Post an Twix. Und von Twix. Und zurück.

Ich habe Masterfoods per Email-Formular zu dem neuen Twix-Werbefilm gefragt:
Was, bitte, bedeutet der Satz: Frisch gebackner geht's nicht? Blöd formulierter gehts ja wohl auch nicht...
Masterfoods, genauer, deren Kundenbetreuung, genauer, Frau Eva Morgenstern hat mir geantwortet – ich zitiere:
schön, dass Sie Kontakt mit uns aufgenommen haben.

Sie haben vollkommen Recht: Frisch gebackener ist grammatikalisch gesehen falsch. Dieses Wort wurde aber in unserem aktuellen TWIX Spot bewusst als Wortspiel ähnlich wie z. B. "das König der Biere" oder "da werden Sie geholfen" eingesetzt.
Recht herzlichen Dank für Ihren Hinweis!
Freundlichen Gruß aus Viersen
Eva Morgenstern

Masterfoods GmbH
Kundenbetreuung
Industriering 17
41751 Viersen
Diese Erklärung, die ich ja bereits vermutete – das A von AIDA – verdient eine Antwort:
Na ja, Frau Morgenstern.
"Das König der Biere" rührt ja nachvollziehbar daher, dass es eben auch "das König-Pilsener" heißt. Und es ist ein Claim, nicht einfach mitten im Spot falsches Deutsch.
Gleiches gilt insofern für "Da werden Sie geholfen", was in den ersten Jahren der Kampagne von Verona Feldbusch gesprochen wurde, die gewisse sprachliche Unsicherheiten zu ihrem hoch bezahlten USP hat machen können. In der aktuellen Kampagne (ohne Verona Jetzt-Pooth) hat's denn auch eigentlich keinen Sinn mehr außer dem, dass man Gelerntes besser behält.
Sind wir ehrlich: Der Texter hat einen Fehler gemacht, und das Marketing hat's nicht gemerkt... Macht doch nix.

Liebe Grüße aus Hamburg.

P.S. Ich setze diesen Dialog gern fort. Sie finden ihn auch in meinem Blog.
So, und jetzt wollen wir mal gucken, ob und wie es weitergeht.

iMage?









Ich hab gerade den Gravis-Katalog durchgeblättert, in dem sich hundert von iPods und iPod-Verwandten darbieten wie das, was sie sind: Modische Accessoires. DockingStationen, ganze Stereoanlagen hängen sich an den iPod, und alle finden's toll. Für die, die sich diesen Quatsch nicht leisten können, aber wenigstens den Eindruck erwecken wollen, dass sie es können, hier eine tolle Erfindung:
Kauft Euch weiße DocMartens-Schnürsenkel und lasst sie irgendwo raushängen. Fertig.
Wenn Ihr noch eins draufsetzen wollt:
Lackiert 'ne Streichholzschachtel weiß und lasst da die Schnürsenkel raushängen. Merkt keiner.
Wer drauf besteht, dem schicke ich auch einen DIN A 6 Bastelbogen, aus dem Ihr Euch 'nen Shuffle (Abbildung ähnlich) zusammmenkleben könnt. Der kostet zwar, aber dafür passen praktischerweise auch noch 6 Streifen Kaugumi rein. (Bitte habt Verständnis, dass ich nicht iPod draufschreibe. Sogar die Beatles haben Ärger gekriegt, als sie darauf bestanden, ihr Label weiter Apple zu nennen...)

Web 2.0? Wosys sagt, wie's is!

Anfangen am Anfang: Nach der Besprechung der Nassrasierklingen wollte ich mich nun mal so richtig doll lustig machen über den Technofetischismus bei Oral B, dessen neuester Auswuchs eine Bürste mit Display ist, das mir offenbar sagt, ich soll die Zähne putzen – als wenn ich's nicht von ganz allein wüsste, sobald mir rauh schleimiger Pelz aus den Mundwinkeln quillt.





Also gab ich auf der Suche nach eine paar harten Fakten zur Untermalung und -stützung so einer Geschichte der elekrischen Zahnreinigung bei Google "oral b" ein, fast 100%ig sicher und darob im Voraus schadenfroh, es würde nun jede Menge Pornoseiten auf mich herabregnen.

War aber nicht so: Nach zwanzig Screens mit ich weißnichtwievielen Angeboten elektrischer Zahnbürsten von Braun/Oral B (was wiederum Gillette ist, was wiederum.. aber das steht in einer anderen Geschichte) machte ich noch einen Versuch bei MSN und scheiterte ebenfalls.
Auch hier gings immer nur ums Schmutzige-Zähne-Bürsten und dabei nie um Sex. Hut ab vor dem Marketing, dass dies sicherzustellen vermochte.

