Textinator

Nachdem ich schon diverse Apps auf meinem Rechner habe, die gemeinsam einen durchschnittlichen ausgebildeten Mediengestalter komplett ersetzen können, habe ich jetzt Angst, dass es demnächst auch die umfassende Texter-App gibt. Wie das aussieht, habe ich hier, in meinem Büro, schon mal mit Boardmitteln simuliert:


Ist doch zum Fürchten, oder?

Bombenstimmung auf dem Heiligengeistfeld

Der Spaß kann weitergehen. 
Nachdem der Verdacht, dass im Untergrund des Hamburger Heiligengeistfelds noch Bombenblindgänger aus dem II. Weltkrieg lauern, nun offiziell ist, haben die Schausteller erste Maßnahmen beschlossen.

Fundstücke etc: Prominente Vergangenheit

Aus Anlass meines Justus-Frantz-Beitrags habe ich mal überlegt, welchen Prominenten ich denn sonst schon Aug' in Auge gegenüberstand. Wobei Prominenz hier mal definiert werden soll als das gute alte "Bekannt von Film, Funk und Fernsehen".
Da wäre also der bereits porträtierte Herr Frantz, dann ist da Hans-Joachim Kulenkampff, für den ich vor zwanzig Jahren drei Tiefkühlgerichte-Werbespots geschrieben habe. (Und den etwas peinlichen Claim: Delite-Menüs von Iglo. Einfach kulinarisch.)
Freddy Quinn hab ich mal von Weitem betrunken – er war beschickert, nicht ich, ich war erst 14 – am Hafen von Büsum gesehen. Corny Littmann (heute Präsident des Schmidt-Theaters) habe ich bei einer Party vor ca. 30 Jahren erlebt. Hat mir nicht so sehr gefallen. Die Party war nett.
Ach ja, und wo ich eben bei Kulenkampff war: ebenfalls aus werberischem Anlass und fürs gleiche Produkt durfte ich im Sommer 1989 nach München, um dort einen Chor zu beaufsichtigen, der im Studio des Werbejingleproduzenten und Popmusikers Michelangelo La Bionda ein 30 Sekunden-Lied singen sollte.
Schon Signore La Bionda war für mich interessant, weil der nämlich gemeinsam mit seinem Bruder ein Jahrzehnt vorher kurz Star war und schließlich auch eine Reihe Spaghetti-Action-Soundtracks im Stile von "Der Supercop haut auf den Dicken" komponiert hatte.


Die eigentliche Sensation war aber Robert Palmer, der am gleichen Tag im gleichen Studio seine neue LP fertig gemischt hatte und zur Feier des Tages von Michelangelo LaBionda (– man muss diesen Namen laut aufsagen, das bringts!) zum Essen und ins Schuman's eingeladen wurde, und ich kleines Werbettexterlein durfte mit.
So sensationell war's dann aber auch wieder nicht. Außer vielleicht: die deutlich jüngere Freundin des damals 40-jährigen Palmer, der mir im Kontrast zu ihr totalzerstört vorkam.
Die hatte nämlich, abgesehen von ihrer Oberweite, auch eine ganze Menge Gutes im Kopf, und sie war nur wenig jünger als ich. Wir haben jedenfalls den ganzen Abend und bis in die Nacht geplaudert und viel gelacht, während der Sänger immer lauter wurde und trotz all dieser Mühen nur zweimal Autogramme geben durfte.
Es war ein rundherum merkwürdiger Abend, den ich noch in der Nacht aufzeichnete.

© Thies Thiessen 1989 / 2011
© Thies Thiessen 1989 / 2011

Hans Joachim Kulenkampff ist tot. Robert Palmer ist auch tot.
Wegen "Bad case of Loving you" tut mir das leid.


Michelangelo LaBionda singt immer noch "One for you, one for me."
Im italienischen Fernsehen.

Ich weiß nicht genau, was besser ist.

Fundstück: Die Hände des Pianisten

Vor 13 Jahren arbeitete ich unter anderem für eine nicht mehr existierende – aber das ist nicht meine Schuld! – Werbeagentur, die unter anderem auch für das Liberale Netzwerk tätig war, einen Zusammenschluss von Menschen, die die Idee des Liberalismus befördern wollte, die damals noch verkörpert wurdecdurch den hyperaktiven Jürgen W. Möllemann und schon durch Westerwelle. In diesem Fall sollte es eine Anzeigenkampagne sein, die ich außer im Andruck eigentlich nie wo gedruckt gesehen habe.
Die Motive waren stets die Hände prominenter Unterstützer, die sich irgendwie so kneteten, dass sie auf welche Weise auch immer zu den liberalen Thesen passten, die als Überschrift dabei standen.

© für die Zeichnung Thies Thiessen 1998 / 2011

Ein Polaroid aus dem Fotoshooting habe ich aufbewahrt und zeichnerisch optimiert.
Danke für die hilfreichen Hände des Piansiten und Dirigenten Justus Frantz. (Ich schreibe gern dazu, wer das Urheberrrecht am Foto hat, sobald sich der Fotograf bei mir meldet... – wer das damals war, hab ich nämlich vergessen.)

