KNUT zum Letzten.

Ich hatte mich ja hier ein wenig darüber aufgeregt, dass nun auch andere als Ikea ihr Marketing mit KNUT bereichern. Und die haben sich dann auch ein wenig aufgeregt. War nicht so gemeint. War doch nur Spaß. Machen ja auch andere als die anderen:



In diesem Sinne: freuen wir uns nun gemeinsam auf KNUT bei OTTO, bei AUDI und JOOP!

Über oder um.

Von Zeit zu Zeit les' ich sie gern: die Süddeutsche Zeitung und da besonders das Feuilleton. Aber ich lese sie nicht regelmäßig, weil mir die stets flankierenden Münchner Gesellschaftsnachrichten und bairischen Immobilienangebote a weng auf den Kropf gehn.

In der Ausgabe vom 13./14.Januar las ich einen kleinen Artikel über den Regisseur Gus van Sant, der mir einfach nicht aus dem Kopf will. Muss er aber. Und rein in den Blog:

Die Grafik "http://thecia.com.au/reviews/l/images/last-days-2005-poster-0.jpg" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.

Es geht da um den neuen Film Last Days, der sich wohl mit dem Leben und Sterbenwollen von Kurt Cobain befasst, es geht aber auch... – ach lassen wir doch den Regisseur selbst zu Wort kommen, bzw. denjenigen, der das Interview übergesetzt hat:

"Auch wenn 'Last Days' dann am Ende
mehr über jemanden geht,
der im Nordwesten der USA lebte
zu einer Zeit, als ich dort lebte..."


So was zeugt natürlich über Haupt nicht. Wie da ein wahrscheinlich korrekt formulierter Satz über gesetzt wurde, wie mit Grammtik geum-, ja geübergangen wurde, ist schlichtweg gruselig. Macht aber sicher mehr Spass als der besprochene Film.

Beamtenkind

Von Gastautor Monsieur Porneaux

Das Arbeiten an einem Computer ist im Normalfall eine eher trockene Angelegenheit, und auch die Arbeit unterbrechende Streifzüge durch die Untiefen des Internets sind zumeist nicht unbedingt stimmungsfördernd.
Um so schöner war der gestrige Tag, an welchem ich gleich zweimal auflachen musste, als ich vor meiner Kiste saß und Folgendes fand:

Offensichtlich hat Microsoft dieser Tage ein neues Betriebssystem auf den Markt gebracht und hat die Präsentation desselben unter das hübsche Motto gestellt

The "Wow" starts now

Nein, das ist noch nicht das, was mich amüsierte.
Lachen musste ich über ein Foto, welches bei der Vorstellung dieses Produktes aufgenommen wurde:




Vielleicht liegt’s an der Auswahl des Personals auf diesem Foto, vielleicht war’s auch die Stimmung, die auf dieser Veranstaltung zu herrschen schien, vielleicht auch die Kombination aus diesem Personal, der Stimmung und dem typographisch so schön dünn hingehuschten Slogan - mich jedenfalls hat’s erheitert, und ich murmelte noch längere Zeit grinsend vor mich hin
"… the WOW starts now … hch-hch-hch …"

Und damit hat’s ein Werbeslogan wieder einmal geschafft, sich in mein Köpfchen einzubrennen.



Das zweite Mal geschmunzelt habe ich, als ich, der ich die "Chat"-Funktion meines Computers gerade vor ein paar Tagen das erste Mal entdeckte, mich in einen "Chatraum" verirrte, in welchem augenscheinlich die gleiche Stimmung herrschte, die auf dem kurz zuvor gefundenen "Wow"-Foto zu sehen war.

Die Teilnehmer gaben eigentlich die ganze Zeit über lediglich kurze, von minutenlangem Schweigen gefolgte, ein- oder zweisilbige Einwürfe ab, wohl um kund zu tun, dass sie noch nicht eingeschlafen waren:

"Hm"

"Jepp"

und

"Mömm"

und mittendrin, ich wollte gerade wieder geräuschlos hinausschleichen, äußerte ein Teilnehmer

"ich glaube ich hätte diesem kerl an der rezeption von meinem ehemaligen hausarzt als dieser schwuchtelig meinte ich wär ja total unhöflich, nicht gleich antworten sollen ..ich pack dich gleich am arsch"

Pause.
Dann von anderer Seite:

"Jo"


Da machte ich dann doch die Tür so leise wie möglich wieder zu und schmunzelte erst draussen.