Ganz anders bei den Suchworten "oral b anal": Da gab's gar keine Zahnbürsten mehr, dafür fand ich eine sehr merkwürdige Site mit einem privat initiierten Sex-Lexikon – das Ganze eher nebenher betrieben von "Webmaster Gerhardt Wollenhaupt", desen Firma Wosys Webdesign nämlich auch sonst prima Sachen macht. Die Zukunft des Internet ist hier!

Ich lade also herzlich ein, sich die Wahrheit über Web 2.0 anzuschauen:
Es ist (und bleibt hoffentlich) eine durchgeknallte Pinwand... Denn über all dem liebenswert blöd gemachten Karnevalsquatsch von Wosys und seinen Krefelder Frohsinnsfreunden vergaß ich gänzlich Oral B.
Was Sie, liebe Leser, auch am besten tun sollten. In diesem Sinne soll heute das letzte Wort Webmaster Gerhardt Wollenhaupt gehören:

Frisch gebackener Werbetexter schreibt Twixvorlage.

Raider heißt ja schon lange Twix, ansonsten tat sich lange nix. Doch endlich, nach Jahren z.T. unsäglicher Kampagnen hat man auch mal die Riegelbackmethode optimiert und das ganze zum Anlass für einen neuen Spot genommen, nach einem durchaus nicht sooo frischen Rezept – Bäcker kommt aus Automat und präsentiert seinen besonders knusprig frischen Riegel. Das Übliche halt.












Aber egal. Wer genau hinhört, vernimmt, was mir besonders wehtat. Der fröhliche Bäckergesell sagt nämlich:
Frisch gebackener geht’s nicht.
Dumm vor die Wand gelaufener war wohl kaum je zuvor ein Werbetexter.
Und falls das Absicht wg. des ersten A von AIDA* war – neeneee, dann haben die Twixer erst recht einen Kunden verloren. Ich würde sogar sagen, sie haben selten einen Kunden derart schnell verlorener, ja geradezu verlorenst.

(*Für Nichtwerber: AIDA ist die magische Formel des Werbeerfolgs: Attention, Interest, Desire, Action – also Gucken, Mehrwissenwollen, Habenwollen, Kaufen. )

Kein Thema.












Ich habe dem hier besprochenen Herrn in sein Gästebuch hinein versprochen, seinen Namen nicht zu nennen, weshalb ich bei seiner offensichtlichen Gier nach Öffentlichkeit schon fast fest mit einer Klage rechne. Dabei will ich nur eine Kleinigkeit erwähnen, die mir auf seiner Website auffiel. Da gibt es nämlich einen Screen mit jeder Menge Fernsehspots, in denen der hier nicht genannt sein Sollende seine übliche Rolle spielt. Und in erfrischender Ehrlichkeit fragt eine Zeile unter all den kleinen Screenshots, ich zitiere:
Probleme beim Betrachten der Spots?
Danke der Nachfrage, aber ich hab'n Eimer dabei.

Und nun genug davon. Wer künftig seine Ruhe vor dem hier nicht namentlich Erwähnten haben will, möge diesen Blog besuchen. Auch weiterhin ist er für mich uund treue Leser der, dessen Namen wir nicht nennen. Versprochen.

Knickprosa

Von Gastautor Monsieur Porneaux

Es war schon immer schwierig, Gedichte zu schreiben.

Immer diese Forderung nach Reim oder wenigstens Stabreim, nach Hebungen und Versform gar, kurz: es ist ein mühsames Geschäft.
Die deutschen Expressionisten nahmen sich vor 1oo Jahren der Sache an und verwarfen einfach all diese Regeln - heraus kam, wenn’s gut ging, durchaus achtenswerte Poesie, was aber daran lag, dass die Autoren eben genau wussten, was sie taten.

Es scheint sich bei Texten übrigens ähnlich wie bei Zeichnungen zu verhalten, über die Thies’ und mein alter Zeichenlehrer bemerkte,
"Zeichnen ist wie Politik: wenn man eine Tatsache verdrehen will, muss man diese Tatsache vorher sehr gut kennen."
Womit er sagen wollte: wenn man eine Hand zeichnerisch abstrahiert darstellen will, muss man sehr genau wissen, wie eine Hand eigentlich aussieht und man sollte sie auch realistisch abbilden können; erst dann sollte man sich der Aufgabe stellen, eine Hand abstrahiert darzustellen.
Anders gesagt: man sollte die Regeln kennen und beherrschen, bevor man sie bricht.