Fundstücke: 3x in Bus & Bahn

© Thies Thiessen 1994 / 2011

© Thies Thiessen 1994 / 2011

© Thies Thiessen 1994 / 2011

Inselmarketing III

Vor zwei Jahren habe ich mich hier darüber gefreut, dass sich ein Grafiker erbarmt hat, die Insel Rügen mit einer sympathischen Werbefigur bekannter zu machen. Noch erfreuter zeigte ich mich darüber, dass die Werbefigur "Rügi" auch exakt den Umriss der Insel hatte, was zu einer tollen Unverwechselbarkeit führte.
Heute finde ich auf der Website eines ehemaligen Studenten von mir ein Cartoon, das exakt diese Idee für die Insel Sylt fortschreibt. Nun gut, jeder kennt Sylt und vor allem die Aufkleber. Aber warum soll die Insel nicht einfach mal sympathisch statt arrogant daherkommen?
Danke Chaesare, (the artist formely known as Armin)  für diese schöne Anregung, die ich direkt weiterempföhle ans Sylt-Marketing, wenn ich dort jemanden kennte.
Um der guten Dinge drei vollzumachen, hier noch ein von mir fotografiertes Dokument von der Insel Fehmarn, wo zwar überall der Umriss hingeklebt,- -geschraubt, - gemalt und -genagelt ist...
...wo aber noch niemand die Chance genutzt hat, die Insel als freundlich brummigen Bären darzustellen und so das Touristengeschäft aber so was von anzukurbeln.
Eigentlich schwer verständlich, oder?

Also, Rügen hat Rügi, Sylt hat Gunnar, Helgoland die Lange Anna, wer kümmert sich Fehmarn? Oder muss ich wieder alles elba machen?





(Dass ich Werbefiguren mag, wissen meine Leser ja, siehe auch hier und hier.)

Fundstücke: Blues & Story

© Thies Thiessen 1996 / 2011

© Thies Thiessen 1996 / 2011



One more thing...

Wie man sieht: Business as usual.

Mängel, exemplarisch

Hatte ich schon erwähnt, dass ich gern lese? Dass ich, um genauer und dabei unfreundlich mit mir zu sein, schon gegen Betonpoller gelaufen bin und mir das Schienbein blutig gestoßen habe, nur weil ich ein Buch vor der Nase hatte?
Dabei bin ich durchaus wählerisch: ich lese gern fast alles, von den MickyMaus-Heften meines Sohnes (bei denen mich die comicfreien "Magazin"-Elemente nerven) bis zur Hochliteratur, ja doch: Dostojewski, Joyce, Arno Schmidt hab ich, z.T. mit Amüsement, probiert, hängengeblieben bin ich bei Autoren  der "Neuen Frankfurter Schule", auch bei Julian Barnes, bei Flann O'Brien, selbst wenn er grad mal nicht von Harry Rowohlt übersetzt wurde, was früher vorkam.

Was daran wählerisch ist?
1. Wenn ich merke., dass die Übersetzung schlecht ist, wenn die Zeichnungen Dreck sind, dann regt mich das auf oder – im besseren Fall, ich werf den Kram ins Altpapier.
2. Grundsätzlich habe ich keine Lust mehr, mit Paperbacks ins Regal zu stellen, von denen viele immer noch erschreckend schlecht verarbeitet sind, will sagen: ich will nur "echte" Bücher haben. Was mir sonst so unter die Augen kommt, wird eben so mit weggelesen und danach -geschmissen oder -geschenkt. 

Natürlich weiß ich, dass ein haptisch unschönes Buch inhaltlich durchaus was wert sein kann. Aber
wenn man an die vierzig Jahre gewohnheitsmäßig liest, fällt einem allmählich auch mal was auf die Nerven. Das sind bei mir inzwischen besonders die Auswüchse der RemittendenRamschpest, deren eitrig stinkende Beulen mittlerweile in jedem Buchladen in die €-2,99-Schütten hineinplatzen.

Als schwer verkäuflich abgestempelt: Das tut weh.

Früher war das noch nicht ganz so verbreitet: Remittenden, darunter auch viele wertvolle und gut gemachte Liegenbleiber,  kamen zu Wohltat's Buchhandlung oder zu 2001in Quarantäne, wurden dort wegkuriert und fertig. Da hab ich gern Reste* gekauft. Heute geht das schneller und massiver: Stempel auf den Anschnitt! Kratzer oder Filzerstrich auf die Rückseite! Fertig ist das Mängelexemplar, das nun günstiger vertickt werden kann!

Zerkratzt, zerschnitten, für immer entstellt.

Und dann leide ich ein bißchen mit dem Autor und der Reduzierung seiner Tantieme. Und ich sage mir, dass ich weder Filzerstrich noch Kratzer auf einem Buch in MEINEM Regal haben möchte. Und dann kaufe ich's doch und  siehe oben – lese es weg und danke.

Doch nichtsdestotrotz – gibt es einen augenfälligeren und trauriger machenden Beleg dafür, dass Bücher eben auch nur eine Ware  und dass Hirnschmalz Grammweise und mit Verfallsdatum gehandelt wird? Wem sage ich das? Ich bin Werbetexter.



*Nicht, dass ich das immer geschätzt hätte: Die Bücher des Schweizer Haffmans Verlags landeten gegen Ende seiner Existenz schon in atemberaubender Geschwindigkeit bei 2001 im Katalog. Nur einmal in dieser Zeit habe ich ein Haffmans-Buch zum regulären Preis gekauft: "Bernsteins großes Buch der Zeichnerei" kaufte ich zum Subskriptionspreis von (wenn ich mich recht erinnere) 98 Mark. Einige Zeit darauf gab's auch das bei 2001für deutlich kleineres Geld. Von da an hebe ich die letzten Haffmans-Bücher nur noch bei 2001 und billig gekauft. Nur konsequent, dass der Versand inzwischen gleich den ganzen Verleger gekauft hat.