Tja, so kann man schon mit kleinen Sachen
Beamtenkindern Freude machen.

Dabei habe ich doch gar keine Staatsdiener in der Verwandtschaft …

Gotik

Von Gastautor Monsieur Porneaux

Noch während ich studierte, fragte ich mich, was man mit einem abgeschlossenem Studium der Anglistik und Kunstgeschichte wohl anfangen könnte …

… und einige Jahre nach Abbruch dieses Studiums (ich studierte inzwischen "Gebrauchsgrafik") traf ich dann den einen oder anderen aus meinen alten Studiengängen wieder.

Seltsame Berufe hatten sie nun: viele von ihnen waren stundenweise bezahlte Angestellte an privaten Sprachschulen, viele Kommilitoninnen waren Sekretärinnen geworden, und einer, der inzwischen seinen Doktor in Kunstgeschichte (über ein Architekturthema übrigens) gemacht hatte und eine Vorliebe für Film hatte, schrieb inzwischen diese hübschen kleinen Film-"Gebrauchsanweisungstexte", die man in TV-Programmzeitschriften findet á la

"Nach dem Tod seines Vaters hat Mario Probleme, die Ratenzahlungen für seinen Ferrari an die Dubioso-Brüder zu zahlen. Diese zeigen sich überhaupt nicht erfreut über diese Entwicklung und beschliessen, Mario eine Lektion zu erteilen …"

An ihn musste ich denken, als ich im Teletext des ZDF-Spielfilms "Der Fluch von Hellestad" folgende Information fand:




"… in klassisch gotischer Manier"?

Ich glaube aber eigentlich nicht, dass es der promovierte Kunstgeschichtler war, der dieses schrieb, sondern eher ein ehemaliger Anglist, denn in diesem Fachbereich spricht man bei Gruselgeschichten, die düster wabernd Schrecklichstes andeuten, von "gothic novels", die dem Teletexter wohl durch den Schädel rauschten, als er diesen Text verfasste.

Der Film war übrigens ein klassischer "Teenager-in-unwahrscheinlichem-Setting-und-einer-nach-dem-anderen-wird-abgemurkst"-Streifen mit viel Blut und abgehackten Gliedmaßen.

So ganz und gar nicht gotisch, leider.

Koks und Kotzen.

Pittigrilli.
Doller Name.

In den frühen Achtzigern wurde er wiederentdeckt und der Rowohlt Taschenbuch Verlag veröffentlichte alles von ihm neu. Immer noch erhältlich ist Kokain, "der berühme Roman der Dekadenz".



Reizvoll ist zumindest die Vorstellung, quasi nebenher in der Mittagspause zu verkünden:
"Ich muss gleich noch mal eben in die Buchhandlung, Kokain kaufen."

Rororo behauptet, das Buch wäre auch darüber hinaus von großem Reiz: "In seinem mehrfach verbotenen Roman erzählt der italienische Skandal-Autor der zwanziger Jahre die Geschichte eines jungen Journalisten, der auf der Suche nach Reportagen für seine sensationsgierigen Leser immer tiefer in den Strudel dekadenter Abenteuer gerät. Schaurig eindringlich beschreibt Pitigrilli, wie Kokain aus schillernden Persönlichkeiten 'schrille, einbalsamierte Vögel' macht."

Das ist natürlich dummes Zeug.
Vor allem möchte das Buch nämlich – genau wie sein Held – interessant sein und ist dabei unglaublich fad, weil gesucht originell und gewollt ungewöhnlich in manchen Formulierungen. Das mag zum Teil auch an der Übersetzung liegen. Hier der Auszug aus Seite 10(!), wegen dessen merkwürdiger Doppeldeutigkeit ich die Lektüre abgebrochen habe.
Zum näheren Verständnis der Handlung sei erwähnt, dass der Protagonist in Paris einen alten Schulfreund trifft und mit ihm ins Gespräch kommt:

"Ich erinnere mich sehr gut an Dich.
Du hast die Geschichtsdaten gelernt,
als wären es Telefonnummern:
Krönung Karls des Großen acht null null;
Entdeckung Amerikas vierzehn neun zwo.
Bist Du schon langte hier? Wo speist Du?"