Zurück zur Poesie.
So richtig schlimm wurde es mit dieser Form der von den Expressionisten propagierten regellosen Dichterei eigentlich erst in den späten 6o’ern/ frühen 7o’ern - ich erinnere nur an die Gedichte Erich Frieds: der größte Teil seiner Dichtung erregte zumindest in deutschsprachigen Gymnasien dieser Zeit entweder Betroffenheit (der Thematik der Gedichte wegen) oder aber verhaltene Heiterkeit (der fast durchweg misslungenen Form wegen).

Fried aber wurde kurz darauf durchaus scheinbar mühelos übertroffen von der damals noch im "Lucy Körner Verlag" verlegten Kristiane Allert-Wybranietz; vermutlich, da sich ihre Werke - anders als bei Fried - nicht um schwerwiegende politische Inhalte drehten (deren Aussage man damals in politisch korrekten Kreisen um keinen Preis in Frage stellte, daher die oben zitierte verhaltene Heiterkeit), sondern um einfache kleine private Alltagsbegebenheiten oder -sachverhalte, die durch die Form der sogenannten "Knickprosa" quasi "geadelt" werden sollten.

"Als Knickprosa", so führte ein mit mir befreundeter Literaturwissenschaftler aus, "bezeichnet man mehr oder minder kurze, gern auch grammatikalisch verschwurbelte Prosasätze, denen eine schwerwiegende Bedeutung auferlegt werden soll, indem man sie auseinanderpflückt und die einzelnen Satzteile oder Worte durch Zeilentrennung untereinandersetzt, um die Schwere der Gedanken zu betonen.
Die Autoren solcher Knickprosa kennen zumeist einfach keine andere Gedichtform und können nicht anders schreiben."

Als äußerst gelungenes Beispiel für solche "Knickprosa" möchte ich hier ein Gedicht von Frau K. Allert-Wybranietz einfügen:

Definitionssache

Wenn wir einander
verstehen, umarmen,
zusammen lachen und
traurig sind,

wenn wir unsere Nähe
als wohltuend empfinden
und manchmal den
Weg auseinander
nicht gerne gehen ...

Du
und ich ...
was ist das?

Liebe darf es nicht sein,
da wir offiziell
anderweitig verliebt
zu sein haben.

Ich muss gestehen, schon dieses kleine Beispiel zaubert ein zartes anzügliches Grinsen um meine Mundwinkel.
Es juckt einem ja geradezu in den maliziös zuckenden kleinen Zehnfingern, etwas nach gleichem Strickmuster herunterzuschreiben … ach was, ich probier’s mal:

Du und Ich

Ich
wollte
Dir die
Hand reichen …
doch Du
gabst mir
nur
die
Faust

Aaaaaaaaaaaaaaahhhhhh - - - jetzt weiß ich, warum manche Leute so schreiben müssen: es löst den Druck im Hirn.
Die Stimmen im Kopf beruhigen sich … die Schmerzen lassen nach …

Knickprosa, eben.
Von Leuten, die einfach nicht anderes können.
Für Leute, die einfach nichts anderes kennen.

Der dumme Hund ist tot, es lebe der dumme Hund!

Er hat einen neuen Namen (Euronics!)und eine neue Stimme, anscheinend die von Otto Walkes (oder einem Soundalike). Aber unerträglich doof isser immer noch. Hoffentlich schreiben sie ihm nicht auch noch einen Song.
Red Zac unmittelbar vor seiner Erschießung. So what.

Nicht frustriert

Berlin hat gewählt und die CDU hat verloren. Am Wahlabend fragte ein ARD-Journalist den Spitzenkandidaten der CDU, Herren Pflüger, wie frustriert er wäre. Und der stellte klar, er wäre überhaupt nicht frustriert.
Ziemlich genau so sah er dabei aus.

Trendsporting & Wordinventing

Vor bald zehn Jahren hingen in Hamburg Großplakate, auf denen für eine neue Sportart geworben wurde:
Stickwalking
Also am Stock gehen, klar. Tasächlich handelte es sich um Skilanglauf, nur ohne Ski, weil ohne Schnee. Der neue Sport setzte sich erst erst durch, als er einen neuen Namen bekam, der mehr danach als nach Arthrose klang:
Nordic Walking
Super, oder? In die oben erwähnte Kampagne gehört noch ein zweites Sportbund-Plakat, das mir Seilspringen schmackhaft machen wollte. Und zwar unter dem Namen:
Ropeskipping
Fehlt eigentlich nur noch ein noch ein Motivationsschub für alle Gelähmten, damit die swich nicht ausgeschlossen fühlen: Chairwheeling oder meinetwegen
Wheelchairing
Ach, Worterfinder, wisst ihr, was Ihr könnt? Fuckoffing.