen wollte, von Dramatisierung des Serviervorschlags. Zur besseren Verdeutlichung hier, ausnahmsweise, ohne Ersatzflüssigkeit.

1 Kommentar:

Monsieur Porneaux hat gesagt…

Der Ausdruck "Serviervorschlag" im Zusammenhang mit Damenbinden und Windeln entfuhr schon vor langerlanger Zeit einer alten Freundin von mir, als wir uns über die in Fernsehspots daraufgegossene "Ersatzflüssigkeit" unterhielten.

Eine Frage aber konnte von uns trotz längerer Diskussion nicht beantwortet werden: wieso ausgerechnet BLAU?