"Hängt davon ab, wo ich gegessen habe",
wäre da eine adäquate Antwort, oder?

Zu wahr um schön zu sein. (Teil 2)


Wieder mal eine "gut deutschspr." Fundsache, in diesem Fall aus dem aktuellen Alster-Anzeiger, einem Blättchen, das in Hamburgs – soziodemografisch betrachtet – ältestem Stadtteil Poppenbüttel verteilt wird und vornehmlich von blonden weiblichen Ordnungskräften und Top-Skandinaviendeutschen Polieren gelesen wird, die "nicht dumm" sind, aber auch nicht allzu schlau. Und all das ist vollkommen "ernstgemeint".

Gastautoren? Aber hallo!

Ich habe soeben zwei neue Gastautoren auf diesen Blog eingeladen. Sie haben es sich redlich verdient Herr P. mit dem Begiff "murale Verbrechen", Herr Z. spätestens mit diesem ganz reizenden Gedächtnisprotokoll:

Da sagte gerade einer in den Nachrichten
zum beginnenden Schneefall in Süddeutschland:

„Das passt mir ganz gut, weil ich noch Ski fahr'n geh'n möchte.“

„Ski fahr'n geh'n"?

Bayern.

Also, die Herren, dann mal los. (Ich lege mich derweil etwas hin...
Später sollten wir über biergeschwängerte Redaktionssitzungen nachdenken – : jeder sitzt zu Hause chattend an seinem Rechner und trinkt ein Bier. So in etwa. )

KNUTflecken aufm Image.

("Ich bin ja schlauer geworden," dachte ich noch, "bevor ich das nächste Mal wen im Blog wegen was kritisiere, frage ich ihn nach Möglichkeit direkt, was er sich dabei denkt." Allerdings hab ich nicht daran gedacht zu fragen, ob er es war oder jemand anders, der sich dabei nichts gedacht hat... – Und jetzt auf in die Geschichte:)

KNUT bei IKEA.

Anfang der Woche sahen wir eine merkwürdige Anzeige. Im Netz warb das Unternehmen mit gleichem Motiv. Und deshalb habe ich dann bei der Firma Lenffer per Mail angefragt, wie denn der alte schwedische (und durch IKEA auch in Deutschland bekannt gemachte) Brauch KNUT nun auch für die Sonderangebote von Lenffer herhalten könne. Und ob das denn so richtig sei.

KNUT bei Lenffer

(Ach so, für alle Nicht-Hamburger: Lenffer ist DAS renommierte Haus in Hamburg für hochwertige Haushaltsartikel wie edles Porzellan, mundgeblasene Trinkgläser etc. ... wirklich, ganz was Feines, und auch meine Frau und ich sind dort, wenn wir's uns leisten können, Kunden.)

Al
so dachten wir uns, da dürfen wir doch bestimmt mal fragen – und um Missverständnissen zu begegnen, haben wir auch dazugeschrieben, dass dies KEINE Akquise-Mail wäre, wir uns allerdings gerade als gelernte Werber nach dem Sinn dieser wenig passenden Marketing-Massnahme frügen... bzw. frägten oder frögen oder so.

Antwort bekam ich von der zuständigen Werbeagentur, für die ich vor ca. einem dreiviertel Jahr mal ein paar Zeilen für lau geschrieben habe, in der Hoffnung, das mehr und vielleicht sogar Geld daraus würde. Wurde aber nix.
Der Inhaber selbst schrieb mir Folgendes:

hallo, thies thiessen, soll das eine antwort sein auf den entgangenen montblanc job?

am besten mal bei Lenffer billig einkaufen.
gruss

Hm. Was soll man darauf entgegnen? Still halten, weil freier Texter und vielleicht gibt's ja doch noch Aufträge? Wohlgemerkt, ich hatte nicht bemängelt, dass die Idee KNUT, sagenwermal, von einer anderen Marke "geliehen" worden war, nach dem Motto, einfach mal bei IKEA billig inspirieren lassen. Sowas ist Alltag. Und ich glaube keiner Agentur, die sagt, ihr wäre das nie passiert.
Ich hatte vielmehr gefragt, ob denn nicht das gleichzeitig damit transportierte IKEA-Image (Massenware, nicht zu haltbar, dafür relativ preisgünstig) mit dem von Lenffer betonten Image
eines Premium-Fachgeschäfts kollidieren würde. Das, finde ich, darf nämlich nicht passieren,
Ich habe der Agentur auch in diesem Sinne geantwortet, und nebenher klargestellt, dass ich schon deshalb nicht an irgendwelche entgangenen Aufträge gedacht habe, weil ich gar nicht auf der Reihe hatte, dass sie die zuständige Agentur ist.
Und genau für dieses Nichtwissen jetzt ein Sorry. Denn:

