Schon wieder eine Zeitungsschmiererei.


Manchmal kommt man auf die seltsamsten Dinge. Hier ist es gar nicht so seltsam: Die beiden Zeitungsspalten forderten mich gestern abend geradezu heraus, zwei Hochhäuser draus zu machen. Das Flugzeug passierte so nebenbei, während ich den Himmel schrubbte, und zack, war es keine harmlose, bezugsfreie Zeichnung mehr. So was.

Liebe GEMA, ich schreibe diesen Post ganz langsam, weil Du ja auch nicht so schnell lesen kannst.

Ich will ja gerne noch verstehen, dass Du grundsätzlich die Rechte z.B. von Musikern schützen willst.
Das ist lieb. Und weil Du nicht mehr die Jüngste bist, brauchst Du natürlich auch eine gewisse Zeit, um überhaupt herauszufinden, dass es da Sachen wie das "Internet" und dort Seiten wie z.B. "Juutuub" (was das wohl heißen soll, gell?) gibt, auf denen man sich z.B. Popvideos oder Ausschnitte von Konzerten angucken kann. (Wahrscheinlich hast Du das auf einem dieer neumodischen Fernseher mit Schreibmaschinentastatur entdeckt – so einem, wie ihn Deine Enkelkinder so gern benutzen, die Dich nie besuchen.)


Und jetzt bist Du empört, dass da Auftritte laufen, für die keiner bezahlt. Wo kommen wir denn da hin, denktst du Dir und vergisst vor lauter Herzkasper und Alzheimer auch gleich wieder, dass manche Musiker ihre Filme sogar selbst im Internet und auf Youtube zeigen möchten. Da verbietest Du's lieber gleich ganz. An Deiner Stelle würde ich diese Musiker sofort verklagen. Auf Schadenersatz. Und wenn Du den Prozess gewonnen hast, kriegt der Musiker die Tantieme, die ihm zusteht, abzüglich aller Anwaltskosten natürlich, abzüglich auch der Kosten für Deinen Pflegedienst.
Wär doch ne Geschäftside, oder?
Ach?
Genauso machst Du's?
Das ist brav.

Und jetzt gema wieder in den Gemeinschaftsraum und guck mit denn anderen Hansi Hinterseer.
Und fall nicht mit Deinem Rollator.


Bei Durchsicht meiner Bücher: Der doofe Prinz



















...zum Schluss, sozusagen als Nachwort, vielleicht noch eine kleine Erläuterung: Die Origialzeichnungen habe ich mit schwarzer Tusche gemacht, die Colorierung erst eben per Photoshop ergänzt, um das Ganze in eine Farbigkeit zu bringen, die Gerd F. Setzke (Gründer der Kunstschule Alsterdamm, Zitat: "Nimm mal'n schicken Sandton.") begeistert hätte. Dessen bin ich sicher. Ich glaube ja, dass dieses Buch sich sehr direkt an Erwachsene wendet – während "der kleine Prinz" eher ein weniger ideales Geschnek von Erwachsenen an Kinder ist. Falls also jemand einen Verleger weiß, der diese Geschichte (z.B. als das ideale Geschenk für alle Exepu Exupo Exupéry-Ex-Exegeten) drucken möchte, so soll der sich bitte melden.  Ansonsten hoffe ich mal ganz grundsätzlich, es gefällt meinen Lesern.

© für alle Texte und Zeichnungen: Thies Thiessen 1994, 2011

Danke, für mich bitte keinen Kinogutschein.

O2 schreibt mich (als Alice-Kunden) per Mail an und will mich ins Kino einladen. Wie nett.
Dazu soll ich ins einfach nur hier ins Netz gehen und diese Maske ausfüllen: 

Eines der Felder, die ich ankreuzen soll, ist – ganz nebenbei – die folgende, eher nicht so groß dargestellte, Genehmigung:
(  ) *Ja, ich möchte regelmäßig von der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG  zu attraktiven Produkten und Services per SMS, E-Mail und Telefon von O2 kontaktiert werden und stimme der Verwendung meiner hier oder bei Vertragsschluss angegebenen Daten (E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer) zu diesem Zweck zu. Ich kann diese Einwilligung jederzeit hier widerrufen.

Und jedes Feld mit Sternchen ist übrigens, wie es dort auch und genauso klein heißt, ein *Pflichtfeld


Hm. 

Merkwürdig, wie man etwas zu einem Pflichtfeld ernennen kann, das ausdrücklich freiwillig ist, das auch (soweit ich weiß) nach deutscher Rechtsprechung nicht bereits vor-angekreuzt sein darf. 

Kurz gesagt, liebe Freunde von O2:  Ich hab das Gefühl, ich werde verarscht. 

Ach, tatsächlich, das werde ich? 

Dann ist ja gut.
 

So, und jetzt mal gucken, was so im Fernsehen läuft...

Der Erklärbär von der ZEIT

Gestern habe ich dieses Plakat gesehen, und da musste ich gleich an diverse Dinge denken:
  • An meine Eltern, die während Helmut Schmidts Kanzlerschaft gern sagten: Doller Mann, bloss leider in der falschen Partei. 
  • An den Buchtitel, auf dem Peer Steinbrück und Helmut Schmidt nicht richtig Schachspielen können, sondern sich um eine Figur rangeln. 
  • Dann daran, dass ich mich manchmal frage, ob der große alte Mann wirklich alles weiß oder nur alles besser.
  • Und vor allem daran, dass DIE ZEIT die erste Zeitung ist, die sich ihre eigene sympathische Werbefigur leistet.

