Wie ich mal beinahe von einem Beinahe-Superstar gecastet wurde

Irgendwann im Juni dieses Jahres kriegte ich eine SMS von meinem Mobiltelefon-Provider. Man lud mich ein, das neue BASE-Gesicht zu werden. Dazu müsste ich nur eben ins Internet und auf die BASE-Seite und mich bewerben.
Gesagt, getan: Ich füllte brav das Formular aus und trug sogar mein tatsächliches Alter ein – ahnend, dass ich damit dann wohl leider nicht mehr dabei sein dürfte.
Doch weit gefehlt! Im August bekam ich eine Mail:
Am Freitag, den 8. September 2006, findet in Düsseldorf im Hilton Hotel ab 10.00 Uhr das Casting statt. Hier werden alle Kandidaten, die es bis in die letzte Runde geschafft haben, von einer fachkundigen Jury auf ihre Werbewirksamkeit hin beurteilt.
Überzeugen Sie die Jury, schaffen Sie es sogar ins Finale am Nachmittag. Hier entscheidet sich, wer das neue BASE-Gesicht wird und 2.500 Euro gewinnt - vielleicht sind Sie es!
Wenn Sie dabei sein wollen, kommen Sie am 8. September 2006 um 10.00 Uhr mit Ihrem gültigen Personalausweis ins Hilton Hotel Düsseldorf...
Wow! Ich! Im Casting! In Düsseldorf! Und sogar die Fahrtkosten würde ich – zumindest bis zur Höhe von 150 Euro – erstattet bekommen.
Also bestellte ich mir zu Freitag früh, fünf Uhr ein Taxi, dass mich zum nächsten S-Bahnhof bringen sollte. Von da würde ich mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und dann von dort mit dem ICE nach Düsseldorf fahren. Ich schlürfte gerde einen besonders leise zubereiteten Kaffee, als um Punkt 04:45 DINGGDONGGGG der Taxifahrer klingelte, ich machte auf, er sagte, er wäre jetzt da, ich sagte, ich hätte extra am Vorabend darum gebten, nicht herausgeklingelt zu werden, meine Familie wolle noch schlafen. Dazuwischen kläffte unser Hund, mein Sohn schaute die Treppe herunter, was denn wäre und irgendwann, endlich! saß ich im Taxi, in der S-Bahn, im Zug nach Düsseldorf.
10.00 Uhr Anreise und Check In
Dort suchte und fand ich das Hilton und landete erstmal irrtümlich bei einem gerade frühstückenden Urologenkongress, veranstaltet von der Firma Pfizer mit dem Zweck, noch mehr Viagra zu verkaufen. Nee, hier war ich noch falsch.
Und dann war ich am Ziel. Ein Saal mit etwa 80 Leuten, viele deutlich unter 40, die meisten auch unter 30, außerdem sechs junge Frauen an einem langen Tisch, die uns Namenschilder gaben, nachdem wir einen sehr kleingedruckten Vertrag unterzeichnet hatten, mit dem wir uns sozusagen von einem Großteil unserer Bürgerrechte verabschiedeten und im Falle einer Wahl auch vom kläglichen Rest. Aber hey: Ich bin nicht mehr jung und ich brauch immer noch Geld! Also ab dafür.
10.30 Uhr Begrüßung
Ein gutgelaunter Moderator begüßte uns und sagte uns, wir wären ganz toll, seien wir doch immerhin unter 2.000 Bewerbern schon in diese dritte Castingstufe gekommen. Dann begrüßte er die Jury, unter anderem den Creative Dircetor von TV Spielfilm – die wäre der Medienpartner dieser Aktion –, den extrem coolen Regisseur, eine Frau, noch wen – und leider nicht Mike Leon Grosch...
http://img145.imageshack.us/img145/185/mike16jh.jpg
...ja, der Mike Leon Grosch, der in der letzten Superstar-Staffel beinahe gewonnen hätte, aber dann eben doch nicht, der jetzt aber dennoch Musik macht und weiterhin, wenn auch diesmal von Plakaten herunter, für seinen alten Arbeitgeber Handyverträge verkauft – bestimmt hat man ihn gezwungen, mit Geld.
Man versprach, er würde kommen. Später.
10.45 Uhr Vorrunde Hier werden Sie in 10-er Gruppen aufgerufen. Was Sie im Casting-Raum erwartet: Die Jury bewertet Ihre generelle Eignung für eine BASE-Kampagne. Dazu erzählen Sie der Jury vor der Kamera in maximal einer Minute, wer Sie sind und was es interessantes zu Ihnen zu erzählen gibt. Sie brauchen nichts zu BASE zu sagen. Seien Sie locker und natürlich!
Um es kurz zu machen. Ich war todmüde, sah auch so aus und fand es auch ganz schrecklich, plötzlich und spontan ganz witzig sein zu müssen. Im Rausgehen wusste ich: Das war nix!
Draussen saßen und standen wir Kandidaten dann beisammen und erzählte uns, wie merkwürdig das doch alles sei, ich sprach unter andere mit einem NDR Jungsprecher, der sich hier ein bisschen Zusatzgeld erhoffte, auch mit einer jungen Frau, die bereits für Perlweiß Zahnarztfrau gewesen war, mit einem Schauspielschüler und einem Synchonsprecher, der an seiner völligen Akzentfreiheiheit zu erkennen war, die Stimme kannte ich nicht. Es gab auch ein paar älter Leute, bzw. ein Paar: eine freundliche alte Dame mit rotem Haar und einen etwa 50jähriger Pferdeschwanzträger.
13.00 Uhr Bekanntgabe der Kandidaten, die es in die Finalrunde geschafft haben.
Mike Leon Grosch stand endlich im Raum, alles klatschte, dann stand er weiter und der Moderator rief die Namen der insgesamt 20 Glücklichen, die eine Runde weiter waren: Der NDR-Sprecher war dabei, die Zahnarztfrau auch. Außerdem ein paar sehr attraktive junge Frauen, ein durchtrainierter Halbasiate, und auch der Synchronsprecher.
Die Oma war nicht dabei, die hochgewachsene Transe nicht, hässliche waren von Anfang an nicht dabei, ich jetzt auch nicht mehr.
Im Ergebnis also schon jetzt ein repräsentatives Abbild der bundesdeutschen Bevölkerung, wie sie die Werbebranche gerne hätte.






Wir anderen wurden nett verabschiedet, Wir durften auch noch jeder einen hellblauen Base-Rucksack mitnehmen und uns für ein Autogramm von Mike Leon Grosch anstellen. Den Rucksack wollte ich nicht (Hellblau!). Das Autogramm hab ich meiner Frau widmen lassen und nun hängt’s in der Küche am Schwarzen Brett. Preis, abzüglich der erstatteten 150 Euro: ca. 40 Euro.

Und jetzt übe ich Mit-vollem-Mund-sprechen, für den Fall, dass der Dickmanns-Truck in unsere Stadt kommt.

1 Kommentar:

Thies hat gesagt…

P.S. Die Perlweiß-Zahnarztfrau ist es geworden, der Radiomann auch (und fünf weitere gut Aaussehende). Die zwei sind aber auch wirklich nett. Doch, ja.