KNUT by Singelmann

Denn das Ganze ist schließlich (unten rechts) gelabelt. Und insofern habe ich nicht aufgepasst. Versprochen: beim nächsten Mal trifft die KNUTe gleich den Richtigen.

Filme, nacherzählt

Von Gastautor Monsieur Porneaux

Ich mag Filme recht gern.
Und ich mag es auch gern, Filme, die ich nicht kenne, erzählen zu lassen.
Das aus zweierlei Gründen:
zum einen kann ich mir so Filme, die ich, meiner Abneigung gegen abgetrennte Gliedmaßen, bis an die Decke spritzendes Blut, etc. folgend, definitiv nicht ansehen werde, gefahrlos anhören.
Und zum anderen finde ich es immer wieder interessant, Filme sozusagen "über den Filter" des Erzählers kennenzulernen.
(Thies’ und mein alter Zeichenlehrer hatte die Theorie, dass man Bilder so gern ansähe, weil man so "in den Kopf von jemand anderem kommt und Sachen mit fremden Augen sehen kann". Eine interessante Theorie, wie ich meine.)

Nun gut.

In diesem Zuge lese ich auch gern Rezensionen über Filme, die ich nicht kenne.
Hier sind Amateur-Rezensionen besonders nett, da es hier selten um Beleuchtungssituationen, Bildkompositionen oder ähnliche Feinheiten geht, sondern um ganz andere, sehr viel simplere Strukturen. Überdies kann man so gefahrlos hier oder dort in Köpfchen von Leuten hineinsehen (siehe oben), für deren Bekanntschaft man noch vor 1o Jahren den Besuch einer Trinkhalle hätte machen müssen.
So aber lässt sich so manche Perle finden, ohne dass man sein bequemes Sesselchen verlassen muss.

Heute morgen stolperte ich im Netzchen über eine solche Perle, eine Amazon-Rezension des gerade auf DVD erschienenen Bond-Filmes "Casino Royale".



Hier treffen die "Bottroper Protokolle" auf den Joyceschen "Stream of Conciousness", ungehindert die Regeln der Orthographie und Interpunktion, strukturierende Absätze und Wortzwischenräume weit hinter sich lassend und einfach nur schreibendschreibendschreibend.

Hier ein Auszug:

"[…] Daniel craig ist einfach nur geil für mich der beste Bond überhaupt er hat mich zum Bondfan gemacht obwohl ich schon viele andere gesehen habe.Und wer den Roman,wie ich, gelesen hat merkt auch das er am ehesten dem Bond aus den Büchern entspricht.Außerdem verleiht er der figur mehr tiefgang(emotional gesehen )allerdings nach dem motto harte schale weicher,aber kaputter ,kern.Und Fleming muss es ja wissen immerhin war er bevor er Schriftsteller wurde selbst MI6-Agent.Darüberhinaus spielt Craig einfach hammer(besonders in der szene vor dem Spiegel nach der prügelei im Treppenhaus man glaubt fast das er gerade wirklich zwei typen mit bloßen Händen umgelegt hat).Und letztendlich hat Craig mit Mads Mikkelsen auch einen ebenbürtigen partner oder gegner wie mans nimmt. […]"

Der Autor ("kkmk") hatte aber dennoch ein klares Ziel, er arbeitet sich am Ende des Textes bis zu einem Crescendo empor, welches er - quasi als Hommage an die Filmstruktur "Casino Royales" - in dem hübschen Schlusssatz enden lässt:

"[…] Ich freue mich schon auf den nächsten Bond Mit Craig wo wir dann hoffentlich nicht bis zum schluss warten müssen bis die Worte fallen:`Mein name ist Bond´`James Bond´!"

HIER der ganze Text.

Ach, ich LIEBE nacherzählte Filme …