Liebe GEMA, ich schreibe diesen Post ganz langsam, weil Du ja auch nicht so schnell lesen kannst.

Ich will ja gerne noch verstehen, dass Du grundsätzlich die Rechte z.B. von Musikern schützen willst.
Das ist lieb. Und weil Du nicht mehr die Jüngste bist, brauchst Du natürlich auch eine gewisse Zeit, um überhaupt herauszufinden, dass es da Sachen wie das "Internet" und dort Seiten wie z.B. "Juutuub" (was das wohl heißen soll, gell?) gibt, auf denen man sich z.B. Popvideos oder Ausschnitte von Konzerten angucken kann. (Wahrscheinlich hast Du das auf einem dieer neumodischen Fernseher mit Schreibmaschinentastatur entdeckt – so einem, wie ihn Deine Enkelkinder so gern benutzen, die Dich nie besuchen.)


Und jetzt bist Du empört, dass da Auftritte laufen, für die keiner bezahlt. Wo kommen wir denn da hin, denktst du Dir und vergisst vor lauter Herzkasper und Alzheimer auch gleich wieder, dass manche Musiker ihre Filme sogar selbst im Internet und auf Youtube zeigen möchten. Da verbietest Du's lieber gleich ganz. An Deiner Stelle würde ich diese Musiker sofort verklagen. Auf Schadenersatz. Und wenn Du den Prozess gewonnen hast, kriegt der Musiker die Tantieme, die ihm zusteht, abzüglich aller Anwaltskosten natürlich, abzüglich auch der Kosten für Deinen Pflegedienst.
Wär doch ne Geschäftside, oder?
Ach?
Genauso machst Du's?
Das ist brav.

Und jetzt gema wieder in den Gemeinschaftsraum und guck mit denn anderen Hansi Hinterseer.
Und fall nicht mit Deinem Rollator.


Kommentare:

Kiki hat gesagt…

Ich lege Dir die Diskussion bei Spreeblick ans Herz, wo etwas weniger polemisch und differenzierter auf die Hintergründe des Streits zwischen GEMA und YouTube bzw. Google eingegangen wird. (http://www.spreeblick.com/2011/11/25/youtube-gema-ein-appell-mit-bitte-um-unterstutzung/)

Und wenn Du dann noch Lust und Zeit zuviel hast, gib’ Dir auch lgeich die Debatte ums UrhG und den offenen Brief von Mark Chung an Berthold Seliger (http://www.spreeblick.com/2011/11/10/urheberrechtsdebatte-offener-brief-von-mark-chung-an-berthold-seliger/). Es lohnt sich.

Kurzfassung: YouTube/Google ist nicht bereit zu zahlen und behauptet, die Forderungen der GEMA seien zu hoch. Die GEMA widerspricht naturgemäß und stellt klar, daß YouTube sich weigert zu zahlen und sich wohl v.a. auch dem in einem solchen Fall üblichen Schlichtungsvorgang widersetzt, bei dem die fraglichen Gelder eingefroren werden bis der Ausgang feststeht, aber die unbeteiligten Dritten (wir Zuschauer) so lange die Videos genießen dürfen.
Da das wunderbar bei Clipfish, MyVideo & Co. funktioniert, ist nicht einzusehen, warum Google sich sperrt und stattdessen der GEMA in jedem betroffenen Clip den schwarzen Peter zuschiebt. Ich meine, sie könnten ja auch schreiben: WIr wollen die GEMA Forderungen nicht bezahlen und haben keinen Bock auf das (vorgeschriebene) Schlichtungsprocedere. Klar, das sähe natürlich nicht so gut aus nach außen.

Traurig ist, daß selbst Urheber und Kunstproduzenten wie Du darauf hereinfallen und brav ins selbe Horn stoßen, sich instrumentalisieren lassen, obwohl sie es eigentlich besser wissen sollten. Die GEMA ist wahrlich nicht perfekt, aber für Musiker das, was die VF Bild/Kunst für Künstler und Grafiker und die VG Wort für Journalisten und Autoren ist: *unsere* Allianz.

Thies hat gesagt…

Ich bin da unter Umständen wirklich etwas blauäugig rangegangen – zur Beruhigung:
1. bin ich nicht so naiv, Google für groß und lieb zu halten. (Also gut für grpß schon)
2. ging es mir um die etwas merkwürdige Situation, dass nicht einmal der Künstler/Urheber selbst mehr entscheiden darf, ob was von ihm zu sehen ist.
Und dass die GEMA deutlich tantenhaft daherkommt, weiß jeder, der schon mal irgendwo in halbprivatem Rahmen Platten aufgelegt hat oder als Coverband sich fragen lassen muisste, was er dennn konkret zu spielen gedenke.

Ansonste, zugegeben, hab ich keinerlei differenzierte Ahnung.

Volker hat gesagt…

Also, dank Stevie weiß ich, wie man das Ärgernis umgeht. Wenn der Titel bei YT gesperrt ist,

1. ULR kopieren
und
2. unter http://www.vidproxy.com/ ins Leerfeld eingeben und "Go" drücken. Schon läuft's.

The Minimalist hat gesagt…

Die Urheber von Musik sehen auch bei der GEMA wohl im wesentlichen in die Röhre. Tatsache ist, daß mehr als 90 % aller Musiker unterhalb der Armutsgrenze leben. In anderen Ländern sieht das ähnlich aus. Anders ausgedrückt: die Anzahl von Musikern, die von ihrem Job tatsächlich leben können, ist bedeutungslos. "Raubkopien" sind daran eher nicht schuldig. Reich werden bei der ganzen Sache allenfalls multinationale Konzerne und irgendwelche Fonds; wenn diese fehlen entsteht keinerlei Verlust. Nach akzeptabler Musik sucht man ohnehin meist vergebens: dafür gibt es ja Popstars. Kunst von Hedgefonds. Bruahahaha.

Kiki hat gesagt…

@ The Minimalist:
Und weil Musiker sowieso nur ein Almosen kriegen ist es jetzt okay, wenn sie halt gar nichts mehr kriegen?
Merkwürdige Logik.

The Minimalist hat gesagt…

Nein, eine komplett neue Lösung ist notwendig statt der bestehenden komplett verlogenen Ordnung. Es wird die ganze Zeit so getan als ginge es um die Urheber, obwohl es nur um die Pfründe von Großunternehmen geht (sowohl Google & Co als auch Medienindustrie). Tatsächlich werden die Künstler in dieser Debatte grundsätzlich nur verarscht. Wenn sie dann 3,50 € von der GEMA überwiesen bekommen, müssen sie sie mit Hartz 4 verrechnen. Auf diese Weise hat dann Vati Staat auch noch was feines davon.