Sehr schön, wie hier auf den ESSO-Tiger, Meister Proper und das KIK-T-Shirt der überaus medienpräsente ZEIT-Weise folgt. Schade nur, dass die Werbung diesen Gedanken nicht noch konsequenter und ein bisschen possierlicher fortsetzt.

Etwa so:

Nur mal so als Anregung.

Andererseits: zwischendurch dürfte er auch mal Ruhe geben.

Fundstücke: Was manche Versammlungen halbwegs erträglich macht

© Thies Thiessen 2006, 2011

© Thies Thiessen 2004, 2011
Allerdings: Einzig das Zeichnen nämlich – auf das vorbildliche Buch von Hans Hillmann habe ich an anderer Stelle ja schon hingewiesen.

Vergelt's Gott. Na hoffentlich...

Es braucht schon viel Glaube Liebe Hoffnung, um der Organisation "Bible to All europe" (Original-Schreibweise) auf ihrem Weg zu folgen, junge Menschen für das Wort Gottes zu begeistern. Weniger wegen des Wortes, als vielmehr wegen der Bilder.

Das Heftchen "Mein bester Freund" jedenfalls" erzählt die Geschichte Jesu von Anfang bis Ende mit so zum Steinerweichen füchterlichen Zeichnungen... – ach, sehen Sie selbst:

Vermutlich sehen wir hier den Zöllner Zachäus,der allerdings
gleich runterfallen wird,weil Jesus nämlich
einem Vöglein befohlen hat, nicht zu säen,
nicht zu ernten, sondern den Stamm
des Fluchtbaums durchzuhacken.
Und des freut sich das Blümelein.


Na, wenn das fuchtelnd geflügelte Männlein
nicht ein schielend Englein ist, der Jungfrau Maria verkündend, dass sie
zwar Jungfrau bleiben, doch auch Mutter werden soll!

Ein leeres Zettelchen, zwei Hände und ein paar Füße wurden hier mit Nägeln
an einem Holzgerüst befestigt, und weil es darob beinah umgefallen wäre,
kam ein extradicker Nagel ins Erdreich, das Kreuz zu stabilisieren.


Ich habe mich schon dermaßen oft über lieblos und/oder hilflos gezeichneten Dreck – speziell für die "Zielgruppe" Kinder – echauffiert, mir fällt allmählich nichts mehr dazu ein.

Nur so viel vielleicht: Das bei Moslems praktizierte (und streng verfolgte) Verbot, Gott im Bild darzustellen, scheint mir – unter Ansehen dieser Zeichnungen – eine gute und durchaus nachahmenswerte Idee.



Fundstücke: Zerrgesichter

© Thies Thiessen 2010, 2011

© Thies Thiessen 2010, 2011



In diesem Zusammenhang ein Buchtipp:
Charakter-Köpfe – der Fall F.X. Meserschmidt von Hans-Georg Behr, Olaf Hagedorn und Herbert Grohmann (sogar hier noch erhältlich).

Business vs. Besinnung 1:0

Die aktuelle Kampagne des Elektronik-Discounters Media-Markt kommt erfreulicherweise nicht mit der inzwischen bis zum Knochenkotzen strapazierten Billigpreis-Argumentation daher – wenigstens auf den ersten Blick – stattdessen zeigen die Werbefilme und Plakate Familien, Freundeskreise und  Feuerwehrvereine, die am Heiligen Abend gemeinsam Geschenke auspacken.
Und sich freuen.
Und wie!
Die Frohsinn wird derart frenetisch vorgeführt, dass ich den Verdacht habe, die Filmchen wurden wenigstens insofern unter realistischen Heiligabendbedingungen gedreht, als wirklich jeder Darsteller sich vorher ordentlich einen hinter die Binde gießen musste.
Gucken Sie selbst:

Grausam, oder nicht? Ich meine, entweder wurde das Kind betrunken gemacht oder es braucht dringend seine Medikamente. Das finde ich allerding nur lästig.



Regelrecht bedenklich hingegen fand sogar mein (ansonsten durchaus materialistischer) Sohn den Claim zu dieser Kampagne:
WEIHNACHTEN WIRD UNTERM BAUM ENTSCHIEDEN.
Mein Sohn erklärte, der Sinn von Weihnachten läge doch nun nicht in den Geschenken und wie groß und beeindruckend sie ausfielen.

So gesehen, sind unsere elterlichen Bemühungen nicht ganz erfolglos geblieben – wobei: vielleicht kündigt er auch nur zart an, dass es diesmal von ihm nichts gäbe. Hm...

Unsympathisch fanden wir beide übrigens auch den aktuellen Ferrero-Werbespruch, und zwar, weil er eben von Ferrero kommt: 
WAS WÄRE WEIHNACHTEN OHNE KINDER?
Vielleicht ist das noch lustig, wenn man sich vorstellt, dass Michele Ferreros Gattin einst zu ihm gesagt haben mag: MACH MIR KINDER... und der Unternehmer gleich in die Fabrik gestürmt ist.


Doch selbst dann das ist eine strunzdumme  Kalauerei, gegen die sich noch der schon vor über 15 Jahren veröffentlichte Satz des "Edeka-Marktes Frauen" in Dithmarschen regelrecht avantgardistisch ausnimmt. 
OHNE FRAUEN GEHT ES NICHT.
Ja, auch dazu gibt's ein Bild:


Aber wie angerissen: die beiden letzten Sätze sind wenigstens noch wahr.
Der erste, der von Media Markt, der ist einfach nur doof.

(In der Hoffnung, nicht allzu moralisch dahergekommen zu sein, geh ich dann mal für heute.)